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Neben-Depots in der Memeler- und Oderbcrgerstraße mit dem Beginn
der Bauperiode des Jahres 1883 in Angriff genommen worden. Von
diesen Neubauten wurde der des Neben-Depots in der Oderbergersträße
so weit gefördert, daß dasselbe bereits Ende November 1883
mit einem Feuerlöschzuge belegt werden konnte. Dagegen war es nicht
möglich, die beiden anderen Depots noch im Laufe der vorliegenden
Berichtsperiode im Bau zu vollenden und ihrer Bestimmung zu übergeben.
Durch die mit dem Königlichen Polizei-Präsidium vereinbarte
Verlegung des Haupt-Depots III von dem Grundstück Königgrätzcrstraße
Nr. 123, welches demnächst der Stadtgemeindc zur anderwciten
Verfügung überlassen worden ist, nach dem neuen Feuerwachtgebäudc
in der Schönebergerstraße, ist naturgemäß eine Verschiebung der südlichen
Neben-Depots eingetreten, so daß ferner die Errichtung eines
solchen in der Nähe des Görlitzer Bahnhofes erforderlich wird. Zu
diesem Zwecke ist eine von dem städtischen Grundstücke der Pumpstation
in der Reichenbergerstraße übrig gebliebene, an der Front der
letzteren gelegene Parzelle in Aussicht genommen worden, der Bau
wird indeß erst im Jahre 1885 zur Ausführung gelangen.
Was die Thätigkeit der Feuerwehr selbst angeht, so weisen wir
auf diejenigen Angaben hin, welche in dem vom Königlichen Polizei-Präsidium,
Abtheilung für Feuerwehr, pro 1883 erstatteten Berichte
zusammengestellt sind.
Aus demselben ist besonders hervorzuheben, daß der in dem vorjährigen
Berichte erwähnte Versuchszug, bestehend aus einer kleinen
Dampfspritze mit Kohlensäurebetrieb, dem Tender mit dem Wasservorrath
für den ersten Angriff und dem Schlauchmaterial, sowie dem
Geräthewagen mit der mechanischen Leiter, am 8. September 1883 in
Stelle des Centralzuges auf der Hauptwache Lindenstraße Nr. 41 in
Dienst gestellt worden ist. Der Zug ist von diesem Zeitpunkte ab zu
allen Feuern, zu welchem der Centralzug planmäßig ausrückt, herangezogen
worden und hat in einzelnen Fällen in hervorragend günstiger
Weise die Löschoperationen gefördert, sowie eine ganz erhebliche Ucberlegenheit
im Vergleich mit den gewöhnlichen Löschzügen dargethan.
Die versuchsweise in Gebrauch genommenen Feuerschutzanzüge sind
in die planmäßige Ausrüstung endgültig aufgenommen worden, so daß
nunmehr der erste Zug jeder Kompagnie mit einem solchen Apparate
ausgerüstet ist.
Die Gesammt-Organisation der Feuerwehr hat wesentliche Veränderungen
nicht erfahren.
Die eigene Bewirthschafiung der Bespannung hat fortdauernd die
günstigsten Erfolge aufzuweisen.
Die Zahl der öffentlichen Feuermelder wurde um 2 vermehrt und
betrug am L-chlusse des Jahres 1883 nunmehr 47.
In Anerkennung der geleisteten Dienste wurden 2 Spritzenmännern,
welche im Jahre 1883 eine 25jährige Dienstzeit bei der
Feuerwehr vollendet hatten, Gratifikationen von je 75 JC bewilligt.
Die Gesammtkosten betrugen im Etatsjahre 1. April 1883/84:
a) für die Feuerwehr 1 276 456,98 JC
b) - - Telegraphie 59 169,40 -
zusammen 1 335 626,bs JC.
Beim Nachtwachtwescn sind Veränderungen nicht vorgekommen
und Mittheilungen von Bedeutung nicht zu machen. Die Kosten
stellten sich auf 400 187,ss JC.
