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Volume No. 34. Bericht über das städtische Straßenreinigungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

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Nr. 34. Straßenreinigung. 
Allerdings muß hierzu bemerkt werden, daß die für die an 
gegebenen Zwecke zur Verfügung stehenden etatsmäßigen Geldmittel 
nicht immer die gleiche Höhe hatten. Sie betrugen in den letzten 
5 Jahren nur je 100 000 J6 für Abfuhr und 80000 Jt für Hilfs 
arbeiter, während früher für die Schneeabfuhr jährlich 208000 M 
zur Verfügung standen. 
Aus allen diesen Zahlenangaben aus einer recht langen Reihe 
von Jahren läßt sich, wie ohne Weiteres ersichtlich, nicht eine Spur 
von Regelmäßigkeit in Bezug auf die winterlichen Verhältnisse her 
leiten. so daß die sich ergebenden Zahlen für künftige Etats nicht 
von Bedeutung sind. 
Richtig aber ist, daß, wenn man diejenigen Ausgaben, welche 
der Winter an und für sich erfordert, als unsichere Nebenausgaben 
ansehen will, einstweilen bei Seite stellt und nur die übrigen regel 
mäßigen Kosten der Straßenreiniguug mit einander vergleicht, die 
Kosten der heutigen Verwaltung in dem Zeitraum von 21 Jahren 
nur in mäßigem Umfange gewachsen sind, trotzdem sich die Verhält 
nisse während der langen Zeit in aufsteigender Linie wesentlich ver 
ändert haben. 
Ein Blick auf die am Schluffe des Berichts gegebene Zusammen 
stellung der Einnahmen und Ausgaben der Straßenreinigung seit 
dem Jahre 1876 läßt das Gesagte sofort als richtig erkennen. 
Der Bericht wird aus diese Verhältnisse bei den einschlägigen 
Kapiteln nochmals zurückkommen. 
Zur Erläuterung mag noch folgendes angeführt werden: 
In den Reihen fehlt das Vierteljahr vom 1. Januar bis 31. März 
1882, weil bis dahin die Vcrwaltungsberichte stets für das Kalender 
jahr und nicht für das Etatsjahr aufgestellt wurden. Da nun der 
Bericht für 1881 in der alten Weise erstattet wurde, eine weitere 
Berichterstattung aber für 1882/83 für das Geschäftsjahr — in der 
neuen Weise — zu geschehen hatte, so ergab sich von selbst, daß 
jenes Vierteljahr bei der Berichterstattung außer Betracht geblieben 
ist, und daß zuverlässige genaue Zahlenangaben eigentlich erst seit jener 
Zeit möglich wurden, während solche Angaben bis dahin mehr oder 
weniger auf bloßen Schätzungen beruhten. Eine besondere Bedeutung 
hal die dadurch entstandene kleine Lücke nicht. 
d) Arbeitsplan und Stratzeninventar. 
Eine Zusammenstellung der sämmtlichen bei der Straßenreinigungs 
verwaltung vorkommenden Arbeiten giebt der Arbeitsplan: er bildet 
die feste Grundlage für den gesanimten Geschäftsbetrieb. 
Der Arbeitsplan enthält eine genaue Klassifizirung der sämmt 
lichen Straßen bezüglich ihrer Reinigung und giebt auch sonst alle 
diejenigen Arbeiten an, welche in den Abtheilungen auszuführen find. 
Schon bei dem im Jahre 1875 erfolgten Uebergange der Straßen 
reinigung aus der Verwaltung der Feuerwehr in städtischen Betrieb 
wurde ein solcher Arbeitsplan hierher mit übergeben. Der jetzige 
ist im Jahre 1880 aufgestellt worden und wird von Zeit zu Zeit und 
von Fall zu Fall berichtigt und vervollständigt. Ueber alle Ab 
änderungen entfcheidet die Deputation auf Vorschlag der Direktion. 
Sind neue Straßen angelegt und gepflastert, so werden sie vo» 
der zuständigen Stadtbauinspektion der Verwaltung der Straßen' 
rcinigung übergeben, und diese übernimmt die weitere Behandlung 
nach eigenem Ermessen. 
Nach Uebernahme einer Straße zur Reinigung entscheidet die 
Deputation darüber, wie oft die Straße gereinigt werden soll. 
Gemäß dieser Festsetzung erfolgt dann die Eintragung in den 
Arbeitsplan. 
