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Volume No. VII. Bericht über die Armen-Direction, Abtheilung für die Waisenverwaltung

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1868 (Public Domain)

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und besondere Abdrücke desselben den einzelnen Waisenämtern in einer ent 
sprechenden Anzahl von Exemplaren übermittelt worden. 
8. Gesundheitspflege. 
Die ärztliche Behandlung der Kinder ist auch im Vorjahre durch die 
Bezirks-Armenärzte bewirkt worden. Letztere sind angewiesen, den Requisi 
tionen der Waisenamts-Vorsteher ihrer Medicinal-Bezirke wegen freier ärzt 
licher Behandlung der in ihrem Waisenamts-Bezirke untergebrachten Kinder 
nachzukommen. Bei schweren und langwierigen Krankheiten sind die Armen- 
Aerztc berechtigt, die Kinder, durch die Vermittelung des betreffenden Wai 
senamts - Vorstehers, einem Krankenhause zu überweisen. 
Die städtischen Fluß-Badeanstalten sind im vergangenen Sommer wie 
der von einer großen Zahl unserer Waisenkinder benutzt worden. 
Verstorben sind, incl. der 26 Säuglinge, 58 Kinder, d. i. bei 2461 
Kindern, welche in der Berliner Kostpflege waren, 2,4 pCt. 
An Kur- und Arzneikosten sind 90 Thlr. 5 Sgr. 7 Pf. und an Beer 
digungskosten 68 Thlr. 20 Sgr. verausgabt worden, wobei jedoch bemerkt 
sei, daß das Gehalt für die Armen - Aerzte, sowie ein großer Theil der 
Arzneikosten aus der Haupt-Armenkaffe gezahlt ist. 
9. Bekleidung. 
Die wiederholt laut gewordenen Klagen über die von dem Plenum der 
Armen-Directio» durch die Einsegnungs-Bekleidungs-Commission für die 
Waisenkostkinder beschaffte Einsegnungsbekleiduug haben die Verwaltung ver- 
. anlaßt, den Kindern an Stelle der ihnen im letzten Jahre vor ihrer Con- 
firmation regulativmäßig zustehenden Jahresbekleidung, wenn der Zeitpunkt 
für die Verabfolgung derselben nicht allzuweit von ihrem Einsegnungs- 
Termine liegt, und der von der oben genannten Commission zu liefernden 
Einsegnungsbekleidung, einen Einsegnungs-Anzug zu gewähren, welcher statt 
der rcgulativmäßigen Tuchjacken, Beinkleider, Westen re. bei den Knaben 
aus einem schwarzen Tuchrock, einem Paar schwarzen Tuchhosen und einer 
Weste, und bei den Mädchen statt der bunten, halbwollenen Kleider 
und 8 /4 Ellen großen Umschlagetüchern rc. aus einem schwarzen Halb-Thybeth- 
Kleide und einem großen Umschtagetuche besteht. 
Den Pflegeeltern wird cs, was hier bemerkt sei, freigestellt, entweder 
auf die Jahresbckleidung zu verzichten und statt derselben zur Confirmation 
der Kinder die bessere Einsegnungsbekleidnng zu wählen, oder aber die 
Jahresbekleidung zur Zeit der Empfangsberechtigung zu nehmen und sodann 
von der Einsegnungs-Bekleidungs Commission zur Confirmation die geringere 
Qualität der Einsegnungs. Bekleidung zu erbitten. 
Ist die Jahresbekleidung zur Zeit der Confirmation fällig, so wird 
selbstverständlich an Stelle derselben die bessere Einsegnungs-Bekleidung ge 
währt. 
Diese Einrichtung, bei welcher die Verwaltung noch Kosten erspart, 
entspricht in jeder Beziehung den Wünschen der Pflegreltern und Kinder. 
Die bessere Einsegnungs-Bekleidung an Stelle der Jahresbekleidung 
haben erhalten: 
zu Ostern v. I. 24 Knaben und 25 Mädchen, 
zu Michaelis v. I. 20 - - 25 
Summa 44 Knaben und 50 Mädchen. 
