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Volume No. 18. Bericht der Deputation für die städtische Irrenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

Nr. 18. Städtische Irren-Anstalten. 
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Finanzielles Ergebnitz der Irren-Anstalt. 
Was die Einnahme im Allgemeinen anlangt, so müssen ivir auch 
jetzt noch betonen, daß ein Vergleich mit der Anstalt Dalldorf inimer 
noch nicht gut angeht, da noch ein großer Theil der auf Titel Kur 
und Verpflegung eingezogenen Kosten bei der Spezial-Verwaltung 28 
vereinnahmt worden ist. Jndesfen wollen wir nicht unterlassen 
hervorzuheben, daß eine mäßige Steigerung dieser Einnahme zu er- 
iehe» ist. 
Gegen das Vorjahr sind die Einnahmen um 16 000 JC oder für 
Tag und Kops um I'/b ^ gestiegen. Die soeben erwähnte Mehr-Einnahme 
aus den Erstattungen der Kur- und Verpflegungskosten hat hieran 
den größten Antheil. Im Uebrigen sind nennenswerthe Abweichungen 
bei den einzelnen Titeln gegen das Vorjahr fast nicht zu verzeichnen. 
Die Ausgaben sind für Kopf und Tag uni 7 ^ gestiegen. Wie die 
Uebersicht zeigt, ist bei vielen Titeln eine höhere Ausgabe eingetreten, 
die zwar nirgends besonders erheblich ist, jedoch bei der größern 
Anzahl der einzelnen Positionen schließlich die Mehr-Ausgabe von 7 ^ 
zum Theil herbeiführte. 
Eine derartige Mehr-Ausgabe ist bei dem Titel „Antheilige Kosten 
der allgemeinen Verwaltung" eingetreten', diese betragen l a /2 ^ für 
Kopf und Tag. Auch die Gehälter und Allerszulagen der Verivaltungs- 
beamten sind gestiegen: die Mehr-Ausgabe beträgt auf Kopf und Tag 
berechnet Vs -d- 
Ferner sind Erhöhungen in der Ausgabe eingetreten bei den 
Löhnen des Pflegepersonals und Gehältern der Aerzte, bei den 
letzteren dadurch hervorgerufen, daß eine neue Assistenzarztstelle ge 
schaffen ist; weiter bei den Kosten für Beköstigung und bauliche 
Unterhaltung der Maschinen. 
Besonders ins Gewicht fallen die Kosten des Erlraordinariums, 
Antheil der Stadtgemeinde Berlin an den Büreau- und Verwaltungs- 
koften des Gutsbezirks Lichtenberg für 1. April 1894 bis 31. März 1899. 
Diese Kosten erscheinen überhaupt zum ersten Male in unseren Be- 
richten, weil die Verhandlungen der Stadt Berlin mit dem Besitzer 
des Rittergutes Lichtenberg, zu dem die Anstalt politisch bis zum 
31. März 1900 gehörte, wegen Erstattung eines Theils dieser Kosten 
an den letzteren erst im Laufe des Berichtsjahres znm Abschluß 
gelangt sind. (Die Kosten für das Berichtsjahr sind noch nicht fest- 
gestellt und erscheinen ini nächsten Jahresbericht.) Diese neue Aus 
gabe beträgt mehr als die Hälfte der diesjährigen Mehr-Ausgaben, 
die sich sonst auf etwa 3 ^ verkleinern würde. Sie ist deshalb so 
hoch, weil es sich um die Erstattung des gesammten seit dem 
1. April 1894 aufgelaufenen Betrages handelt. Wir bemerken noch, 
daß mit dem Schluß des Berichtsjahres diese Kosten fortfallen, da 
mit diesem Tage der Gutsbezirk als solcher aufgehört hat zu be 
stehen; er ist dem Gemeindebezirk Lichtenberg einverleibt worden. 
A. Einnahme. 
Titel II. Die Einnahme setzt sich zusammen: 
a) aus Verpflegungskosten für die im Wege der öffentlichen 
Armenpflege aufgenommenen Kranken niit . 82 660,u JC, 
b) aus Kosten für zahlende Kranke, die durch 
die Deputation aufgenommen sind, mit . . 26 859,8? 
zusammen 109 520,2« JC. 
Titel IV und V. Die Einnahmen sind ziemlich dieselben 
geblieben. 
Titel VI. Die Küchenabgängc werben zum größten Theil an 
die Kühe verfüttert. Der Rest wird mit 2 M für die Tonne Trank 
verkauft, wodurch eine Einnahme von 972 JC erzielt wurde. Der 
Verkauf der Knochen ergab einen Erlös von 308,8« Für Lumpen 
wurden vereinnahmt l 607,s« JC. Für die an die Landwirlhschaft 
abgegebenen Küchenabgänge sind 1089 JC in Einnahme gestellt. 
Titel VH. Die Kranken arbeiten nur im Interesse der Anstalt; 
daher wird hier eine Einnahme nicht gebucht. 
Titel VIII. Das Nähere ergiebt der Bericht der Landwirthschait 
am Schluffe. 
Titel XII. 1. Eine Einnahme durch Rückzahlung von Pflege 
geldern wird nicht mehr erzielt, da diese jetzt nur noch nachträglich 
gezahlt werden. 
2. Das Wild, das ini Gelände der Anstalt erlegt wird, wird 
theils an die Küche abgeliefert, theils, falls dort nicht verwendbar, 
zum Marktpreise verkauft. 