Aehnlich wird auch bei - allen im Laufe der Zeit erforderlich 
werdenden Abänderungen verfahren, so z. B. wenn eine Straße, die 
bis dahin 8 mal gereinigt worden ist, eine wöchentlich 6 malige 
regelmäßige Säuberung erhalten soll u. s. w. 
Im Anschluß an den Arbeitsplan wird noch ein ^besonderes 
Straßeninventar geführt, worin die Flächen sämmtlicher Straßen je 
nach der verschiedenen Pflasterart nachgewiesen werden. 
Ani 1. April 1899, dem Beginn unseres Geschäftsjahres, um 
faßte das der regelrechten Reinigung unterworfene Straßengebiet 
9 429 366 qm, und zwar an Fahrdämmen 5 679 611 qm und an 
Bürgersteigen 3 749 755 qm. Am 31. März 1900, also am Schluffe 
des Geschäftsjahres, waren 9 553 389 qm vorhanden, davon an 
Fahrdämmen 5 <<4 823 qm und an Bürgersteigen 3 778 566 qm. 
Hieraus ergiebl sich, daß das Arbeitsgebiet sich im Laufe des Jahres 
um 124 023 qm vergrößert hat. 
Die täglich zu reinigende Straßenfläche betrug während des 
Berichtsjahres 4 434137 qm', sie hat sich in derselben Zeit um 
470187 qm vergrößert, während die Gesammtlänge sämmtlicher 
der Rcinigung nnterworfene» Straßen sich auf 464 km beläuft. 
In welchem Umfange übrigens das tägliche Arbeitspensuni im 
Laufe der Jahre gewachsen ist, ergiebt sich daraus, daß ini Jahre 
1882, also vor 18 Jahren, 2 708 300 qm Pflaster täglich zu reinigen 
waren, während zur Zeit, wie bereits angegeben, 4 434 137 qm zu 
säubern sind, was ungefähr einen Zuwachs von 61 pCt. bedeutet. 
Was die Reinigung selbst anbelangt, so ist darüber folgendes anzu 
führen: 
Die Straßen werden durchschnittlich dreimal wöchentlich ordnungs- 
mäßig gesäubert, was nach den bisherigen Erfahrungen genügt. 
Eine ganze Anzahl von Straßen wird allerdings täglich gereinigt, 
bei vielen genügt indessen auch eine ein- und zweimal wöchentliche 
Reinigung: es richtet sich das lediglich nach dem Charakter und der 
Lage der Straße, und besonders nach dem Verkehr. Der Begriff 
der regelrechten Reinigung schließt indessen nicht aus, daß sämmtliche 
Straßen, gleichgiltig, wie oft sie auch planmäßig gereinigt werden, 
in der Zwischenzeit noch eine oberflächliche, nebenbeigehende Be- 
arbeitung erfahren, sobald dies wünschenswerth ist. Der Dienstbetrieb 
ist nämlich so eingerichtet, daß besondere kleine Arbeitertrupps, sog. 
fliegende Kolonnen diejenigen Straßen begehen, welche nicht in der 
Tagesschicht liegen, um hier die Straßenkanten zu säubern und größere 
Verunreinigungen zu beseitigen. Durch eine solche Maßregel wird 
ermöglicht, daß täglich sämmtliche Straßen, sei es in größerem oder 
geringerem Grade, der Behandlung durch die Straßenreinigung unter 
liegen, und daraus erklärt sich wieder, daß bei einer großen Anzahl 
von Straßen .eine einmal und zweimal wöchentliche Rcinigung als 
genügend angesehen werden darf. 
Was die gewöhnliche Reinigung der Bürgersteige betrifft, so 
werden diese gleichzeitig mit der ordnungsmäßigen Fahrdammreinigung 
gesäubert, ^während die winterliche Reinigung dieser Bürgersteige von 
Eis und Schnee sowie das Abstumpfen bei Glätte Pflicht der Haus 
besitzer ist. 
