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Volume No. VIII. Bericht über die Verwaltung des Arbeitshauses, des Arbeitshaus-Filial-Hospitals und der städtischen Irren-Verpflegungs-Anstalt

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1869 (Public Domain)

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so daß also von den dem Arbeitshause angehörenden Personen starben: 
1865 . . 121 
1866 . . 141 (incl. Cholera-Todte) 
1867 . . 112 
1868 . . 120 
1969 . . 104 
oder in Bezug auf die Eesammtzahl der verpflegten Personen 
von 127,590 des Jahres 1865 . 0,09 pCt. 
- 143,617 - - 1866 . 0,10 - 
- 176,551 -- - 1867 . 0,06 ° 
- 184,255 - - 1668 . 0,06 - 
- 168,842 - - 1869 . 0,06 - 
so daß also nach dieser Berechnung die drei letzten Jahre ganz gleich stehen. 
Nach einer besonders aufgestellten Berechnung betrugen die Kosten für 
die Verpflegung eines Lazarethkranken incl. Gehalt des Anstaltsarztes, der 
Löhne des Warte-Personals und der Arzneikosten: 
im Jahre 1869 . 6 Sgr. 11 T 7 0 - Pf. 
- - 1868 . 7 - — 
- - 1867 . 7 -1 
- - 1866 . 6 - 4 « 
- - 1865 . 6 - — - 
- - 1864 . 5 - 1 
Die Kosten von 6 Sgr. II 7 /™ Pf. des Jahres 1869 repartiren stch: 
Gehalt 
auf Speisung, des Arztes, Wärterlohn, auf Arzeneien, 
Sgr. Pf. Pf. Pf. Sgr. Pf. 
3 10 10 8,7 1 7 
gegen 1868 . 4 3 9 8,0 1 4 
also 1869 . 5 1 0,7 3 
weniger, mehr, mehr, mehr, 
oder in Summa im Jahre 1869 x 5 5 Pf. weniger gegen 1868. 
Dieselben Kosten betrugen: 
1867 resp. 4 Sgr. 4 Pf., 10 Pf., 7 Pf., und 1 Sgr. 4 Pf. 
1866 - 3- 8- 10 - 7 - -1 - 3- 
1865 - 3- 2 - 8 - 7 - -1 - 7 - 
Ueber die vorgekommenen Erkrankungen rc. hat der Anstalts-Arzt einen 
sehr umfassenden Bericht erstattet, aus welchem auch die sonstigen Verhält 
nisse der Krankenpflege ersichtlich sind. Hier mag nur noch als bemerkens- 
werth angeführt werden, daß sich im Lazareth im Jahre 1869 durchschnitt 
lich täglich nur 3 Observandcn gegen 9 des Jahres 1868 befanden. 
VI. Kirche und Schule. 
lieber Kirche und Schule des Arbeitshauses ist Seitens des Anstalts- 
Geistlichen bereits ausführlich berichtet und mag hier nur noch angeführt 
werden, daß im Laufe des Jahres 1869 die Schule besuchten: 
Tagen oder Tage 
90 Knaben an 2402 jeder Knabe durchschnittlich etwa 27 
67 Mädchen - 1670 jedes Mädchen - - 25 
128 jugendliche Häuslinge - 4832 jeder Häusling - - 38 
Diese für Schul-Unterricht sich sehr gering herausstellende Anzahl der 
Schultage kommt aus der im Verhältniß zur Gesammtzahl großen Anzahl 
von Kindern, welche oft nur wenige Tage in der Anstalt waren und wäh 
rend dieser Zeit die Schule besuchen mußten. 
Unter den 90 Knaben waren allein 36, die nur bis zu 7 Tagen an 
dem Schul-Unterricht Theil nahmen, während dies bei einzelnen allerdings 
bis zu 280 Tagen der Fall war. 
