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Volume No. VII. Bericht über die Armen-Direction, Abtheilung für die Waisenverwaltung

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1868 (Public Domain)

SpeMlierichte. 
A. Das Depot. 
1. Frequenz. 
Bestand ult. Dezember 1867; 15 Knaben, 15 Mädchen — 30 Kinder, 
Zugang im Jahre 1868: 1024 - 888 - — 1912 - 
Summa 1039 Knaben, 903 Mädchen — 1949 Kinder. 
Abgang im Jahre 1868: 1033 - 890 - — 1923 
Bestand ult. Dezember 1868: 6 Knaben, 13 'Mädchen — 19 Kinder. 
Von den 1912 dem Depot im Jahre 1668 zugeführten Kindern sind: 
а. neu aufgenommen, d. i. zum 1. Male .... 893 Kinder, 
б. wieder aufgenommen zum 2. - .... 177 - 
o. - < - 3. - .... 36 - 
d. - - 4. - .... 20 
- - - 5. - .... 5 - 
k. - - - 7. - .... 1 - 
g- - - 9- = .... 2 
h. vorher aus der Pflege entlaufen ...... 2 
i. aus Krankenhäusern zurück 44 - 
k. aus der Klinik des vr. Gräfe 1 > 
l. von Rummelsburg 12 • 
m. aus hiesiger Kostpflege 559 
n. aus auswärtiger Kostpflege . 160 - 
Summa 1912 Kinder. 
Von den 1923 aus dem Depot geschiedenen Kindern sind: 
a. den Eltern zurückgegeben 234 Kinder, 
b. in unentgeltliche Pflege gekommen 33 
c. . verstorben 4 - 
d. nach Krankenhäusern gebracht 72 
e. fremden Communen übergeben 31 - 
f. in Lehre, resp. Dienst gekommen 8 
g. in andere Anstalten gebracht 2 - 
b. nach Rnmmelsburg gekommen 141 - 
i. in die hiesige Kostpflege gegeben 1071 - 
k. in die auswärtige Kostpflege gebracht . . . . 327 
Summa 1923 Kinder. 
Die höchste Zahl der im Depot an einem Tage verpflegten Kinder 
betrug am 7. März 49 Kinder, 
die geringste vom 23. bis 26. Oktober ........ 3 
Durchschnittlich wurden täglich verpflegt: 
im Jahre 1867 15 Kinder, 
im Jahre 1868 22 
mithin 1868 mehr .... 7 Kinder. 
Aufgenommen sind: 
im Jahre 1867 1898 Kinder, 
- - 1868 1912 - 
also 1868 mehr .... 14 Kinder. 
2. Grund der Aufnahme. 
Neu, resp. wieder aufgenommen wurden 
in das Depot 1181 
und UN- 
mittelbar m die Kostpflege 283 Kinder, in Summa 1464 Kinder. 
Von diesen kamen in die Waisenpflege: 
Knaben. 
Mädchen. 
Kinder. 
a. durch den Tod der Eltern 
167 
171 
338 
b. wegen Erkrankung derselben 
226 
194 
420 
e. wegen Verhasiung derselben 
109 
81 
190 
d. wegen heimlicher Entfernung 
derselben 
158 
146 
304 
Latus 
660 
592 
1252 
Knaben. 
Mädchen. 
Kinder. 
Transport 
660 
592 
1252 
e wegen Armuth und Er- 
ziehungs - Unfähigkeit der- 
selben 
26 
23 
49 
f. weil die Eltern im Dienst 
6 
4 
10 
g. weil die Eltern exmittirt . 
27 
15 
42 
h, weil die Eltern ausgcwan- 
dert 
30 
17 
47 
i. aus Krankenhäusern . . 
26 
25 
51 
k. aus anderen Anstalten 
4 
2 
6 
I. Findlinge 
4 
3 
7 
Summa 
783 
681 
1464 
Außerdem kamen in das Depot: 
Knaben. 
Mädchen. 
Kinder. 
a. aus hiesiger Kostpflege . . 
265 
294 
559 
6. aus auswärtiger Kostpflege 
110 
50 
160 
e. aus Rummelsbnrg . . . 
8 
4 
12 
Summa 
383 
348 
731 
Die aus der Kostpflege und der Waisen-Erziehungs-Anstalt zu Rum- 
melsbnrg in das Depot gekommenen Kinder mußten entweder ihren An. 
gehörigen zurückgegeben oder aus besonderen Gründen anderweitig unter 
gebracht werden. 
Von den oben aufgeführten 1464 Kindern kamen: 
je 1 Kind aus 736 
- 2 Kinder - 166 
- 3 - - 75 
- 4 - - 33 
- 5 - - 4 
- 6 - - 2 
- 7 - - 1 
Familien — 736 Kinder, 
- — 332 - 
- — 225 - 
- — 132 - 
- — 20 - 
- — 12 - 
- — 7 - 
Summa 1017 Familien — 1464 Kinder. 
Vorstehende Zahlen über den Zu- und Abgang der Kinder sind schnell 
geschrieben und werden ebenso schnell gelesen werden. Aber welche Noth 
und welches Elend der Bewohner unserer Stadt repräsentiren sie nicht! 
Den meisten der, in das Waisenhaus aufgenommenen Kinder ist auf 
dem Gesichte der Stempel der Verwahrlosung in nur zu deutlicher Weise 
ausgeprägt. 
In vielen Fällen sind die Eltern selbst Schuld daran. 
Es giebt eine nicht unbedeutende Zahl von Vätern und Müttern, die 
ihre Kinder Tag für Tag betteln schicken und sich auf diese Weise von ihnen 
ernähren lassen. Bringen die Kinder am Abend nicht die gewünschte Summe 
nach Hause, so werden sie lieblos behandelt. Daß eine solche Thätigkeit die 
Kinder sittlich zu Grunde richtet, und aus diesen kleinen Bettlern gewöhn 
lich große Diebe werden, liegt aus der Hand. 
Im Mai v. I. mußten 2 Mädchen im Alter von 11 und 13 Jahren 
in das Waisenhaus aufgenommen werden, da deren Mutter, eine arbeits 
scheue Person, sie betteln schickte und zu allerlei Schlechtigkeiten anhielt. 
Von den 5 Geschwistern der Kinder war der älteste Bruder, ein junger 
Mensch von 24 Jahren, schwachsinnig. Er wohnte bei der Mutter und 
nährte sich, wie diese, vom Betteln. Der zweite Bruder, 22 Jahre alt, 
stand als Soldat in Spandau. Er hatte einem Kameraden einen Rock ent 
wendet und war deshalb zur Zeit Militair- Sträfling. Zwei Schwestern, 
im Alter von 17 und 20 Jahren, beide pwstituirte Dirnen, lagen krank in 
der neuen Charit«. Der jüngste, noch nicht confirmirte, 15 jährige Bruder 
hielt sich bei der Mutter auf und lebte gleichfalls vom Beiteln. Was mögen 
die Kinder in dieser Gesellschaft nicht für schamlose Reden gehört und 
für schändliche Dinge gesehen haben! Leider steht dies Beispiel nicht ver 
einzelt da. —
	        
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