XXIIld.
Auf Grund des Reichsgesetzes, betreffend die Abwehr und Unterdrückung
von Viehseuchen vom 23. Juni 1880 und des Preußischen
Ausführungsgesetzes zu demselben vom 12 März 1881, sind im Jahre
1883 für 23 wegen Rotzkrankheit auf polizeiliche Anordnung getödtete
Pferde 5 947,25 JC Entschädigung (dreiviertel des durch Taxe festgestellten
gemeinen Werthes) gezahlt worden (im Jahre 1882 für eine
gleiche Anzahl 5 210 JC).
Zur Deckung dieser von der Commune vorschußweise gezahlten
Entschädigungen nebst den Verwaltungskosten ist,, nachdem am 1. November
1883 der Bestand der in Berlin vorhandenen Pferde — mit
Ausschluß der dem Reiche, dem Staate oder zu den landesherrlichen
Gestüten gehörigen, sowie der Roßschlächterei zugeführten, für welche
eine Entschädigung nicht gewährt und daher auch eine Abgabe nicht
erhoben wird — auf 27 052 Stück (gegen 26 197 am 1. November 1882)
ermittelt worden, von den Eigenthümern dieser Pferde ein Betrag von
30 ^ pro Pferd (derselbe Betrag wie im Vorjahre) eingezogen worden.
Der Bestand an Rindvieh, mit Ausschluß des auf dem Viehhofe
und auf dem Transport gewesenen, betrug am 1. November 1883
2 577 Stück (am 1. November 1882 2 347 Stück).
Von den Besitzern dieser Thiere ist eine Abgabe nicht erhoben
worden, da Entlchädigungen für von der Lungenseuche befallenes Rindvieh
nicht zu zahlen gewesen sind.
Im Jahre 1877 sind zuletzt Lungenseuchenfälle in Berlin constatirt
worden.
XXIV.
Das Etatsjahr 1883/84 war. seiner für die Straßenrcinigung
sehr günstigen Witterungsverhältnisse wegen, ein in jeder Beziehung
außerordentlich vortheilhastes, so daß auch extraordinäre Arbeiten un
Ausgaben nur in sehr geringem Umfange nothwendig geworden sind-Es
liegt in der Natur der Berhältniffc, daß die Witterung für die
Straßcnreiuigung stets eine hervorragende und einschneidende Rolle
spielt und daß hauptsächlich sic der ausschlaggebende Factor ist für
das Ergebniß des Jahresabschlusses.
Treten z B. im Winter starke Schneefälle ein. so ist nicht ausgeschlossen,
daß die Kosten für die Abfuhr in Hunderttauscnden von
Mark über den Etat hinausgehen, der feil 5 Jahren hierfür eine
Position von je 125 000 ^# enthält.
Es geht dies deutlich hervor aus den folgenden Angaben. Es
kostete die Schnceabfuhr:
im Jahre 1879 . . 680 200 JC,
1880 .
1881 .
1882/83
1883/84
82 541
174 406
105 370
25 050
Für Hülfsarbeiter wurden gezahlt
im Jahre 1879 . .
- - 1880 . .
- . 1881 . .
- - 1882/83 .
- - 1883/84 .
228 531 JC,
51 368 -
65 868 -
33 832 -
8 652 -
Die im Durchschnitt dreimal wöchentliche Reinigung der Straßen
hat sich trotz des stetig wachsenden Verkehrs als ausreichend erwiesen.
Ein erheblicher Theil unserer Straßen wird übrigens täglich
gereinigt, während weniger frequente Straßen zweimal, auch einmal
wöchentlich, manche sogar nur nach Bedarf gesäubert werden, was
dann ebenfalls ausreichend ist.