Aus dieser Schulbcsuchszeit läßt sich nun wohl ein Urtheil über die 
aus der Schule zu erwartenden Erfolge bilden, d. h. es kann hier mit we 
nigen Ausnahinen wohl eigentlich nur von einem Repetircn und Befestigen 
des bereits außerhalb der Anstall Erlernten die Rede sein. Ein Hauptvor 
theil für die auf der Schulstation uniergcbrachten jugendlichen Personen ist 
jedoch der, daß dieselben, so weit es bei den sehr mangelhaften Lokalitäten 
der Anstalt möglich ist, der Gemeinschaft der älteren, im Bagabondenleben 
ergrauten Häuslinge entzogen sind und sich fast den größten Theil des Ta 
ges unter der Aussicht des Anstaltslehrers befinden. 
Erfreulich ist es, berichten zu können, daß das aus den Schulknaben 
und mit Hinzuziehung älterer Häuslinge von dem gegenwärtigen Anstalts 
lehrer gebildete Sängcrchor mit großer Lust an dem Gcsangunterrichte Theil 
enommen und sich somit der Kirchengesang bedeutend vervollkommnet hat. 
ehrer und Schüler sind unermüdlich fleißig und benutzen fast jede freie 
Stunde, um den Gesang zu pflegen. — 
VII. Inventarium. 
Als bemerkenswcrth ist nur die Beschaffung eines neuen eisernen Koch- 
keffels als Ersatz für einen unbrauchbar gewordenen zu erwähnen, wodurch 
dem laufenden Etat die nicht unbedeutende Ausgabe von 76 Thlrn. 6 Sgr. 
entstanden ist. 
VIII. Bauten und bauliche Reparaturen. 
Außer den alljährlich vorkommenden Reparaturen der Oefen, des Putzes 
und Anstriches verschiedener Lokale wurden noch folgende bemerkenswerthe 
bauliche Arbeiten ausgeführt. 
1) Das für eine längere Zeit von Kranken evacuirte Frauen-Lazareth 
wurde vollständig im Putz und Anstrich reparirt, so wie auch der 
Fußboden und die Wände auf ca. 3£ Fuß Höhe in Oelfarbe ge 
strichen. 
2) Das Theerpappendach über dem Dampfkessel und den Dampf 
bottichen wurde erneuert und ein Theil deffelben mit Zinkblech 
belegt, um dem sich aus dem Dampfrohr niederschlagenden heißen 
Wasser einen Abfluß in die Dachrinne zu verschaffen, ohne die 
Thecrpappe zu zerstören. 
3) Der große, in der Mansarde des Vorderhauses gelegene Saal zur 
Unterbringung der obdachlosen Familien ließ sich an kalten Tagen, 
wenn nur wenige Familien vorhanden- waren, sehr schwer bis auf 
eine den kleinen Kindern zuträgliche Temperatur erheizen und 
wurde derselbe daher durch eine in Rohr geputzte Bretterwand in 
zwei kleine Lokale getheilt und außerdem noch ein eiserner Ofen, 
außer dem bereits vorhandenen Kachelofen ausgestellt. 
4) Die nach dem Alexanderplatze zu gelegene Front des Arbeitshau 
ses wurde vollständig neu geputzt und waren hierzu 600 Thlr. 
cxtraordinair bewilligt. 
5) In der Portierstube wurde ein Feuer-Signal-Apparat aus hierzu 
cxtraordinair bewilligten 150 Thlr. 20 Sgr. aufgestellt. 
