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Band No. I. Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin für die Zeit vom 1. April 1883 bis 31. März 1884 (Haupt-Verwaltungsbericht)

Inhaltsverzeichnis : Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Ausgabe 1886/1887 (Public Domain)

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Neben-Depots  in  der  Memeler-  und  Oderbcrgerstraße  mit  dem  Beginn
der  Bauperiode  des  Jahres  1883  in  Angriff  genommen  worden.  Von
diesen  Neubauten  wurde  der  des  Neben-Depots  in  der  Oderbergersträße
  so  weit  gefördert,  daß  dasselbe  bereits  Ende  November  1883
mit  einem  Feuerlöschzuge  belegt  werden  konnte.  Dagegen  war  es  nicht
möglich,  die  beiden  anderen  Depots  noch  im  Laufe  der  vorliegenden
Berichtsperiode  im  Bau  zu  vollenden  und  ihrer  Bestimmung  zu  übergeben. ­

Durch  die  mit  dem  Königlichen  Polizei-Präsidium  vereinbarte
Verlegung  des  Haupt-Depots  III  von  dem  Grundstück  Königgrätzcrstraße
  Nr.  123,  welches  demnächst  der  Stadtgemeindc  zur  anderwciten
Verfügung  überlassen  worden  ist,  nach  dem  neuen  Feuerwachtgebäudc
in  der  Schönebergerstraße,  ist  naturgemäß  eine  Verschiebung  der  südlichen ­
  Neben-Depots  eingetreten,  so  daß  ferner  die  Errichtung  eines
solchen  in  der  Nähe  des  Görlitzer  Bahnhofes  erforderlich  wird.  Zu
diesem  Zwecke  ist  eine  von  dem  städtischen  Grundstücke  der  Pumpstation ­
  in  der  Reichenbergerstraße  übrig  gebliebene,  an  der  Front  der
letzteren  gelegene  Parzelle  in  Aussicht  genommen  worden,  der  Bau
wird  indeß  erst  im  Jahre  1885  zur  Ausführung  gelangen.
Was  die  Thätigkeit  der  Feuerwehr  selbst  angeht,  so  weisen  wir
auf  diejenigen  Angaben  hin,  welche  in  dem  vom  Königlichen  Polizei-Präsidium,
  Abtheilung  für  Feuerwehr,  pro  1883  erstatteten  Berichte
zusammengestellt  sind.
Aus  demselben  ist  besonders  hervorzuheben,  daß  der  in  dem  vorjährigen ­
  Berichte  erwähnte  Versuchszug,  bestehend  aus  einer  kleinen
Dampfspritze  mit  Kohlensäurebetrieb,  dem  Tender  mit  dem  Wasservorrath
  für  den  ersten  Angriff  und  dem  Schlauchmaterial,  sowie  dem
Geräthewagen  mit  der  mechanischen  Leiter,  am  8.  September  1883  in
Stelle  des  Centralzuges  auf  der  Hauptwache  Lindenstraße  Nr.  41  in
Dienst  gestellt  worden  ist.  Der  Zug  ist  von  diesem  Zeitpunkte  ab  zu
allen  Feuern,  zu  welchem  der  Centralzug  planmäßig  ausrückt,  herangezogen ­
  worden  und  hat  in  einzelnen  Fällen  in  hervorragend  günstiger
Weise  die  Löschoperationen  gefördert,  sowie  eine  ganz  erhebliche  Ucberlegenheit
  im  Vergleich  mit  den  gewöhnlichen  Löschzügen  dargethan.
Die  versuchsweise  in  Gebrauch  genommenen  Feuerschutzanzüge  sind
in  die  planmäßige  Ausrüstung  endgültig  aufgenommen  worden,  so  daß
nunmehr  der  erste  Zug  jeder  Kompagnie  mit  einem  solchen  Apparate
ausgerüstet  ist.
Die  Gesammt-Organisation  der  Feuerwehr  hat  wesentliche  Veränderungen ­
  nicht  erfahren.
Die  eigene  Bewirthschafiung  der  Bespannung  hat  fortdauernd  die
günstigsten  Erfolge  aufzuweisen.
Die  Zahl  der  öffentlichen  Feuermelder  wurde  um  2  vermehrt  und
betrug  am  L-chlusse  des  Jahres  1883  nunmehr  47.
In  Anerkennung  der  geleisteten  Dienste  wurden  2  Spritzenmännern, ­
  welche  im  Jahre  1883  eine  25jährige  Dienstzeit  bei  der
Feuerwehr  vollendet  hatten,  Gratifikationen  von  je  75  JC  bewilligt.
Die  Gesammtkosten  betrugen  im  Etatsjahre  1.  April  1883/84:
a)  für  die  Feuerwehr  1  276  456,98  JC
b)  -  -  Telegraphie  59  169,40  -
zusammen  1  335  626,bs  JC.
Beim  Nachtwachtwescn  sind  Veränderungen  nicht  vorgekommen
und  Mittheilungen  von  Bedeutung  nicht  zu  machen.  Die  Kosten
stellten  sich  auf  400  187,ss  JC.
XXIIld.
Auf  Grund  des  Reichsgesetzes,  betreffend  die  Abwehr  und  Unterdrückung ­
  von  Viehseuchen  vom  23.  Juni  1880  und  des  Preußischen
Ausführungsgesetzes  zu  demselben  vom  12  März  1881,  sind  im  Jahre
1883  für  23  wegen  Rotzkrankheit  auf  polizeiliche  Anordnung  getödtete
Pferde  5  947,25  JC  Entschädigung  (dreiviertel  des  durch  Taxe  festgestellten ­
  gemeinen  Werthes)  gezahlt  worden  (im  Jahre  1882  für  eine
gleiche  Anzahl  5  210  JC).
Zur  Deckung  dieser  von  der  Commune  vorschußweise  gezahlten
Entschädigungen  nebst  den  Verwaltungskosten  ist,,  nachdem  am  1.  November ­
  1883  der  Bestand  der  in  Berlin  vorhandenen  Pferde  —  mit
Ausschluß  der  dem  Reiche,  dem  Staate  oder  zu  den  landesherrlichen
Gestüten  gehörigen,  sowie  der  Roßschlächterei  zugeführten,  für  welche
eine  Entschädigung  nicht  gewährt  und  daher  auch  eine  Abgabe  nicht
erhoben  wird  —  auf  27  052  Stück  (gegen  26  197  am  1.  November  1882)
ermittelt  worden,  von  den  Eigenthümern  dieser  Pferde  ein  Betrag  von
30  ^  pro  Pferd  (derselbe  Betrag  wie  im  Vorjahre)  eingezogen  worden.
Der  Bestand  an  Rindvieh,  mit  Ausschluß  des  auf  dem  Viehhofe
und  auf  dem  Transport  gewesenen,  betrug  am  1.  November  1883
2  577  Stück  (am  1.  November  1882  2  347  Stück).
Von  den  Besitzern  dieser  Thiere  ist  eine  Abgabe  nicht  erhoben
worden,  da  Entlchädigungen  für  von  der  Lungenseuche  befallenes  Rindvieh ­
  nicht  zu  zahlen  gewesen  sind.
Im  Jahre  1877  sind  zuletzt  Lungenseuchenfälle  in  Berlin  constatirt
worden.
XXIV.
Das  Etatsjahr  1883/84  war.  seiner  für  die  Straßenrcinigung
sehr  günstigen  Witterungsverhältnisse  wegen,  ein  in  jeder  Beziehung

