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Volume No. XVIII. Bericht der Forst- und Oekonomie-Deputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1868 (Public Domain)

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des 
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ericht 
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1868. 
JS XVIII. 
Bericht 
der 
Forst- und Ockonomie-Deputation. 
Die unterzeichnete Deputation ist auch im vorigen Jahre bemüht ge 
wesen, im Bereiche ihres Refforts das städtische Interesse nach Kräften 
wahrzunehmen. 
Die progressive Entwickelung des Verkehrs berücksichtigend, war sie 
von dem Bestreben geleitet, eine den zeitigen Verhältnissen entsprechende 
höhere Verwerthung des städtischen Grundbesitzes, soweit derselbe ihrer Ad 
ministration unterliegt, herbeizuführen und dadurch theils neue, theils er 
höhte Einnahmequellen zu öffnen; sie war bemüht, die Pstichten und Rechte 
der Commune als Obrigkeit und Patron in den, im rapiden Wachsthum 
begriffenen 5 ländlichen Ortschaften im Sinne der Gesetze, wie nicht minder 
in der, dem Communal-Jntcressc ersprießlichsten Weise zu erfüllen und 
auszuüben, und alle ihr sonst noch ressortlich übertragenen Angelegenheiten 
zum Wohle der Bewohnerschaft zu fördern und zu erledigen. 
Die Deputation darf mit Befriedigung aus die im verflossenen Jahre 
nach allen Richtungen hin erzielten günstigen Resultate zurückblicken. 
Veränderungen im Collegia der Deputation sind im vorigen Jahre 
nicht vorgekommen, dagegen ist derselben, für alle ihre obliegenden bauli 
chen Angelegenheiten der Herr Bau-Jnspector Seeck, als technisches Or 
gan, überwiesen worden. 
Speciell findet sich über die hauptsächlichsten Resultate der Verwal 
tung und sonstige im Laufe des Jahres 1868 eingetretenen Momente von 
allgemeinem und finanziellem Interesse, Folgendes zu bemerken: 
I. Ortsobrigkeitliche und Patronats-Angelegenheiten in 
den 5 Ortschaften Dt. Rixdorf, Treptow, Reinickendorf, 
Stralau und Boxhagen—Rummelsburg. 
Die Zahl der Bewohner in diesen Ortschaften, die nach der Zählung 
vom 3. Dezember 1867, 7661 betrug, ist unverkennbar im Wachsen be 
griffen, besonders in den Ortschaften Rixdorf, Reinickendorf und Boxhagen— 
Rummelsburg. Bemerkbar war die Zunahme der Bevölkerung an dem 
Umfang der ortspolizeilichen Geschäfte der überhaupt mit jedem Jahre, 
in den ebengenannten Ortschaften, in denen vorwiegend und massenhaft, 
namentlich in Folge der eingetretenen Freizügigkeit und der stetig fort 
schreitenden Ausdehnung der Stadt, sich Arbeiter-Familien ansiedeln, fast mit 
jedem neuen Semester, an Ausdehnung gewinnt. Außergewöhnlicher 
polizeilicher Maßregeln hat es im vorigen Jahre nicht bedurft, dagegen 
war die Zahl der Bestrafungen wegen geringerer Contraventionen, deni 
Anwuchs der Bevölkerung entsprechend, eine größere als in den ftüheren 
Jahren. 
Unter der großen Zahl von Projecten über Bauten, und gewerbliche 
Anlagen, die zur diesseitigen Approbation eingereicht wurden, gab das Pro- 
ject der Herren Thiele und Seegers, zur Anlage einer Färberei bei 
Rummelsburg zu lebhaftem Schriftwechsel mit den vorgesetzten Behörden 
und sogar zu energischer Beschwerde unsererseits bei dem Herrn Handels 
minister Veranlassung. Den Unternehmern war von der Königlichen Regie 
rung die Anlage einer Spülbank in der Spree, am Eingang des Rum 
melsburger See's genehmigt worden. Aus gesundheitspolizeilichen Rücksichten 
wurde gegen diese Erlaubniß diesseits protestirt und durch Beschwerde an 
den Herrn Handelsminister die Rücknahme derselben erwirkt. Wenngleich 
durch Rescript der Herren Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche 
Arbeiten und der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, 
aus besonderen Gründen, jedoch unter sichernden Bedingungen, die Anlage 
der Spülbank späterhin widerruflich dennoch gestattet worden, so haben die 
Berichts-Bellage 7. zu Nr. 29. des Comm..Bl. 