Von der Einsegnungs - Bekleidnngs - Commission sind mit Kleidungs 
stücken versehen worden: 
zu Ostern v. I. 10 Knaben, 17 Mädchen, 
zu Michaelis v. I. 5 - 2 
Summa 15 Knaben, 19 Mädchen. 
Die Jahresbekleidung ist verabfolgt worden: an 702 Knaben und 
758 Mädchen, in Summa 1460 Kinder. 
Dieselben befanden sich theils in der hiesigen, theils in der auswärtigen 
Kostpflege. 
Den größeren Mädchen sind an Stelle der bisherigen Flanell-Unter- 
röcke mit Leibchen Steppröcke gegeben worden. Diese haben sich als durchaus 
practisch bewährt und sind von de» Kindern und Pflegern mit Dank und 
großer Freude entgegen genommen. 
Die Bekleidung der Kinder hat gekostet: 
1) die Säuglings-Bekleidung, incl. 
der für die auswärtigen Kost 
kinder ........ 217 Thlr. 13 Sgr.—Pf. 
2) die Jahresbekleidung, incl der 
für die auswärtigen Kostkinder 13,006 - 11 - 10 - 
3) die Einsegnungsbekleidung . . 961 - 6 - — - 
Summa 14,185 Thtr. — Sgr. 10 Pf. 
10. Confirmation, Lehr- und Dienstunterbringung. 
Nach erfolgter Einsegnung, resp. mit vollendetem 14. Lebensjahre schie 
den aus: 44 Knaben und 71 Mädchen, in Summa 115 Kinder. 
Die Knaben sind in die Lehre gekommen, die Mädchen zum Theil in 
einen Dienst gegangen. Die Mehrzahl der letzteren ist jedoch vorläufig noch 
bei den Pflegeellern verblieben, um sich in der Wirthschaft und in weiblichen 
Handarbeiten weiter auszubilden 
Sechs confirmirte Waisenmädchen sind, auf Kosten und unter Mitwir 
kung der Waisenvcrtvaltung, von dem Verein für Familien- und Volks-Er 
ziehung als Kindcrpflegerinnen ausgebildet worden und haben demnächst 
Dienste mit 30, resp. 36 Thlr. Lohn erhalten. 
Der dabei beabsichtigte Zweck, durch tüchtige Schulung an den Fröbel- 
schen Bcschäftigungsmitteln den Mädchen ein sicheres Können beizubringen 
und sie so zu befähigen, kleine Kinder in der Familie auf bildende Weise 
selbstständig zu beschäsligen, ist durch folgende Mittel zu erreichen gesucht: 
a) durch die Beschäftigung der Mädchen im Depot des Waisen 
hauses, 
d) durch das Hospitiren und Beschäftigen derselben in den Kinder 
gärten, 
c) durch eine Unterweisung in den Fröbel'schen Beschäftigungs 
weisen. 
In dem Depot des Waisenhauses sind die Mädchen des Morgens 
von 8 bis 12 Uhr im Waschen, Baden, Pflegen der Kinder und ebenso 
in allen häuslichen Beschäftigungen, wie Reinigen der Zimmer, Waschen, 
Plätten u. s. w. unterwiesen worden. 
Die Thätigkeit der Mädchen in den Kindergärten, gleichfalls des 
Morgens von 9 bis 12 Uhr, bestand zunächst darin, in äußeren Dingen Hülfe 
zu leisten und zu hören. Nach und nach sind sie aber, unter Anleitung und 
Aussicht der Kindergärtnerinnen, mit der practischen Leitung der Kinder, 
nach der Fröbel'schen Methode, betraut worden. 
Der Aufenthalt der Mädchen im Waisenhaus-Depot und in den 
Kindergärten hat wöchentlich eine Aenderung erfahren. 
Bei dem täglich Nachmittags von 2 bis 5 Uhr im Depot des Waisen 
hauses ertheilten Unterricht handelte es sich weniger um eine Fortführung 
des Schulunterrichts, als um einen Fachunterricht. Die Mädchen erhielten 
Unterricht in weiblichen Handarbeiten, im Deutsch-Lesen, in der Natur 
kunde im Sinne der kindergärtnerischen Beschäftigungen und in den 
Fröbel'scheu Beschäftigungsweisen. 