Da die Räume der Mäniier-Jrrenanstalt aus dem etatsmäßi 
gen Baufonds des Arbeitshauses mit in baulichen Stand und 
Würden gehalten werden müssen, so führen wir hier auch gleich 
zeitig diejenigen Bauten und baulichen Reparaturen mit an, welche 
in dieser Anstalt, wenngleich auch nur für die Zwecke der Unter 
bringung der Geisteskranken, ausgeführt sind, nämlich: 
6) Durch die im Jahre 1868 vollendete Herstellung eines Arbeits 
saales in der Mansarde des Vordcrgebäudes, Alexanderplatz Nr. 4., 
hatte auch der dort befindliche Wasser-Reservoir, welcher durch 
eine gewöhnliche Handdruckpumpe gespeist wurde, entfernt werden 
müssen; — zum Ersätze für selbigen sind nun auf dem Boden 
des hinteren Gebäudes 2 eiserne Reservoire aufgestellt und mit 
der Dampfpumpe der Waschküche in Verbindung gebracht. Für 
die Veränderung dieser Wasserleitungs-Anlage in der Männer- 
Jrrenanstalt waren auf Grund eines Kosten-Anschlages 650 Thlr. 
bewilligt, indessen hat diese Summe wegen mannichfacher, wäh 
rend der Ausführung vorgekommener Schwierigkeiten nicht ge 
reicht, ist vielmehr um 129 Thlr. 20 Sgr. überschritten und sind 
außerdem noch zur Reparatur der bereits vorhanden gewesenen 
Leitung 64 Thlr. 25 Sgr. 11 Pf. nothwendig gewesen. 
7) Der Fußboden der Badestube mußte durch Einziehung eines Bal 
kens, Erneuerung der Dielung und Belegung derselben mit As 
phalt reparirt werden, welche Reparatur 215 Thlr. 21 Sgr. 
4 Pf. aus dem laufenden Baufonds kasteie. 
8) In dem in der Mansarde des Vorderhauses gelegenen großen 
Saale wurden 3 neue Oefen aufgestellt, deren Kosten aus den 
hierzu cxtraordinair bewilligten 108 Thlrn. 16 Sgr. 6 Pf. be 
stritten wurden. 
IX. Bäckerei. 
Die Einnahmen und Ausgaben der Bäckerei sind in der Anlage E. 
zusammengestellt. 
Der hier nachgewiesene Vorschuß von 1657 Thlrn. 28 Sgr. 9 Pf. 
wird durch die ult. 1869 verbliebenen Bäckerei-Bestände nachgewiesen. 
Im Jahre 1869 wurden 7298 Ctr. 38 Pfd. Roggenmehl für 
28,272 Thlr. 9 Sgr. 6 Pf. angekauft, wonach ein Ctr. Roggenmehl 
3 Thlr. 26 Sgr. 3 Pf. 
gegen 4 - 29 - 5 - 
des Jahres 1868, also 1869 1 Thlr. 3 Sgr. 2 Pf. 
oder ca. 29 pCt. billiger war — ein sehr bedeutender Abschlag. 
Im Jahre 1869 wurden verbacken: 
im Monat 
Mehl. 
Brod. 
Januar 
62,863 Pfd. 
zu 
86,511,8 Pfd. 
Februar 
60,953 
- 
84,217,8 
- 
März 
68,558 
- 
- 
93,410,6 
- 
April 
65,339 
- 
- 
87,530,7 
- 
Mai 
58,843 
- 
- 
78,295,5 
- 
Juni 
60,691 
- 
- 
80,134,7 
- 
Juli 
62,141 
- 
- 
82,049,6 
s ' 
August 
61,344 
S 
s 1 
81,674,2 
- 
September 
57,575 
- 
- 
78,209,2 
- 
Oktober 
57,697 
s 
- 
78,061,4 
- 
November 
61,819 
- 
- 
84,564,5 
- 
Dezember 
63,804 
s 
- 
87,609,9 
- 
in Summa 741,627 Pfd. zu 1,002,269,9 Pfd. 
und sonach zu 100 Pfd. Brod . 74,00 Pfd. Mehl 
gegen 72,97 - 
des Jahres 1868, also im Jahre 1869 auf 100 Pfd. 
Brod 1,03 Pfd. Mehl 
mehr verbraucht. 
Diese 741,627 Pfd. Mehl sind an 260 Backtagen verbacken, also pro
	        
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