außerordentlich  vortheilhastes,  so  daß  auch  extraordinäre  Arbeiten  un
Ausgaben  nur  in  sehr  geringem  Umfange  nothwendig  geworden  sind-Es
  liegt  in  der  Natur  der  Berhältniffc,  daß  die  Witterung  für  die
Straßcnreiuigung  stets  eine  hervorragende  und  einschneidende  Rolle
spielt  und  daß  hauptsächlich  sic  der  ausschlaggebende  Factor  ist  für
das  Ergebniß  des  Jahresabschlusses.
Treten  z  B.  im  Winter  starke  Schneefälle  ein.  so  ist  nicht  ausgeschlossen, ­
  daß  die  Kosten  für  die  Abfuhr  in  Hunderttauscnden  von
Mark  über  den  Etat  hinausgehen,  der  feil  5  Jahren  hierfür  eine
Position  von  je  125  000  ^#  enthält.
Es  geht  dies  deutlich  hervor  aus  den  folgenden  Angaben.  Es
kostete  die  Schnceabfuhr:
im  Jahre  1879  .  .  680  200  JC,

1880  .
1881  .
1882/83
1883/84

82  541
174  406
105  370
25  050

Für  Hülfsarbeiter  wurden  gezahlt
im  Jahre  1879  .  .
-  -  1880  .  .
-  .  1881  .  .
-  -  1882/83  .
-  -  1883/84  .

