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Volume No. VIII. Bericht über die Verwaltung des Arbeitshauses, des Arbeitshaus-Filial-Hospitals und der städtischen Irren-Verpflegungs-Anstalt

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1869 (Public Domain)

li 
Bestand waren ult. 1868 12 Familien mit 29 Pers., 
Zugang 1869 110 - - 425 - 
122 Familien mit 451 Pers. 
Abgang 1869 106 - - 399 - 
Bestand ult. 1869 16 Kamillen mit 55 Pers. 
An einzelnen obdachlosen Personen wurden, wie oben bemerkt, einge 
liefert: 1868 906 Männer, 192 Frauen, 1098 Pers., 
1669 340 - 71 - 411 - 
also 1869 566 Männer, 121 Frauen, 687 Pers. 
weniger — eine ganz außergewöhnliche Erscheinung, denn es wurden 
auch: 1667 962 Männer, 170 Frauen, 1132 Pers., 
1866 724 - 198 - 922 - 
eingeliefert. 
Hieraus könnte nun sehr leicht der Schluß gezogen werden, daß es 
im Jahre 1869 den einzelnen Personen leichter, als in den Vorjahren ge 
wesen sei, sich Wohnung resp. Obdach zu verschaffen. Dies war jedoch 
keineswegs der Fall, sondern der Grund zu dieser Erscheinung liegt in Fol 
gendem: es gab in den Vorjahren eine sehr große Anzahl von Personen, 
die im Laufe des Jahres in bestimmten Zeiträumen immer wieder, oft bis 
zehn und mehrere Mal als obdachlos eingeliefert wurden und, wie wir oft 
mals schon berichtet haben, eigentlich gar nicht als „obdachlose Personen" 
bezeichnet resp. eingeliefert werden durften, denn sie hatten ein eigentliches 
„Obdach", d. h. eine aus eigenen Mitteln bezahlte Wohnung nie gehabt, 
— sie bewegten sich, wenn sie nicht eine Strafe wegen unterlaffener Be 
schaffung eines Unterkommens re. oder eine Korrektionshaft verbüßten, fast 
ununterbrochen zwischen dem Arbeitshause und dem Polizei-Gewahrsam oder 
nächtigten im Freien — bei Mutter Grün, wie es in der Bettlersprache 
heißt, — sie gehörten also eigentlich zu den Personen, die wegen unterlaffe 
ner Beschaffung eines Unterkommes hätten zur Untersuchung gezogen wer 
den können, wie dies auch im Jahre 1859 bei sehr vielen Personen wirklich der 
Fall gewesen und sind dieselben demnächst auch bestraft, mithin für längere 
Zeit mit Unterkommen versehen, während welcher sie, wenn sie nicht bestraft 
worden wären, jedenfalls noch mehrere Male als obdachlos die Anstalt auf 
gesucht hätten. 
Dies ist bei Männern und bei Frauen der Fall gewesen. Außerdem 
ist aber auch wohl bei den „einzelnen Frauen" sicher das „Asyl" mit ein 
Grund für die Abnahme derselben im Arbeitshause; — bestimmte Angaben 
lassen sich hierüber freilich nicht ausstellen, weil den Personen, welche in das 
Arbeitshaus eingeliefert werden, nicht bestimmt nachgewiesen werden kann, 
woselbst sic sich vorher aufgehalten haben und sie selbst selten die Wahrheit 
sagen, andererseits aber die Personen, welche früher das Arbeitshaus fre- 
quentirten und im Jahre 1869 das Asyl aussuchten, dort auch nicht er 
zählen werden, daß ihnen bisher das Arbeitshaus eine sehr bequeme Stätte 
gewesen sei. 
Jedenfalls aber ist die Abnahme der im Arbeitshause im Jahre 1869 
gegen die Vorjahre vorhanden gewesenen obdachlosen, einzelnen Personen 
als eine sehr erfreuliche zu vermerken: 
denn, sind ein großer Theil derselben bestraft, so gehörten diesel 
ben auch sicher während ihrer vorhergehenden Zeit, in welcher sie 
stets als obdachlos eingeliefert wurden, zur Kategorie der Bett 
ler re., und somit ist es ein Gewinn im Interesse der öffentlichen 
Sicherheit und des Publikums, wenn sie hinter Schloß und Rie 
gel sitzen, 
oder: 
haben sie sich anderweitig ein Unterkommen geschaffen, sei es im 
Asyl oder in anderen Wohlthätigkeits - Anstalten, so ist dies 
ein Gewinn für sie selbst und durch den -an diesen Orten für sie 
erwachsenden größeren sittlichen Halt auch wieder für das Publi 
kum resp. Interesse der öffentlichen Sicherheit. 
Mir können daher nur den Wunsch aussprechen, daß die Zahl dieser 
obdachlosen Personen in den nächsten Jahren noch mehr abnehmen möge, 
da diese auch aus die Disziplin im Arbeitshause selbst nachtheilig einwirken. 
0. Außer Arrestanten, Korrigenden und Obdachlosen wur 
