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Volume No. 34. Bericht über das städtische Straßenreinigungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

Nr. 84. Straßenremigrmg. 
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I* 
Steinpflasters in deniselben Maße, wie das gute Pflaster zunimmt: 
es ist fast nur noch in den weniger verkehrsreichen älteren Neben 
straßen vorhanden. Was die Reinigung und sonstige Behandlung 
des Asphaltpflasters, auch des Holzpflasters betrifft, so beanspruchen 
beide Arten eine besondere Aufmerksamkeit. Bei beiden ist noth 
wendig, den die Fahrbahn schlüpfrig machenden Pferdemift möglichst 
sorgfältig zu entfernen und die feuchten Stellen ein wenig mit Sand 
zu bestreuen. Je nach der Jahreszeit und Witterung, und zwar so 
oft als angängig, muß das Asphaltpflaster abgewaschen, d. h. reich 
lich mit Wasser begossen und mit Gummischrubbern abgezogen 
werden. Wenn nach dem Abwaschen des Asphaltpflasters nicht ein 
rasches Abtrocknen eintritt, besonders im Frühjahre und Herbst, dann 
ist es nothwendig, etwas Sand zu streuen. Dasselbe muß auch zu 
weilen bei Regenwetter geschehen, weil dann für gewöhnlich, besonders 
bei leichtem beginnenden Regen das Asphallpflaster glatt wird und 
die Pferde unsicher macht. 
Im klebrigen sind die in früheren Jahren so vielfach erhobenen 
Klagen über die Fahruusicherheit des Asphaltpflasters heute nicht mehr 
erheblich. Bei der stetigen Vermehrung und Ausbreitung des Asphalt- 
pflasters hat sich das gesamnite Fuhrwesen bereits derartig an dessen 
Eigenschaften und Eigenthümlichkeiten gewöhnt, daß ein Hinstürzen der 
Pferde verhältnißmäßig nur noch selten vorkonimt. Das Asphalrpflaster 
erfreut sich allgemeiner Beliebtheit, da seine Annehmlichkeiten bei 
Weiten: die kleinen Uebelstände, die ihm etwa anhaften, überwiegen. 
Bei Holzpflaster stellen sich allerdings die Verhältnisse anders. Die 
Behandlung dieses Pflasters ist ini Allgemeinen dieselbe wie bei 
Asphalt: der Erfolg der Reinigung hat dagegen niemals denselben 
günstigen Erfolg. Die Oberfläche des Holzpflasteis ist immer niehr 
oder weniger rauh und uneben. In den Unebenheiten setzt sich aber 
der Schmutz fest und läßt sich nur schwer und unvollkommen ent 
fernen. Es ist natürlich, daß bei trockenem Wetter starker Staub rind 
bei nasseni Wetter oder nach der Besprengung viel Schniutz entsteht, 
Uebelstände, denen leider schwer beizukommen ist, und die sich um 
so schlimmer bemerkbar machen, je nnebener die Oberfläche des Holz 
Pflasters allmählich wird. 
Auch die Fahrsicherheit des Holzpflasters ist unseres Erachtens 
bei Weitem geringer, als diejenige des Asphaltpflasters. Besonders 
im Herbst und Winter nimmt Holzpflaster, das nur sehr langsam 
abtrocknet, oft eine geradezu verderbliche Glätte an, der nur durch 
das sorgsamste Bestreuen mit Kies einigerniaßen begegnet werden 
kann. 
Die besondere Bearbeitung des Holz- und Asphaltpflasters er 
folgt durch besondere Arbeiter, die Asphaltbnrschen, über die späterhin 
noch eingehend berichtet werden soll. 
3. VerwaltungScrgcbiiissc. 
Besondere organisatorische Veränderungen, Vorschriften und Be 
stimmungen sind gegenüber dem Vorjahre nicht eingetreten. 