228  531  JC,
51  368  -
65  868  -
33  832  -
8  652  -

Die  im  Durchschnitt  dreimal  wöchentliche  Reinigung  der  Straßen
hat  sich  trotz  des  stetig  wachsenden  Verkehrs  als  ausreichend  erwiesen.
Ein  erheblicher  Theil  unserer  Straßen  wird  übrigens  täglich
gereinigt,  während  weniger  frequente  Straßen  zweimal,  auch  einmal
wöchentlich,  manche  sogar  nur  nach  Bedarf  gesäubert  werden,  was

dann  ebenfalls  ausreichend  ist.
Das  Straßengebiet,  welches  der  planmäßigen  Reinigung  unterworfen ­
  ,  umfaßte  am  Anfange  der  Elatsjahre  eine  Fläche  von
7  210  200  gm;  es  betrug  am  1.  April  1884,  am  Schluffe  des  Etatsjahres, ­
  7  290  800  gm,  wovon  4269800  qm  Straßendämme,  3021000  qm
Bürgersteige,  so  daß  im  Ganzen  eine  Vergrößerung  des  zu  reinigenden
Straßcngebieks  von  80  600  qm  zu  verzeichnen  ist.
Die  täglich  zu  reinigende  Fläche  betrug  am:
1.  April  1882  .  .  2  708  300  qm
1.  -  1883  .  .  2  727  947  -
I.  -  1884  .  .  2  732  817  -

Die  Gesammtlänge  der  innerhalb  des  Weichbildes  belegenen
Straßen,  soweit  sie  gepflastert  sind  und  regelmäßig  gereinigt  werden,
beträgt  etwa  48  deutsche  Meilen.
Im  Laufe  des  Etatsjahres  sind  wiederum  22  Straßen  und
Straßentheile  mit  Asphaltpflaster  belegt  worden,  dessen  Gesammtfläche
am  I.  April  d.  I.  etwa  265  000  qm  betrug.
An  Holzpflaster  waren  am  Ausgang  des  Jahres  ca.  35  000  qm
vorhanden.
Das  Granitvflaster  I.—III.  Klasse  hat  sich  im  Laufe  des  Berichtsjahres ­
  um  etwa  90  000  qm  vermehrt  und  waren  nach  dem  letztjährigen
Bericht  der  städtischen  Bauvcrwaltung  von  diesem  guten  Pflaster  überhaupt ­
  vorhanden  923  900  qm,  so  daß  die  Gesammtfläche  nunmehr
rot.  auf  1  000  000  qm  angenommen  werden  kann.
Daß  die  Beschaffenheit,  insbesondere  die  stetige  und  starke  Vermehrung ­
  des  guten  Pflasters  von  großer  Bedeutung  auch  für  die
Straßenreinigung  ist,  liegt  auf  der  Hand.  Gutes  Pflaster  reinigt  sich
bedeutend  leichter  wie  schlechtes  und  verringern  sich  in  Folge  dessen
auch  die  Reinigungskosten.
Asphalt  und  Holzpflaster  stellen  allerdings  an  die  Reinigung  und
sonstige  Behandlung  noch  besondere  Ansprüche,  weil  bei  ihnen  die
Jahreszeit  und  Witterung  von  größerem  Einflüsse  sind,  wie  auf  die
Steinstraßen.
Bei  feuchter  Witterung  werden  die  Asphaltstraßen  leicht  schlüpfrig
und  unangenehm  für  den  Fährverkehr,  wenn  nicht  der  Pferdemist  als
Ursache  unablässig  bei  Seite  gebracht,  wenn  nicht  zuweilen  auch  Sand
gestreut  wird.  Eine  sorgfältige  Reinigung  und  Abwartung  beseitigt
oder  verringert  doch  wenigstens  die  angedeuteten  Uebelstände  auf  ein
Minimum.
Der  im  Jahre  1880  eingeführte  Apparat  der  Asphaltburschen  für
die  extraordinäre  Reinigung  hat  sich  sehr  gut  bewährt  und  hat  derselbe
im  Laufe  der  Zeit,  entsprechend  der  Vermehrung  des  Asphalts,  sich  stetig
vergrößert,  so  daß  jetzt  schon  35  solcher  Burschen  beschäftigt  werden.
In  der  Organisation  des  Straßenreinigungswesens  sind  bemerkenswerthe
  Veränderungen  gegen  früher  nicht  eingetreten.
Aus  der  Deputation,  welche  benimmungsmäßig  aus  4  Stadträthen
und  8  Stadtverordneten  besteht,  sind  im  Laufe  des  Jahres  der  Stadtrath ­
  Romstaedt  und  die  Stadtverordneten  Schmidt  und  Stargardt
ausgeschieden,  an  deren  Stelle  der  Stadtrath  Krause  bezw.  die  Stadtverordneten ­
  Müller  und  Weiß  getreten  sind.
Im  Beamten-Personal  der  Straßenreinigung  sind  nur  unwesentliche ­
  Veränderungen  vorgekommen.  Die  6  Oberaufseher  und  21  Aufseher ­
  haben  neben  ihrem  eigentlichen  Aufsichtsdienst  noch  straßenbaupolizeiliche
  Functionen  ausgeübt,  wofür  ihnen  ein  Functionszulage
gezahlt  worden  ist.
Die  Zahl  der  ständigen  Arbeiter  betrug  während  des  Jahres
1883/84  80  Vorarbeiter  und  488  Arbeiter,  so  daß  eine  geringe  Ver-
            
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