Das Straßengebiet, welches der planmäßigen Reinigung unterworfen
, umfaßte am Anfange der Elatsjahre eine Fläche von
7 210 200 gm; es betrug am 1. April 1884, am Schluffe des Etatsjahres,
7 290 800 gm, wovon 4269800 qm Straßendämme, 3021000 qm
Bürgersteige, so daß im Ganzen eine Vergrößerung des zu reinigenden
Straßcngebieks von 80 600 qm zu verzeichnen ist.
Die täglich zu reinigende Fläche betrug am:
1. April 1882 . . 2 708 300 qm
1. - 1883 . . 2 727 947 -
I. - 1884 . . 2 732 817 -
Die Gesammtlänge der innerhalb des Weichbildes belegenen
Straßen, soweit sie gepflastert sind und regelmäßig gereinigt werden,
beträgt etwa 48 deutsche Meilen.
Im Laufe des Etatsjahres sind wiederum 22 Straßen und
Straßentheile mit Asphaltpflaster belegt worden, dessen Gesammtfläche
am I. April d. I. etwa 265 000 qm betrug.
An Holzpflaster waren am Ausgang des Jahres ca. 35 000 qm
vorhanden.
Das Granitvflaster I.—III. Klasse hat sich im Laufe des Berichtsjahres
um etwa 90 000 qm vermehrt und waren nach dem letztjährigen
Bericht der städtischen Bauvcrwaltung von diesem guten Pflaster überhaupt
vorhanden 923 900 qm, so daß die Gesammtfläche nunmehr
rot. auf 1 000 000 qm angenommen werden kann.
Daß die Beschaffenheit, insbesondere die stetige und starke Vermehrung
des guten Pflasters von großer Bedeutung auch für die
Straßenreinigung ist, liegt auf der Hand. Gutes Pflaster reinigt sich
bedeutend leichter wie schlechtes und verringern sich in Folge dessen
auch die Reinigungskosten.
Asphalt und Holzpflaster stellen allerdings an die Reinigung und
sonstige Behandlung noch besondere Ansprüche, weil bei ihnen die
Jahreszeit und Witterung von größerem Einflüsse sind, wie auf die
Steinstraßen.
Bei feuchter Witterung werden die Asphaltstraßen leicht schlüpfrig
und unangenehm für den Fährverkehr, wenn nicht der Pferdemist als
Ursache unablässig bei Seite gebracht, wenn nicht zuweilen auch Sand
gestreut wird. Eine sorgfältige Reinigung und Abwartung beseitigt
oder verringert doch wenigstens die angedeuteten Uebelstände auf ein
Minimum.
Der im Jahre 1880 eingeführte Apparat der Asphaltburschen für
die extraordinäre Reinigung hat sich sehr gut bewährt und hat derselbe
im Laufe der Zeit, entsprechend der Vermehrung des Asphalts, sich stetig
vergrößert, so daß jetzt schon 35 solcher Burschen beschäftigt werden.
In der Organisation des Straßenreinigungswesens sind bemerkenswerthe
Veränderungen gegen früher nicht eingetreten.
Aus der Deputation, welche benimmungsmäßig aus 4 Stadträthen
und 8 Stadtverordneten besteht, sind im Laufe des Jahres der Stadtrath
Romstaedt und die Stadtverordneten Schmidt und Stargardt
ausgeschieden, an deren Stelle der Stadtrath Krause bezw. die Stadtverordneten
Müller und Weiß getreten sind.
Im Beamten-Personal der Straßenreinigung sind nur unwesentliche
Veränderungen vorgekommen. Die 6 Oberaufseher und 21 Aufseher
haben neben ihrem eigentlichen Aufsichtsdienst noch straßenbaupolizeiliche
Functionen ausgeübt, wofür ihnen ein Functionszulage
gezahlt worden ist.
Die Zahl der ständigen Arbeiter betrug während des Jahres
1883/84 80 Vorarbeiter und 488 Arbeiter, so daß eine geringe Ver-