Die Erweiterung des Betriebes ergab sich von selbst theilweisc 
ans der nothwendigen Vermehrung der Reinigung vieler schon vor 
handener Straßen in Folge größeren Verkehrs, andererseits aus dem 
Zuwachs, der sich aus dem Hinzutritt neuer Straßen und neuer 
Pflasterungen herleitet. Ini Allgemeinen sind aber die gegen das 
Vorjahr so stark in die Erscheinung tretenden höheren Ausgaben die 
Folge der Verhältnisse des langandauernden, harten, schneereichen 
Winters, wie aus der am Schluffe dieses Berichts angefügten Ueber 
sicht über die Einnahinen und Ausgaben zu ersehen ist. 
4. Wichtige Ereigniffe und Pcrsonalnachrichten. 
Für das abgelaufene Berichtsjahr sind besonders wichtige 
Ereignisse nicht hervorzuheben. Ueber die Personalverhältnissc in der 
Straßenreinigungsverwaltung werden die nachfolgenden Angaben 
gemacht. 
a) Die Deputation. 
Die Deputation für das städtische StraßenreinigungSwesen besteht 
bestimmungsmäßig aus 4 Stadträthcn und 8 Stadtverordneten. 
Außer jenen Mitgliedern gehört noch ein Magistratsasseffor, vr. Buls, 
als stiinmberechtigles Mitglied zum Kollegium. Für technische Arbeiten, 
insbesondere für die Angelegenheit der Müllverbrennuny n. s. w., 
war der Deputation der Regieriingsbaumeister Grohn beigegebcn, 
der indeß noch vor Ablauf des Berichtsjahres seine Stellung bei uns 
aufgab, um in den Reichsdienst überzutreten. Vorsitzender der 
Deputation ist der Siadtrath und Syndikus Menbrink, der dieses 
Anit seit etwa 23 Jahren verwaltet. Die übrigen Magistrats 
mitglieder, die zum Kollegiuni gehören, sind die Sladträthe Bohrn 
und Mielenz und der Stadlbaurath Krause. Die 8 Stadt 
verordneten der Straßeiireinigungsdeputation sind die Herren 
Fähndrich, Frick, Jacobi, Mentel, Pfannkuch, Plischke, Rast 
und Schem. 
d) Beamtenpersonal. 
Ini Bciriebspersonal sind erhebliche Veränderungen im Laufe deS 
Jahres nicht vorgekommen. Es besteht anßer dem Direktor zur Zeit 
aus: l Jnspekror, 7 Oberanfsehern, von denen einer die Funttionen 
des Depotverwalters versieht, 1 Oberaufseher im inneren Dienst, 
25 Aufsehern für die vorhandenen 25 Aufseherabtheilungen und 
1 Aufseher zur Reserve, der die Vertretung erkrankter oder fehlender 
Abtheilungsanfseher zu übernehmen, auch den Oberanffeher im inneren 
Dienst zu unterstützen hat. 
Der Inspektor vertritt in Behinderungsfällen den Direktor, 
während der im inneren Dienst beschäftigte Oberaufseher die Obliegen 
heiten eines Technikers im Büreau des Direktors hat. 
Oberanffeher und Aufseher sind Gemeindebeamte und pensions 
berechtigt: die meisten dieser Beamten sind schon lange Jahre in ihrer 
Stellung. Die Gehaltsverhältniffe der Oberausseher sind nach dem 
Dienstalterssystem geordnet. Das Mindestgehalt der Oberaufseher be 
trägt 2400 Jt. Die Beamten erreichen nach einer 18jährigen Dienst 
zeit das Höchstgehalt, das in 6 Stufen und zwar: 
»ach 3 Jahren 2 550^, 
- 6 ° 2 700 - 
- 9 - 2 850 - 
- 12 - 3 000 - 
- 15 - 3150 - 
- 18 - 3 300 - 
erreicht wird. 
Der Depotverwaller rangirr nach seinem Dienstalker mit den 
übrigen Oberauffehern und bezieht zur Zeit neben freier Dienst 
wohnung ein baares Diensteinkommen von 2 625 Jt. Die Dienst 
wohnung wird ihm mit 225 Jt angerechnet. 
Die Gehaltsverhältnisse der Aufseher sind jetzt ebenfalls nach 
deni Dienstalterssystem und zwar in der Art geregelt, daß das An 
fangsgehalt 1 500 Jt, das Höchstgehalt, das in 6 Stufen bei einer 
Dienstzeit von 20 Jahren erreicht wird, 2 200 Jt beträgt. 