diesseitigen Vorstellungen doch wenigstens den für das Gemeinwohl nicht 
hoch genug zu veranschlagenden Erfolg gehabt, daß durch Rescript der 
genannten Herren Munster vom 30. Juni 1868, die Königliche Regierung 
angewiesen worden ist: 
künftighin über alle Anträge, die darauf gerichtet sind, das 
Wasser in der Oberspree in der Rühe der zur Speisung der 
Wasserwerke dienenden Schöpfstellen für gewerbliche Zwecke zu 
benutzen, vor ihrer Entscheidung, mit dem Magistrate und dem 
Königlichen Polizei -Präfidio in Verbindung zu treten und über 
etwaige Meinungs-Verschiedenheiten die Bestimmung deS Herrn 
Handelsministers einzuholen. 
In Schul - Angelegenheiten gelang es nach längeren Verhandlungen 
mit den Gemeinden zu Rixdorf und Reinickendorf, die höheren Orts ange 
ordnete Verbesserung aller Lehrergehälter zur Durchführung zu bringen. 
Die rapide Zunahme der Bevölkerung in Rixdorf, das nach der letz 
ten Zählung 4749 Bewohner hatte, bedingt die Erweiterung der dortigen 
Schule durch Einrichtung der 9. Klasse und Anstellung des 9. Lehrers, 
womit nothwendig noch in diesem Jahre vorgegangen werden muß. 
Lebhafte Verhandlungen entwickelten sich über den Wiederaufbau des 
im August v. I. abgebrannten Schulhanses zu Boxhagen. Unzweifelhaft 
ist dazu, die durch Rescript des Königlichen Provinzial-Schul-Collegii cks 
1853 konstituirte Schulgemeinde Boxhagen—Rummclsburg—Stralau ver 
pflichtet, die indeß diese durch Gesetz begründete Verpflichtung zu überneh 
men sich weigert. Die Angelegenheit ist, da alle Versuche einer gütlichen 
Vereinigung vergeblich gewesen sind, dein Herrn Landrath des Nieder-Bar- 
nimschen Kreises vorgelegt worden, und steht resolutorische Entscheidung 
über die Banverpflichtung zu erwarten. Die Schule selbst ist zur Zeit in 
einem Privathause zu Boxhagen untergebracht. 
In Patronats-Angelegenheiten sind die Verhandlungen wegen des Kir 
chenbaus in Rixdorf auch im vorigen Jahre noch nicht zum Abschluß ge 
langt. Es handelt sich immer noch um die Beschaffung eines geeigneten 
Bau-Platzes und diese Aufgabe ist um so schwieriger zu lösen, als die be 
schränkten Mittel der Kircheukasse größere Ausgaben zu diesem Zwecke nicht 
gestatten. 
Es steht indeß zu erwarten, daß diese, die Ausfiihrung des Baues 
so sehr verzögernde Angelegenheit, jedenfalls in diesem Jahre zum Austrag 
gebracht werden wird, so daß mit der Aufstellung des Bau-Projects dem 
nächst begonnen werden kann. 
II. Verwaltung der städtischen Chausseen, der befestigten 
und unbefestigten Wege, der Brücken, Dämme, Gräben und 
Bepflanzungen. 
Neu hinzugetreten ist im Laufe pes Jahres 1868 dem Ressort der Depu 
tation die Verwaltung: 
1. des mit Anlagen geschmückten Küstriner Platzes, 
2. des Andreas-Platzes, 
3. verschiedener neu angelegter Baumpflanzungen und sonstigen gärt 
nerischen Anlagen in der Gneisenau-, der Königin - Anausta- 
Straße u. s. w. 
Zu außerordentlichen Wege-, Brücken- und Gebäude-Reparaturen waren 
der Deputation bewilligt pro 1868:
	        
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