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Volume No. 34. Bericht über das städtische Straßenreinigungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

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Nr. 34. Straßenreinigung. 
etwas höheren Lohn als die übrigen Arbeiter, verursachen aber der 
Verwaltung trotzdem durch die in eigenen Werkstätten ausgeführten 
Arbeiten vielfache Ersparnisse. 
Auf den vorhandenen Ab und Einladeplätzen in der Müllersiraße 
und an der Slralauer Allee sind 2 Platzausseher und 12 Mann 
dauernd beschäftigt. Ein dritter Platzausseher ist auf dem städtischen 
Abladeplatze zu Spreenhagen stationirt, um diesen Platz und die dort 
auszuführenden Arbeiten zu beaufsichtigen. Das Personal der öffent 
lichen Abladeplätze gehört streng genommen nicht zur Straßenreinigung, 
sondern wird ans einem besonderen Etat unterhalten; es muß indessen 
bei dem engen Zusammenhang beider Verwaltungen auch der auf den 
Abladeplätzen Beschäftigten hier Erwähnung geschehen, umsomehr, als 
die Straßenreinigungsverwaltung die Abladeplatzarbeiter stellt oder 
ergänzt, umwechselt u. s. w. Endlich sei noch erwähnt, daß zur Ab- 
wartnng von Francnbedürfnißanstalten 7 Frauen beschäftigt werden, 
mit denen im Ganzen ein Personal von 1154 Köpfen im gesammten 
Straßenreinigungsbetriebe vorhanden war. 
Im Winter bei starken Schneefällen reicht das vorhandene 
ständige Arbeitspcrsonal zur Bewältigung der Arbeiten nicht aus, es 
müssen dann Hilfsarbeiter angenommen werden, deren Zahl sich ganz 
nach den jeweiligen Witterungsverhältnissen richtet. Sie werden in 
allen Füllen immer nur auf einige Tage engagirt, wie dies bei dem 
vorübergehenden Charakter der winterlichen Arbeiten nicht anders sein 
kann. Im Allgemeinen sind die Arbeitsleistungen dieser Hilfsarbeiter 
nicht erheblich, schon in Rücksicht der kurzen Wintertage, und ferner, 
weil dem plötzlich eintretenden Bedarf an Hilfskräften gegenüber eine 
besondere Auswahl nicht getroffen werden kann. Die Hilfsarbeiter 
erhielten einen Tagelohn von 2,26 Jt. Dieser Lohnsatz ist im Vergleich 
zu denjenigen Löhnen, welche den ständigen Arbeitern gewährt werden, 
zwar nicht hoch zu nennen, doch entspricht er im Allgemeinen den 
Leistungen der Hilfsarbeiter. Es ist vielfach angenommen, daß die 
Slraßcnreinigung zuweilen viele Tausende von Hilfsarbeitern an 
nehmen und beschäftigen könne und solle; dies ist indessen schon des 
wegen unmöglich, weil die Zahl der sich zur Verfügung stellenden 
Arbeiter in keinem Falle so groß ist, wie öfter angenommen wird, 
dann aber auch aus dem Grunde, weil bei Ueberschreitung einer 
gewissen Grenze die Uebersicht und Kontrolle des ganzen Apparates 
verloren gehen würde. Diese Grenze wird mit der Beschäftigung 
non etwa 2 500 Hilfsarbeitern als erreicht zu bezeichnen sein. 
II. Besonderer Theil. 
1. Ueber die Arbeits- und Lohnverhältniffe. 
Zur Löhnung der ständigen Arbeiter und Arbeitsburschen stellte 
der Etat während unseres Berichtsjahres 1260 728^ zur Verfügung. 