Den Aufsehern, die überdies freie Dienstkleidung erhalten, werden 
für Ansübung straßenbaupolizeilicher Funktionen aus Mitteln der 
örtlichen Straßenbaupolizci Zulagen von 180 Jt jährlich gewährt. 
Für die Oberanffeher ist diese Funktionszulage aut 240 Jf jährlich 
festgesetzt. 
c. Arbeiterpersonal. 
Aus der steten Vergrößerung des Arbeitsgebiels ergiebl sich von 
selbst, daß auch die Zahl der Arbeiter stetig vermehrt werden muß. 
Im Etatsjahre 1899 waren vorhanden: 
100 Vorarbeiter. 
378 Arbeiter 1. Lohnklasse. 
378 - II. 
70 - III. 
200 Arbeitsburschen, 
insgesammt also 1126 Köpfe, was gegen das Vorjahr eine Ver 
mehrung von 90 Köpfen ausmachn 
Ein Vergleich der Kopfzahl der ständigen Arbeiter mit der zu 
reinigenden Straßenstäche ergiebt, daß auf jeden Kopf entfallen: 
a) von der Gesammtfläche des Srraßengcbiets etwa 10 200 qm, 
b) - - Fahrdammfläche etwa 6184 qm, 
o) - - täglich zu reinigenden Straßenstäche etwa 5 000 qm. 
Im Verhältniß des vorhandenen Asphaltpflasters zu der Kopf 
zahl der Arbeitsburschen entfallen auf jeden Arbeitsburschen durch 
schnittlich etwa 8 400 qm Asphalt. 
Wir haben auch in dem abgelaufenen Geschäftsjahre die Zahl 
der Asphaltburschen nicht vergrößert trotz der starken Vermehrung 
des Asphaltpflasters. Es besteht auch nicht die Absicht, eine solche 
Vermehrung des Burschenpersonals in Zukunft eintreten zu laffen. 
Die Klagen unserer Direktion über die Qualifikation dieser jugeiid- 
lichen Arbeiter haben sich ständig vermehrt. Nur in verhälinißrnäßig 
seltenen Fällen schlagen diese Burschen im Dienst ein und werden 
ordentliche Arbeiter; in der Mehrzahl geben die angenommenen 
Burschen die Arbeit nach kurzer Zeit wieder auf. Es ist häufig 
genug vorgekommen, daß zeitweilig, besonders im Sommer, ein fühl 
barer Mangel an Ersatzmaniiscbaficn vorhanden ist. Freigewordene 
Stellen können zuweilen garnicht besetzt werden. Unter diesen Ver 
hälinissen bringen die Arbcilsburschcn der Verwaltung ini Allgemeinen 
nicht den zu erwartenden Nutzen. Bei einer Kopfzahl von 200 sind 
während unseres Berichtsjahies 154 Arbeitsburschen durch die Ver 
waltung gegangen: viele Stellen sind im Laufe dieses Jahres 3—4 mal 
neu besetzt worden. EL ist selbstverständlich, daß bei einem der 
artigen starken Wechsel eine ordnungsmäßige Ausbildung des einzelnen 
kaum möglich ist, und daß die Verwaltung keine große Neigung 
hat, die Einrichtung der Asphaltburschcn noch weiterhin zu vermehren. 
Außer den bisher aufgeführten Arbeiter» waren noch im Hauptgeräihe- 
dcpoi und auf den Abladeplätzen eine Anzahl von Arbeitern be 
schäftigt. Alle vorkommenden Reparaturen an den Geräthen und 
Werkzeugen, der Anstrich der öffentlichen Bedürfuißanstaltcii, Dünger 
kästen, Karren u. s. w.. die Instandsetzung von Bekleidungsstücken, das 
Anfftielen der Besen, Bagger u. s. w. werden von der Verwaltung 
selbst ausgeführt. Für das Hauptdcpot sind ständig 2 Flickschneider, 
2 Zimmerleilte. 1 Anstreicher, 1 Arbeiter thätig. Tie Leute haben 
das ganze Jahr hindurch reichliche Beickiäftigung und erhalten einen
	        
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