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Volume No. 30. Bericht über das Gewerbegericht zu Berlin

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

Nr. 30. Gewerbegericht. 
10 
Unter- 
werfung 
Ablehnung der 
Unterwerfung unter 
Schiedssprüche ,8 68) 
seitens 
Zahl der erfolglosen 
Einigungsveriuche 
ohne Schiedsspruch 
(§69, 
unter den 
Schieds 
spruch 
(8 68) 
der 
Arbeitgeber 
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im Falle des 
Nichtzuiiande- 
kommens des 
Schieds 
spruchs gemäß 
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Namen und Beruf 
der Beisitzer 
Wortlaut des Vergleichs 
oder 
Schiedsspritchs 
Arbeitgeber: 
Ingenieur Bernhard 
und Fabrikant 
Maas. 
Arbeitnehmer: 
Tischler Koblenzer 
und Buchdrucker 
Massini. 
Arbeitgeber: 
Fabrikant Fuchs 
und Hutmachermeister 
Lucht. 
Arbeitnehmer: 
Former Körsten und 
Steinsetzer Kn oll. 
n 
in. 
Vergleich. 
I. Die Arbeit wird am 26. März 1900 Morgens in sämmtlichen Be 
trieben wieder aufgenommen. 
Der Lohn sowie die Abschlagszahlung für Akkordarbeit beträgt 
wöchentlich mindestens 24 JC. 
Die günstigeren Arbeitsbedingungen, die vor dem Ausstande an 
einzelnen Arbeitsstellen vorhanden waren, bleiben bestehen. 
Eine allgemeine Lohnerhöhung findet nicht statt. 
Für die durch Unfall, Alter, Invalidität und sonst minderleistungs 
fähigen Gesellen sowie für Junggesellen im ersten Gesellenjahre, so 
weit sie bei ihrem Lehrmeister thätig sind, unterliegt die Festsetzung 
des Lohnes und die Abschlagszahlung der freien Vereinbarung. 
Die Maschinenarbeit und zwar das Hobeln und Schneiden wird vom 
Meister bezahlt. Die Akkordpreise werden dieser Sachlage entsprechend 
festgesetzt. Der Akkord beginnt beim Zuschneiden resp. bei der Ueber- 
gäbe des Holzes. Die Gesellen sind während der Akkordarbeit ver 
pflichtet, bei der Maschinenarbeit die Aufsicht zu führen und die 
nöthigen Handreichungen zu leisten. 
Alle übrigen hier nicht genannten Maschinenarbeiten unterliegen 
der freien Abrede zwischen Meistern und Gesellen. 
Das Brettertragen ist durch Stnndenlohn zu entschädigen. 
IV. Bei den Einsetzarbeiten hat der Meister die einzusetzenden Tischler 
arbeiten abladen und bis in den Bau tragen zu lagen. 
Nägel, Schrauben, Hinterlegeholz, Bankeisen, Sandpapicr, Schraub 
zwingen, Kehlhobel und Leim hat der Meister zu liefern. 
Der Meister oder sein Vertreter vertheilt die Arbeiten im Bau an 
die Einsetzer. Der Einsetzer hat sich den Anordnungen der vom 
Meister gestellten Vorarbeiter, die jedoch nie auf Prozente arbeiten 
dürfen, im Bau zu fügen. 
Abschlagszahlungen werden Sonnabends nach 5 Uhr im Kompioir 
des Meisters, wenn möglich auf dem Ban, geleistet. Die Arbcits 
woche beginnt am Sonnabend und endigt Freitagabend. 
Die Arbeiten werden von den Einsetzern zu den bisher gezahlten 
Löhnen fortgesetzt. Es soll jedoch innerhalb sechs Wochen von der 
Kommission ein neuer Lohntarif ausgearbeitet werden. In dicseni 
Tarif sollen die beiderseitigen Jnleresien billige Berücksichtigung finden. 
Falls eine Verständigung hierüber nicht erzielt wird, entscheidet das 
anzurufene Einignngsanit entgiltig. Die günstigeren Arbeits 
bedingungen bei einzelnen Arbeitgebern bleiben auch hier bestehen. 
V. An denjenigen Arbeitsstellen, an denen der Lohn oder die Abschlags- 
zahlnng von 24 jfC weder erreicht noch bezahlt wird, find die Arbeit- 
nehmer berechtigt, mit ihrem Arbeitgeber über die Verbesserung der 
bestehenden Lohnverhältnisse in Verhandlung zu treten. Ist auf Grund 
dieser Verhandlung eine erneute Arbeitsniederlegung zu befürchten, so 
ist die unter Nr. VI bezeichnete Achtzehnerkonimission zur Entscheidung 
anzurufen. 
VI. Die Achtzehnerkommission ist zu bilden ans 0 Arbeitgebern und 
9 Arbeitnehmern und ebensoviel Stellvertretern. Die Wahl der Mn 
glieder der Kommission erfolgt durch Organisationen der Arbeitgeber 
bezw. der Arbeitnehnrer. Als Vorsitzender der Koniniisfion soll ein 
Gewerberichter des Berliner Gcwerbcgcrichts fungiren. 
Die Kommission hat sich eine Geschäftsordnung zu geben. 
VII. Die Kommission ist verpflichtet, innerhalb einer Woche nach ihrer An 
rufung zusammenzutreten. 
Gegen die Entscheidung der Kommission kann nur binnen drei 
Tagen nach der Bekanntniachung die Entscheidnug des Einigungsamts 
des Gewerbegerichts angerufen werden. 
Geschieht dies nicht, so haben die streitenden Parteien sich der 
Entscheidung der Achtzehnerkommission zu fügen. 
Bis zur endgiltigen Entscheidung durch die Kommission oder durch 
das Einigungsamt dürfen theilwcise Ausstände oder Sperren unter 
keiner Bedingung verhängt werdeir. Maßregelungen finden nicht 
statt und die Arbeitnehmer haben an denjenigen Arbeitsstellen die 
Arbeit wieder anfznnehnien, wo sie dieselbe verlassen haben. 
VIII. 
Vergleich. 
I. Es wird auf Grundlage der am 15. Oktober 1899 gezahlten Löhne 
eine allgemeine Lohnerhöhung von 3 Jt für den Gehilfen und die 
Woche bis zum 1. September 1900 gewährt. Lägt sich von den, 
betreffende» Gehilfen nicht nachweisen, welchen Lohn er an, 
15. Oktober 1899 bezogen hat, so wird der Dnrchschnittslohn von 
55 ^ für die Stunde zu Grunde gelegt. Vom l. Seplcniber 1900 
ab soll der Durchschnittslohn für die Stunde 60 g betragen. 
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