Nach den hier geltenden polizeilichen Vorschriften müssen die Bürger 
steige im Winter täglich in den Stunden von Morgens 7 bis Abends 
8 Uhr frei von Eis und Schnee sein. Die Verpflichtung zur Ab 
räumung des Eises und Schnees liegt den Besitzern derjenigen 
Grundstücke ob, welche an die öffentliche Straße grenzen, und 
erstreckt sich für den einzelnen auf die ganze Ausdehnung dieses 
Grenzzuges. Bei eintretender Winterglätte müssen die Bürgersteige, 
Granitbahnen und Rinnstcinbrücken mit Sand, Asche oder anderem 
abstumpfenden Material bestreut werden, so daß während der Stunden 
von Morgens 7 bis Abends 10 Uhr der Entstehung gefahrbringender 
Glätte vorgebeugt wird. Für die städtische Straßenreinigung bleibt 
auch hier ein recht ansehnlicher Theil Arbeit übrig. Ueberall da. wo 
keine Anlieger sind, wie bei den Umfassnngsbürgersteigen öffentlicher 
Garten und Parkanlagen, den Bürgersteigen auf Brücken und vor 
verschiedenen Kirchen und städtischen Grundstücken, Promenaden u. s. w. 
werden auch diese Arbeiten durch die Verwaltung ausgeführt. 
Die von der Verwaltung in der oben angegebenen Art zu be 
handelnden Bürgersteige stellen eine Fläche dar, die ungefähr 10 pCt. 
der Gesammtbürgersteigfläche ausmacht, also sehr erheblich ist. Hierzu 
wird erläuternd bemerkt, daß im Allgemeinen alle städtischen Ver 
waltungen die winterliche Reinigung der vor ihren Grundstücken 
belegcnen Bürgersteige selber ausführen lassen, soweit sie, wie z. B. 
die Schulen und andere städtischen Gebäude, dies zu thun im Stande 
sind. Jene 10 pCt. stellen nur diejenigen Bürgersteigflächen dar, für 
deren Reinigung andere städtische Verwaltungen nicht heranzuziehen 
sind. Handelt es sich bei dieser winterliche» Bürgersteigreinignng an 
und für sich um ganz bedeutende Aufwendungen an Mitteln und 
Kräften, so muß dabei noch besonders in Betracht gezogen werden, 
daß mit Rücksicht auf die Haftpflicht bei etwaigen Unfällen die Ver 
antwortlichkeit der Verwaltung um so größer ist, je größer der Uni- 
fang der Reinigungsarbeiten wird. Aus diesem Grunde ist es 
wünschenswerth, daß auch die winterliche Reinigung der Bürgersteig 
flächen vor sämmtlichen hinzutretenden städtischen Grundstücken durch 
diejenigen Verwaltungen, welchen jene Grnndftücke unterstehen, 
besorgt wird. 
c) Pflasterverhältnisse und bereit Bedeutung für die 
Straßenreinigung. 
. Die Beschaffenheit des Straßenpflasters ist von großer Bedeutung 
für die Straßeureinigung. 
Schlechtes Pflaster ist schwer zu reinigen und ergiebt unter 
gleichen Verkehrsverhältniffen viel niehr Schmutz als gutes Pflaster. 
Aus diesem Grunde ist die stetig und in erheblichem Grade zunehmende 
Vermehrung des guten Straßenpflasters für die Ausübung der 
Straßenreinigung ein außerordentlich wichtiger Umstand, auf den 
zum großen Theil zurückzuführen ist, daß die durchschnittlichen Aus 
gaben der Verwaltung nicht in demselben Maße gestiegen sind, wie 
sich räumlich das Straßengebiet vergrößert hat. 
Ini Laufe unseres Berichtsjahres sind durch Neu- und Um 
pflasterungen wiederum 107 408 qm Steinpflaster 1 bis 3. Klasse neu 
hinzugetreten, sodaß nunmehr die Gesammtfläche dieses Pflasters nach 
den Angaben der Bauverwaltung 2 965 022 qm ausmacht. Das 
Asphaltpflaster hat sich um 180 660 qm vermehrt, so daß seine 
Gesammtfläche am Schlüße des Berichtsjahres etwa 1680 532 qm 
umfaßt. Das Holzpflaster, das hin und wieder zu Anrampungen 
und Brückenbelägen Verwendung findet, hat sich während des Berichts 
jahres nur ganz geringfügig vermehrt: es ist an einzelnen Stellen 
zwischen den Schienengeleisen der Pferdebahn fortgenommen und durch 
Asphaltpflaster ersetzt worden. Zur Zeit sind etwa 4 737 479 qm 
besten Straßenpflasters im Stadtgebiet vorhanden. Selbstverständlich 
verringert sich die Fläche des noch vorhandenen alten, schlechten
	        
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