Path:
Volume No. 33. Bericht der städtischen Verkehrs-Deputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

1 
Verwaltungs-Bericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjahr 1899. 
m 3:; 
Wericht 6er l'läötisehen Werkekrs-Deputcrlion. 
A. Allgemeiner Theil. 
I. Einrichtung und Besetzung. 
I» der Organisation der Verkehrs-Depntation sind Aenderungen 
nicht vorgekommen. Sic besteht nach wie vor aus 5 Magistrats 
mitgliedern, 10 Stadtverordneten und einem Magistrats-Assessor. 
Der Leiter des technischen Büreaus der Tiefbau-Verwaltung und der 
Stadtelektriker nahmen, ivas bisher noch nicht bekannt geworden ist, 
an den Sitzungen der Depulaston mit berathender Stimnie Theil. 
Am Ende des Berichtsjahres trat der Stadtverordnete Professor 
1)r. Schwalbe an Stelle des Stadtverordneten Rast in die Deputation 
wieder ein. 
2. Gesammtbild der Verwaltung. 
Im Berichtsjahre 1899 wurde ein Zustimmungsvertrag mit der 
Gesellschaft für Untergrundbahnen und der Charlottenburger Straßen 
bahn abgeschlosten. Der Großen Berliner Straßenbahn wurde, ab 
gesehen von zahlreichen .Kurvenverbindungen, Umfahrungsweichen und 
dergleichen, dieZustimmung zu einigen Ergänzungsstrecken ertheilt. Der 
Ban der Hochbahn nahn, lebhaften Fortgang. Dagegen wurde die 
Festsetzung eines Netzes städtischer Unterpflasterbahnen dadurch auf 
gehalten, daß erst nach langwierigen Verhandlungen mit dem Polizei- 
Präsidium und mit der Aktien-Gesellschaft Siemens & Halste über 
die Frage, wie sich am besten eine Verbindung der Hochbahn mit 
der geplanten Unterpflasterbahn am Potsdamerplatz erreichen ließe, 
eine Einigung erzielt werden konnte. 
Einen wichtigen Theil der Thätigkeit der Verkehrs-Deputation 
bildeten die Verhandlungen und Erörterungen, die zu der Entschließung 
führten, den Gemeindebehörden zu empfehlen, fernerhin neue Straßen 
bahnlinien durch die Stadtgemeinde selbst bauen und betreiben zu lasten. 
Jni Uebrigen lag der Deputation wie bisher die Wahrnehmung 
der aus den bereits abgeschlossenen Zustiminungsverträgen der Stadt- 
gemeinde zustehenden Rechte ob. Das Recht der Stadtgemeinde auf 
Genehmigung der Tarife der Omnibus-Gesellschaften und sonstigen 
öffentlichen Verkehrsunternehmungen wurde in derselben Weise wie 
bisher ausgeübt. 
In Bezug auf das städtische Ladewesen war neben der Verwaltung 
des Urbanhafens besonders die Betheiligung der Stadtgenieinde an 
den Kosten des Baues und der Unterhaltung des Berlin-Stettiner, 
sowie des Mittellaud-Kanals Gegenstand der Thätigkeit der Deputation 
in wiederholten Verhandlungen, auch mit den Staatsbehörden. 
Wegen Ankaufs des zur Anlage eines Hafens im Westen (in Rück 
sicht auf den neuen Stettiner Kanal) erforderlichen Geländes wurden 
Vorverhandlungen mit den betheiligtcn Grundbesitzern gepflogen. 
8. Krson-eier Theil. 
I. Kleinbahn Angelegenheiten. 
1. Elektrische Niveaubahnen. 
a) Betriebsumw and lungs-Vertrag mit der Berlin Char 
lottenburger Straßenbahn-Aktien -Gesellschaft. 
