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Volume No. VII. Bericht der Armen-Direction, Abtheilung für die Waisen-Verwaltung

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1869 (Public Domain)

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Anhang. 
SpeM-Lerichte. 
A. Das Depot. 
1. Frequenz. 
Bestand am 1. Januar 1669: 6 Knaben, 13 Mädchen— 19 Kinder. 
Zugang im Jahre 1869: . 1033 * 961 - —1994 
Summa 1039 Knaben, 974 Mädchen — 2013 Kinder. 
Abgang im Jahre 1869 
1021 
950 
— 1971 
916 Kinder. 
147 - 
41 - 
8 - 
6 - 
3 - 
Bestand am 1. Januar 1870: 18 Knaben, 24 Mädchen— 42 Kinder. 
Von den 1994 dem Depot im Jahre 1869 zugeführten Kindern sind 
a) neu aufgenommen, d. i. zum ersten Male 
b) wieder aufgenommen zum zweiten Male 
v) - - - dritten - 
d) - - - vierten 
e) - - - fünften - 
f) - - - sechsten - 
g) aus dem Dienste, resp. der Lehre zurückgekommen 
h) vorher aus der Pflege entlaufen 
i) vom Urlaube zurückgekommen 
k) aus der Charite zurückgekommen 
l) auS Bethanien zurückgekommen . 
w) aus verschiedenen Anstalten . . 
n) aus der Anstalt zu Rummelsburg 
o) aus der hiesigen Kostpflege . . 
p) aus der auswärtigen Kostpflege . 
136 
Summa 1994 Kinder. 
Bon den 1971 aus dem Depot geschiedenen Kindern sind 
a) den Eltern zurückgegeben .... 
b) in unentgeltliche Pflege genommen . 
e) verstorben 
d) fremden Communen übergeben . . 
e) in Lehre resp. Dienst gekommen 
f) entlaufen 
g) auf Urlaub 
h) nach der Charite gebracht . . . 
i) nach Bethanien gebracht .... 
k) in die Augenklinik des Prof. Dr. v. Graefe 
gekommen 
l) in die städtische Jrren-Verpflcgungs-Anstalt 
w) in das Militair-Waisenhaus zu Potsdam 
n) in die Mägdeherberge „Marthashof" 
o) in verschiedene Anstalten gekommen 
p) nach Rummelsburg gekommen . . 
q) in die hiesige Kostpflege gegeben 
r) in die auswärtige Kostpflege gebracht 
323 Kinder. 
21 - 
1 
46 - 
40 - 
5 - 
1 
89 - 
24 - 
1 - 
2 - 
1 
1 - 
4 - 
123 - 
1048 - 
241 - 
Summa 1971 Kinder. 
Die höchste Zahl der in: Depot an einem Tage verpflegten Kinder 
betrug am 3. October 56 Kinder; die geringste am 15., 27. und 29. April 
11 Kinder. 
Durchschnittlich wurden täglich verpflegt: 
im Jahre 1868 
- - 1869 
22 Kinder 
31 - 
mithin 1869 mehr 
Aufgenommen sind 
im.Jahre 1868 
- - 1869 . 
9 Kinder. 
1912 
1994 
also 1869 mehr .... 
2. Grund der Aufnahme. 
Reu resp. wieder aufgenommen wurden: 
in das Depot und in Rummelsburg . . 
und unmittelbar in die Kostpflege . . . 
82 Kinder. 
1247 Kinder 
228 - 
10 - 
4 - 
1 
Summa 754 
Außerdem kamen in das Depot 
721 
1475 
62 - 
Knaben 
Mädchen 
— Kinder 
11 - 
a) aus hiesiger Kostpflege .311 
313 
624 
2 - 
b) aus auswärtiger Kostpflege 75 
61 
136 
15 - 
c) von Rummelsburg ... 8 
7 
15 
624 - 
Summa 394 
381 
775 
Summa 1475 Kinder 
Von diesen kamen in die Waisenpflege 
Knaben 
Mädchen 
— Kinder 
a) durch den Tod der Eltern 
154 
142 
296 
d) wegen Erkrankung derselben 192 
203 
395 
c) wegen Verhaftung derselben 
65 
69 
134 
d) wegen heimlicherEntfernung 