Hiervon sind 1 207 625 M ausgegeben, sodaß ein Rest von 53 173 M 
geblieben ist. Diese Ersparniß erklärt sich wie folgt: Wenn Arbeiter 
erkranken, so erhalten sie während der Dauer der Krankheit keinen 
Lohn, ihnen wird vielmehr, wie weiter unten zu ersehen ist, Kranken 
geld und Unterstützung annähernd in der Höhe des Lohnbetrages 
gewährt. Unsere Direktion ist aber zunächst berechtigt, solchen Leuten 
von den Fehltagen einer Krankheitsperiodc, wie auch, wenn sie aus 
anderen dringlichen Veranlaffnngen ihre dienstlichen Obliegenheiten zu 
verrichten verhindert sind, 3 Tage als Arbeitstage mit vollem Lohn 
anzurechnen. Nun werden für erkrankte Arbeiter nicht immer sogleich, 
sondern erst dann Ersatzleute eingestellt, wenn mit Bestimmtheit auf 
eine längere Dauer der Krankheit und somit auf ein längeres Fern 
bleiben vom Dienst gerechnet werden niuß. Es ist selbnverständlich, 
daß bei dem zahlreichen Personal auch zahlreiche Krankheitsfälle vor 
kommen, und daß durch Fehltage und Fehlwochen im Laufe eines 
Jahres erhebliche Beträge des Lohnetatstitels nicht zur Verausgabung 
gelangen können, was dann lediglich in den vorübergehenden Mehr 
leistungen der übrigen Arbeiter seinen Grund findet. Die in unserer 
Verwaltung üblichen Lohnsätze entsprechen nicht nur den hiesigen Ver 
hältnissen, sondern gehen über den behördlich festgesetzten ortsüblichen 
Tagelohnsatz nicht unerheblich hinaus. Es erhalten nämlich an Lohn: 
die ältere Hälfte der Vorarbeiter 4,oo M, 
- jüngere Hälfte der Vorarbeiter .... 3,76 - 
Arbeiter der I. Lohnklaffe 3,so - 
- Arbeiter - II. - 3,26 - 
- 70 Arbeiter - III. - 2,76 - 
Arbeitsburschen l,eo - 
Die Handwerker im Hauptgeräthedepot werden wie die Vorarbeiter 
bezahlt. Die Platzaufseher auf den öffentlichen Ab- und Einlade 
plätzen, die aus den Arbeitern der Slraßenreinignng entnommen 
werden, beziehen täglich 4,6« M Tagelohn. Der Lohnsatz der Arbeiter 
auf diesen Plätzen ist inzwischen auf 3,75 M erhöht worden mit Rück 
sicht auf die größeren Leistungen dieser Arbeiter. 
Ueber den Begriff Arbeiter I., II. und III. Lohnklaffe ist folgendes 
zu bemerken. Alle Arbeiter, die neu eingestellt werden, erhalten zu 
nächst einen Tagelohn von 2,76 M. Die Zahl dieser Arbeiter be 
trägt aber nur 70 Köpfe. Aus dieser geringen Zahl ergiebt sich, daß 
es der Verwaltung keineswegs auf eine bloße Lohnersparniß ankommt, 
'andern daß bei dieser Lohnabmessung die Rücksicht auf die älteren 
Arbeiter maßgebend ist; jene neu eingestellten 70 Arbeiter gehöre» 
imnier nur kurze Zeit der Lohnklasse III an, und rücken meist noch 
innerhalb des ersten Dienstjahres in die höhere Lohnstnfe auf; denn 
im Allgemeinen hat der Aufenthalt in der III. Lohnklaffe nur die 
Bedeutung einer Probezeit. Sämmtliche Arbeiter der städtischen 
Straßenreinigung erhalten freie Dienstkleidung, ebenso wird ihnen 
auch das Arbeitsgeräth von der Verwaltung gestellt. Das Tagelohn 
wird 14tägig gezahlt und auch für Sonn- und Festtage nicht verkürzt, 
gleichgiltig, ob an diesen Tagen voll gearbeitet wird oder nicht. Alte 
Arbeiter, die arbeitsunfähig geworden sind, beziehen bei ihrer Ent 
lassung aus dem Dienste neben der gesetzlichen Alters- oder Invaliden 
rente noch laufende Unterstützungen von der Stadt, in Beträgen von 
400 bis 600 M jährlich, je nach der zurückgelegten Dienstzeit. Diese 
Unterstützungen werden derartig bemessen, daß sie vom 10. Dienst 
jahre ab eintreten, niit 400 JC beginnen und dann von 5 zu 5 Jahren 
um je 50 M steigen. 
Während unseres Berichtsjahres sind 11 Arbeiter unter Gewährung 
von derartigen laufenden Unterstützungen außer Dienst gestellt worden, 
nachdem ihre Arbeitsunfähigkeit vorher durch ärztliche Untersuchung 
festgestellt worden war. Sänimtliche Leute beziehen nebenbei auch die 
gesetzliche Invalidenrente und sind auf diese Weise vor Noth einiger 
maßen sicher gestellt. 