3. Die Abgabe von Mittagtisch, Milch, Selterwasser und Eis an 
Angestellte der Anstalt bewegt sich fast in denselben Grenzen. 
5. Eine Rückeinnahme von Löhnen findet nicht mehr statt, da die 
Lohnlisten des Personals jetzt erst am letzten Tage des Monats, am 
Zahltage, abgeschlossen werden. Diese Position fällt daher künftig fort. 
6. Die der Anstalt von den Lieferanten in Rechnung gestellten 
Gebinde, Fastagen je. werden am Jahresschlüsse verkauft; hierfür sind 
l 18,io.« eingenommen worden. 
B. Ausgabe. 
Titel I. II, III. Hier sind wie bisher die Zinsen von dem 
Werthe des Grundeigenthums einschließlich der Baulichkeiten und des 
im Inventar enthaltenen Kapitals, sowie die personellen wie sächlichen 
Kosten der allgemeinen Verwaltung mitberechnet. 
Titel IVa. Hier beträgt die Mehr-Ausgabe auf Kopf und Tag 
berechnet beinahe 2Vf. 
Titel IVb. Bei den Kosten für Arzneien und medizinische 
Geräthschaften ist eine wesentliche Abweichung gegen das Vorjahr 
nicht zu erblicken. 
Titel VT. Die Ausgabe betrug 1899 für die Beköstigung der 
Kranken und des Personals 318 559,92 JC. 
Der Werth der Ende März 1899 vorhandenen 
Bestände beträgt 926,2« - 
sodaß unter dessen Hinzurechnung zur Verausgabung 
standen 319 486,20 JC. 
Hiervon ist in Abzug zu bringen: 
der Werth der Ende März 1900 ver 
bliebenen Bestände 1 258,02 JC, 
die andern Titeln des Etats znr Last 
fallenden 27,« - 
für Beköstigung an Angestellte gegen 
Erstattung 1 470,05 - 2 755,51 - 
Die zu verrechnende Ausgabe stellt sich sonach auf 316 730,8» JC 
oder für den Kopf und Tag eines Kranken bei 415 067 Verpflegungs- 
tagen auf 0,7«3v JC gegen O.viso JC im Vorjahre. 
Im Ganzen 
Für Kopf und Tag 
Von der Ausgabe 
kommen auf 
JC 
-f 
der 
Theil- 
nehmer 
JC 
der in der 
Anstalt 
verpflegten 
Kranken 
JC 
a) den 1. Tisch 
7 303 
39 
2,3112 
0,0176 
b) . 2. - 
6128 
66 
1,9218 
0,0148 
c) das Warte- und Dienst 
personal 
54 895 
76 
0,7861 
0,1323 
d) die Kranken: 
gewöhnliche Kost I. Diät 
form 
214 587 
68 
0,5475 
0,5169 
gewöhnliche Kost, II. Diät- 
form 
9 920 
97 
0,1282 
0,0239 
Ertradiät 
23 894 
23 
0,0575 
0,0575 
316 730 
69 
i 0,7630 
Abgesehen vom 2. Tisch sind bei sämmtlichen Verpflegungs 
formen dem Vorjahre gegenüber kleine Erhöhungen der Durchschnitls- 
sätze eingetreten, die insgesammt eine Steigerung um nicht ganz 2 
auf den Kopf eines Kranken bewirkt baben. 
Diese kleinen Erhöhungen sind im Wesentlichen darauf zurück 
zuführen, daß beim Personal sowohl wie bei den Kranken als Abend 
brod theuere Qualitäten von Wurstwaaren verwendet werden mußten. 
Auch sind einzelne Gerichte, die an Zuthaten :c. etwas mehr erforderte», 
im Interesse größerer Abwechselung etwas häufiger angesetzt worden. 
Inwieweit der Gutshof an der Lieferung für die Verpflegung be- 
theiligi ist, geht aus dem am Schluß befindlichen speziellen Bericht 
über den Betrieb der Landwirlhschaft hervor. 
Titel VII. Verschiedene Momente haben bei diesem Titel eine 
Erhöhung des Durchschnittssatzes dem Vorjahre gegenüber sowie eine 
Ueberschrcimng der Etaisposikion beivirki. Abgesehen davon, daß in 
Folge geringerer Besetzung der Nahstube die Hemden, die früher in 
der Anstalt genäht werden konnten, vom Lieferanten fertiggestellt be 
zogen werden niußien, war auch die Anschaffung einer größeren Anzahl 
wollener Decken erforderlich, da die in den Landhäusern untergebrachten 
Kranken bei der starken Winterkälte mit reichlichen Schlaidecken ans 
gestattet werden mußten. 
Auch die Schuhmacher-Werkstatt war nicht im Stande, die Repara 
turen aufzuarbeiten, sodaß sie fortgegeben werden mußten. Wie in 
den Vorjahren wurde auch ini letzten Geschäftsjahr ein Theil der zur 
Eurlafsung kommenden Kranken für Rechnung der Armen Direktion 
mit Kleidungsstücken ausgestattet, da der Bestand an Kleidern ans 
Nachlässen hierzu nicht ausreichte. 
Titel VIII. a) Heizung. Im Etatsjahre 1899 wurden ans 
gedehnle Versuche mit Kokesheizung vorgenommen, die günstig verliefen. 
Trotz des sehr langen und hartnäckigen Winters, der es z. B. an 
den Tagen 10. bis 15. Dezember mit 15 bis 20" C unter 0 und
	        
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