den im Jahre 1869 noch dem Arbeitshanse zugeführt: 
HI. Unterstützung der HäuSlinge.bei der Entlassung. 
Von den im Laufe des Jahres 1869 entlassenen 101 obdachlosen Fa 
milien wurden 95 mit 351 Personen mit 158 Thlrn. 25 Sgr. gegen 
102 Familien mit 342 Personen und 187 Thlrn. 6 Sgr. des Jahres 1668 
unterstützt, — jede Familie erhielt mithin durchschnittlich: 
1869 . 1 Thlr. 20 Sgr. 2 Pf. 
1868 . 1 - 25 - 1 . 
also 1869 . 4 Sgr. 11 Pf. weniger. 
Diese Unterstützung betrug pro Familie: 
1864 . 2 Thlr. 1 Sgr. 10 Pf. 
1865 . 2 - 4 - 2 - 
1866 .1 - 13 - 10 - 
1867 . 2 - 1 - 4 - 
Die Höhe der einzelnen Unterstützungen betrug: 
bei 1 Familie k 10 Sgr. . — Thlr. 10 Sgr. 
- 1 - 5 15 - . — - 15 - 
- 6 - ü 20 - . 4 - — - 
- 24 - ä 1 Thlr. ,24 - — - 
- 16 - ä 1% » . 24 * — 5 
- 42 - 52 - .84 - — - 
- 1 » 53 - .3 - — - 
- 2* 5 4 - . 8 - — - 
-1 - a 5 - » 5 - ■ 
- 1 - 56 - .6 - — - 
bei 95 Familien in Summa 158 Thlr. 25 Sgr. 
Von den im Laufe des Jahres 1869 entlassenen einzelnen Personen 
wurden unterstützt: 133 mit 104 Thlr. 4 Sgr. 6 Pf., 
gegen 131 - 109 - 27 - 6 - des Jahres 1868, so 
daß 1869 zwar 2 Personen mehr unterstützt sind, die denselben gezahlte 
Unterstützung aber in Summa 5 Thlr. 23 Sgr. weniger gegen 1868 be 
tragen hat; — pro Köpf betrug die Unterstützung: 
1869 
1868 
1867 
1866 
1865 
1864 
23 Sgr. 
25 - 
24 - 
21 - 
24 - 
29 - 
6 
2 
4 
7 
10 
Pf'j 1 Sgr. 
- 1 
- 2 
- 3 
- 5 
8 Pf. mehr, 
2 - weniger, 
8 - - 
3 - mehr, 
3 - 
Die Höhe der einzelnen Unterstützung betrug: 
bei 
2 Personen 
ä 
3 Sgr. — Pi. 
— 
Thlr. 6 Sgr. — Ps. 
- 
13 
- 
ä 
10 - — - 
4 
- 10 
- 3 
S 
1 
- 
ä 
11 - 7 - 
— 
- 11 
- 7 - 
42 
ä 
15 - — - 
21 
- 
- 3 
, 
38 
ä 
20 - — - 
25 
- 10 
- -- 
- 
1 
- 
ä 
20 - 11 - 
— 
- 20 
- 11 - 
- 
2 
- 
a 
25 - — - 
1 
- 20 
- - 
- 
21 
- 
ä 
1 Thlr. — - 
21 
- — 
- - 
- 
1 
- 
a 
iz - — - 
1 
- 15 
S - 
- 
10 
- 
a 
2 - — - 
20 
- 
- • 
- 
1 
- 
a 
2 - 1 Sgr. 
2 
- 1 
- f 
- 
1 
- 
a 
6 - — - 
6 
- 
- 3 
bei in Sa. 133 Personen i04 Thlr 4 Sgr. 6 Pf. 
Die über 2 Thlr., sowohl an die obdachlosen Familien, als an die 
einzelnen Personen gezahlten Unterstützungen sind auf Anordnung der Armen- 
Dircktion, Abtheilung für die Verwaltung des Arbeitshauses, gezahlt und 
waren die größeren Summen meistentheils erforderlich, um retinirte Wirth 
schaftsgegenstände einzulösen. 
Außer den baar gezahlten Unterstützungen sind auch im Jahre 1869 
wiederum vielen Entlassenen Kleidungsstücke und Lagerungsgegenstände, 
zum Theil aus den Nachlässen der im Arbeitshause Verstorbenen herrührend, 
verabreicht worden. 
Die Geldunterstützungen sind auch im Jahre 1869 den bestehenden 
Vorschriften gemäß, als zur Haupt-Armenpflege gehörend, nur vorschußweise 
für die Haupt-Armenkasse geleistet und auf Grund der monatlich eingereich 
ten Liquidationen der diesseitigen Kasse erstattet. 
219 (1868 . 279) Personen aus der Königlichen Charite 
zurück, 
53 ( - 
. 95) 
- 
fürs Filial bestimmt, 
110 ( - 
. 81) 
- 
Hoöpitaliten zum Lazarelh, 
1 ( - 
. 0) 
- 
vom Filial zur Korrektion, 
1 ( - 
. 2) 
welche ihre Familien nicht 
alimentirten, 
2 ( - 
. 3) 
- 
zur Einsegnung, 
Summa. 
Hierzu 
Sa. A. . 
. 386 (1868 
. 460) Personen. 
. 2019 ( - 
. 2268) 
Arrestanten und Korrigenden, 
- Ba. 
. 425 ( - 
. 453) 
- 
von obdachlosen Familien, 
- Bb. 
. 411 ( - 
. 1098) 
- 
obdachlose Personen. 
So. . 
. 3241 (1868 
. 4279) Personen, 
als gesammtc Einlieferung 
des Jahres 1869, 
gegen . . 4279 des Jahres 1868, 
also 1869 . 1038 Personen weniger. 
IV. Beschäftigung der Häuslinge. 
Von den im Arbcitshause durchschnittlich täglich vorhanden gewesenen 
463 Personen 
waren: Lazarethkranke . . 50 Personen 
Observanden. . . 3 - 
Schulknaben... 7 - 
Schulmädchen . . 5 - 
Schulburschen . . 13 
Ausgänger ... 6 
obdachlose Familien 27 » 111 - 
welche für den ArdeüSbetrieb nicht 
verwendet werden konnten, so daß 
im Jahre 1869 nur ... . 352 Personen 
gegen. . 360 - 
des Jahres 1868 oder ... 8 Personen 
weniger beschäftigt werden konnten.
	        
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