Die abgebrochenen Verhandlungen mit der Charlottenburger 
Straßenbahn wurden auf Bitte der Direktion im Berichtsjahre wieder 
aufgenonimen. Es gelang auch schließlich, über die noch streitigen 
Punkte eine Einigung zu erzielen, so daß der Zustimmungsvertrag 
am 9. März 1900 abgeschlosten werden konnte. Er schließt sich im 
Wesentlichen an den mit der Großen Berliner Straßenbahn ab 
geschlossenen Vertrag an. Es und der Gesellschaft aber Eriveiterungen 
ihres Netzes zugestanden worden, wie das schon im vorigen Ber- 
walttings-Bericht näher angedeutet worden ist. Auch such ihr hin 
sichtlich der Entnahme der Betriebskraft und der Gestaltung der Rechts 
Verhältnisse bei Ablauf der Zustimmungsdauer etwas günstigere Be- 
dingungen gewährt worden. 
b) Zustimmungsvertrag mir der Gesellschaft für den Bau 
von Untergrundbahnen. 
Nachdem sich die Stadtverordneten-Versammlung am 7. September 
1899 mit dem vereinbaren Vertragsentwürfe, dessen Abweichungen 
von dem mit der Großen Berliner Straßenbahn avgeschloflenen Be- 
triebsumwandlungs-Vertrage wir berests in dem vorjährigen Ver- 
waltungs-Berichtc erwähnt haben, einverstanden erklärt halte, erfolgte 
am 7. bezw. 21. Oktober der fornielle Abschluß. Der Stadtgenieinde 
ist das Recht zum entgeltlichen Erwerbe der Bahnanlagen ant 
1. Januar 1920, 1925 und 1930 eingeräumt worden, die Gesellschaft 
plante schon damals die Weiterführung ihrer Bahn von Treptow 
über Niederschöneweide nach Johannisthal. 
o) Verhandlungen über den Abschluß eines Zustimmungs- 
Vertrages mit der Firma Bering & Wächter über den Bau 
einer Straßenbahn vom Landsbergerplatz nach Rummels 
burg. 
Nachdem die Verhandlungen über den Vertragsentwurf zu einer 
vorläufigen Einigung geführt hatten, und sich auch die Stadtverordneten 
Versammlung am 8. Juni 1899 damit einverstanden erklärt hatte, 
theilte die Gesellschaft auf die Aufforderung zur Venragsvollziehung 
mit, daß sie den Vertrag noch nicht vollziehen möchte, sondern zu 
nächst eine Einigung über die Fortsetzung der Bahn über Rummels- 
bürg hinaus gesichert zu sehen wünsche. Die Verkehrs-Deputation 
nahni hieraus Veranlassung, die Verhandlungen mit der Gesellschaft 
überhaupt abzubrechen. 
ä) Znstimmung zu einzelnen Projekten. 
Die bestehenden Straßenbahn-Gesellschaften hatten der Verkehrs- 
Deputation eine ganze Anzahl neuer Srraßenbahnprojekte zur Zu- 
stinimung unterbreitet. Die Deputation beschloß jedoch, die Ent- 
scheidung darüber so lange auszusetzen, bis die Frage der Uebernahme 
des Baues und Betriebes neuer Straßenbahucn durch die Stadt ent 
schieden worden wäre. Der Großen Berliner Straßenbahn wurden 
nur nachfolgende kleinere Anschluß- oder Ergänzungsstreckcn genehmigt: 
1. Küstrinerplatz—Königsbergerstraßc bis Frankfurter Allee. 
2. Vinetaplatz—Swincmünderstraße—Ramlerstraße. 
3. Friedrich Karl-Ufer zwischen Straße Alt Moabit und Karlstraße. 
4. Gäben- und Pallasstraße. 
5. Kommandanlenstraße von Linden- bis Beuthstraße. 
6. Grünauerstraßenbrücke. 
7. Koloniestraße—Drontheimerstraße—Weichbildgrenze. 
8. Huttenstraße. 
9. Wicnerstraße am Sprecwaldplatz. 
10. Glogauerstraße zwischen Reichenbcrgerstraße und Kottbuser User. 
11. Thielenbrücke. 
12. Stendaler- und Salzwedelerstraße. 
Für die unter 1, 2 und 3 aufgeführten Strecken hat die Gesell 
schaft das uneingeschränkte Mitbenutzungsrecht fremder Unternehmer 
zugestanden, jedoch ist der Magistrat auch berechtigt, an Stelle der 
Mitbenutzung die Uebcreignung der sämmtlichen Anlagen dieser Strecken 
zu verlangen. Als Gegenleistung für die Ueberlastung der Strecke
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.