derselben 
190 
160 
350 
e) wegen deren Armuth und 
Erziehungs-Unfähigkeit 
17 
24 
41 
s) weil die Eltern im Dienst 
3 
2 
5 
g) wegen Exmission der Eltern 
35 
24 
59 
h) weil die Eltern ausgewandert 
19 
13 
32 
i) aus Kranken-Anstalten 
44 
49 
93 
k) vorher entlaufen . . . 
11 
3 
14 
1) aus verschiedenen Anstalten 
4 
1 
5 
w) Findlinge 
10 
3 
13 
n) aus Lehre oder Dienst . 
10 
27 
37 
o) vom Urlaub zurück. . . 
—. 
1 
1 
Die aus der Kostpflege und der Waisen-Erziehungs-Anstalt zu Rum 
melsburg in das Depot gekommenen Kinder mußten entweder ihren An 
gehörigen zurückgegeben oder aus besonderen Gründen anderweitig unter 
gebracht werden. 
Von den umstehend ad a—h aufgeführten Kindern, deren Aufnahme 
direkt von den Eltern erfolgte, gehörten 
je 1 Kind zu 630 Famlien — 630 Kinder. 
- 2 Kinder - 163 — 326 - 
- 3 - - 67 - — 201 - 
- 4 - - 28 - — 112 - 
- 5 - - 5 - — 25 - 
- 6 - - 3 - — 18 - 
zusammen von 896 Familien 1312 Kinder. 
Aus welchen zerrütteten Familien-Verhältnissen die dem Waisenhause 
zugeführten Kinder kommen, wie sie körperlich vernachlässigt und geistig 
verwahrlost sind, darüber ist in dem vorjährigen Berichte ausführlich ge 
handelt worden. Aber kaum glaublich ist es wohl, daß Kinder, welche in 
die Waisenpflege aufgenommen werden, also noch nicht consirmirt sind, 
schon im Begriff gestanden haben, sich gewaltsam das Leben zu nehmen. 
Und doch hat sich ein solcher Fall ereignet. Im Monat August v. I. 
mußte ein Knabe recipirt werden, welcher von einem Schutzmann im 
Thiergarten des Abends schlafend angetroffen wurde. Neben ihm lag 
eine geladene Pistole, welche er, nach seinem eigenen Zugeständniß, für 
einen Thaler, den letzten Rest seines Vermögens, gekauft hatte, um sich 
damit zu todten. Er" hatte, von seiner frühesten Kindheit an, das Leben 
nur von der trübsten Seite kennen gelernt und war desselben überdrüssig. 
Sein Vater, ein Steuerbeamter a. D., befand sich Krankheils halber in der 
Charite, wo er auch verstorben ist; seine Mutter war schon seit mehreren 
Jahren todt. Der Knabe hatte also in der That Niemand, bei dem er 
Hülfe suchen sollte; er stand vollständig rathlos und verlassen in der Welt. 
Er war glücklich, als er in das Waisenhaus kam und nun ein geordnetes 
und sorgenfreies Leben führen konnte. 
Daß Kinder ihren außerhalb Berlin wohnenden Eltern entlaufen, 
hier von der Polizei aufgegriffen und dem Depot zur vorläufigen Auf 
nahme überwiesen werden, ist nichts Außergewöhnliches. Meistentheils 
haben dieselben ihr Domicil nicht weit von hier. Im vergangenen Jahre 
wurde uns aber ein 13 jähriger jüdischer Knabe zugeführt, welcher, wie sich 
nach weitläufigen Correspondenzen herausstellte, aus Wladislawowo, in 
Russisch-Polen, stammte. Er war ohne Subsistenz»Mittel hierher gekom 
men, um nach London, zu einem angeblich dort wohnenden Oheim zu 
reisen. Seine Zurückführung in die Heimath hat große Schwierigkeiten 
verursacht.
	        
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