Eingehende Erörterungen haben im Schooße der Waisenämter in 
Betreff der Fürsorge für die confirmirten Waisenmädchen stattgefunden. 
Das Resultat dieser Verhandlungen ist gewesen, daß fortan für jedes 
einzelne Mädchen, mit Rücksicht auf seine Talente und Neigungen, Kennt 
nisse und Erziehung, eine Berufsart oder Thätigkeit ermittelt wird, durch 
welches dasselbe selbst seinen Lebensunterhalt gewinnen kann. 
Bezüglich der Ausbildung der Waisenmädchen für häusliche und wirth- 
schaftliche Thätigkeiten, wozu der größere Theil der Mädchen sich nur 
qualificirt, ist in der General-Versammlung der Waisenämter vom 26. 
Oktober pr. Folgendes beschlossen worden: 
1) Die in der hiesigen Waisenkostpflege confirmirten und für den 
Dienstbotenstand sich eignenden Mädchen verbleiben nach der Ein 
segnung, behufs ihrer weiteren körperlichen Entwickelung und Vor 
bereitung für ihren künftigen Beruf, womöglich noch Ein Jahr 
lang bei ihren Pflegeeltern oder anderen, besonders geeigneten 
und sorgfältig auszuwählenden Familien. 
2) Letztere haben den Mädchen, welche nach wie vor von den Wai 
senämtern beaufsichtigt werden, für dre zu leistenden Dienste 
Wohnung, Kost und Kleidung zu gewähren, einen Lohn dagegen 
nicht zu zahlen. 
3) Nach Vollendung dieses Vorbereitungsjahres werden die so aus 
gebildeten Mädchen in gute, ihren Fähigkeiten entsprechende Dienste 
gebracht und von den Waisenämtern weiter bis zu ihrem 18. 
Lebensjahre beaufsichtigt. 
4) Wechselt ein Mädchen den Dienst, so wird hiervon der Waisen- 
vcrwaltung Anzeige gemacht, welche dasselbe alsdann dem Waisen- 
amte zur Aufsicht überweist, in dessen Bezirke die neue Herr 
schaft wohnt. 
Nach diesen Grundsätzen sind die, Ostern d. I. confirmirten Waisen 
mädchen placirt worden. 
Ueber die sittliche Führung der in den Jahren 1864 bis incl. 1867 
confirmirten Waisenmädchen sind von dem Königlichen Polizei-Präsidium, 
auf diesseittge Requisition, Ermittelungen angestellt. Diese haben ergeben, 
daß von den 171 confirmirten Mädchen 3 der Prostitution anheim gefallen 
sind, d. i. 1,8 pCt. In Anbetracht, daß viele dieser Mädchen erst int vor 
gerückten Alter und in einem sehr verwahrlosten Zustande in die Waisen 
pflege aufgenoimnen wurden, ist dies Resultat wohl ein günstiges zu nennen. 
11. Prämien. 
Aus dem Fonds der Stiftung vom 17. November 1822 ist folgenden 
Kindern eine Prämie von 50 Thalern nebst anzusammelnden Zinsen zu 
gesichert worden: 
1) Gustav Herrmann Richard Fr entzel, geboren den 21. Juli 1854, 
in Pflege beim Arbeiter Hahn, Coloniestraße 13.; 
2) Theodor Emil Paul Barreiß, geboren den 8. Oetober 1854, 
in Pflege beim Knopfmacher Müller, Mehncrstraße 21.; 
3) Johanna Christine Marie Kergel, geboren den tl. Septem 
ber 1853, in Pflege beim Tischlermeister Krämer, Georgen 
kirchstraße 40.; 
4) Agnes Helene Clara Neubieser, geboren den 1. December 1853, 
in Pflege beim Posamentier Mittag, Auguststraße 35.; 
5) Agnes Jda Alma Hulda Friebel, geboren den 14. Februar 1854, 
in" Pflege beim Kaufmann Driese, Schönhauser-Allee 172».
	        
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