Was die von unseren Arbeitern geforderten Arbeitsleistungen 
anbetrifft, so ist darüber folgendes anzuführen: Die regelmäßigen 
Reinigungsarbeiten beginnen Nachts um 12 Uhr und endigen 
gewöhnlich und bei normalem Wetter gegen 8 Uhr Morgens. Inner 
halb dieser 8stündigen Arbeitsdauer liegt eine V^stündige Frühstücks 
pause. Bei schlechtem Wetter kann es allerdings'vorkommen, daß sich 
die Arbeitszeit etwas verlängert, weil dann in der Regel viel Schmutz 
vorhanden ist, der die zu leistende Arbeit verzögert. Immerhin bilden 
derartige Verhältnisse nur eine Ausnahme. Diejenige Mannschaft, die 
am Tage arbeitet, z. B. bei der Straßeubesprenguug, bei der besonderen 
Reinigung der Asphaltstraßen u. s. w.. thut gewöhnlich von Morgens 
7 bis Abends 7 Uhr, theilweise auch von 8 bis 8 Uhr Dienst. Auf 
die 12stündigc Dienstzeit entfallen an Mittags-, Frühstücks- und 
Vesperpausen 3 Stunden, io daß auch hier die thatsächliche Arbeits 
zeit 9 Stunden beträgt. Erwägt man fernerhin, daß an allen Sonn- 
und Festtagen bei der regelmäßigen Reinigung nur immer etwa 
3 Stunden, des Morgens von 6—9 Uhr, gearbeitet wird, so ergiebt 
sich aus allen diesen Verhältnissen, daß im Allgemeinen das durch 
schnittliche Tagewerk die Dauer von 8 Stunden nicht überschreitet. 
Selbstverständlich wird der Dienst in den Aufseherabihcilnngen 
derartig geregelt und vertheilt, daß weder eine Benachtheiligung noch 
Bevorzugung des einzelnen Mannes vorkommen darf, und daß alle 
Leute gleichmäßig zuni Tages- und Nachtdienst herangezogen werden. 
Jeder Aufseher führt für diesen Zweck eine Kommandirrolle, nach der 
ber Dienst täglich eingetheilt wird. 
Während unseres Berichtsjahres ist zunächst versuchsweise und für 
die Sommermonate eine Einrichtung getroffen, die unseren Arbeitern 
einen dienstfreien Tag in der Woche im Zusammenhange mit dem 
Sonntage gewähren soll, derart, daß sie von beendeter Arbeit am Sonntag 
Morgen bis Montag Nacht vollkommen frei haben, ohne Lohn ein 
zubüßen. Um dies zu ermöglichen, wird die sonst am Montag statt 
findende, an und für sich schon verkürzte, nur 3ständige Arbeit auf 
die allernothwendigsten Reinigungen beschränkt und von nur 4 Arbeitern 
jeder Abtheilung besorgt, der Ausfall von 3 Arbeitsstunden für die 
übrigen Arbeiter aber dadurch wieder eingebracht, daß die rege!» 
mäßigen Reinignngsarbeiten täglich l / 2 Stunde länger dauern, d. h. 
schon um '^12 Uhr Nachts beginnen. 
Ein ordnungsmäßiger Wechsel in der Vertheilung der täglichen 
Arbeiten giebt die Gewähr, daß jeder Arbeiter in der Reihe in den 
Genuß des dienstfreien Tages kommen muß. Hiernach läßt sich schon 
durch die Arbeiter selbst leicht kontrolliren, ob alle Dienstleistung auch 
regelmäßig und der Reihe nach auf sämmtliche Arbeiter vertheilt 
werden. Gewiffe, besonders schwere Arbeiten, denen alte, schwächliche 
Leute nicht mehr recht gewachsen sind, z. B das Baggern der Senk 
gruben und Gnllies, werden mehr ans die jüngere Mannschaft ver 
theilt, was von dieser in kameradschaftlicher Art auch gern hin 
genommen wird. 
Nebenbei kommen zuweilen noch verschiedene kleine Arbeiten und 
Dienstleistungen vor, die außerhalb der eigentlichen Arbeit und Arbeits- 
zeit liegen, z. B. der Wechsel der Geräthe im Hauptdepot, Hilfs 
leistungen bei starken Regenfällen u. s. w. Erheblich sind derartige 
Arbeiten aber nicht; der auf den einzelnen fallende Antheil ist un 
bedeutend, wenn es auch vorkommen kann, daß die Arbeiter nach 
kaum beendeter Dienstzeit aufs Neue sich zur Arbeit begeben müssen. 
Unsere Direktion hat übrigens einen kleinen etatsmäßigen Fonds zur 
Verfügung, um Arbeitern für besondere Dienstleistungen hin und 
wieder eine kleine Zulage gewähren zu können. 
2. Unterstützungen. 
Trotz der den Arbeitern durch die Krankenkasse gewährten Für 
sorge haben die Gemeindebehörden denjenigen etatsmäßigen Unter- 
stützungsfonds, der schon vor Errichtung der Krankenkasse vorhanden 
war, auch für das Berichtsjahr aufs Neue belasten und nicht ver
	        
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