gewöhnlichen Oderkähnen und kleineren Elbfahrzeugen den Durchgang | eine nochmalige Prüfung der Angelegenheit durch den Magistrat, und
gestatten. Die fortschreitende Verbesserung der Schiffbarkeit der Elbe deutet an, daß im Ablehnungsfalle einem neuen, ledigli<h das Staats-
hat eine Vergrößerung der Flußfahrzeuge zur Folge gehabt, wel<ße | interesse berücsichtigenden Projecte näher getreten werden müßte.
leßtere nunmehr bei einer Länge von 65 m eine Breite von 8 m und Es folgt am 29. Juni 1882 eine neue kommissarische Berathung,
einen Tiefgang von 1,26 m erreichen; das sind Abmessungen, für in welcher eine Vervollständigung der Unterlagen des Projectes be-
welche die Beschaffenheit der Unterspree und der Berliner Sc<leusen schlossen wird.
nicht genügen. Am 26. Januar 1885 -- wie man sieht, nach längerer Pause --
Da5 Bedürfniß, diese größeren Fahrzeuge auch bis in die Ober- geht dem Magistrate ein Ministerial-Rescript zu, welches eine kommissarische
spree zu leiten, ist bereits früher anerkannt worden. Verhandlung zum Zwede- der allgemeinen Vorbereitungen zur Project-
Nachdem der für diesen Zwe> geplante Südkanal seiner großen und Anschlag3-Aufstellung vorschlägt; zugleich wird die Erklärung der
Kostspieligkeit wegen, wie bekannt, aufgegeben worden, darf die Kanali- grundsägßlichen Uebereinstimmung des Magistrats mit dem Wiebe'schen
sirung der Unterspree und die Herstellung eines neuen Schiffsweges Projecte verlangt. Die angeregte Conferenz findet am 26. März 1885
in Berlin wohl als das einzig geeignete Mittel zur Abhilfe angesehen statt; die Verhandlungen beziehen sich auf Fluchtlinien am Mühlen-
werden. Ein Theil des hierfür aufgestellten Project3, soweit dasselbe damm, Pferdebahn - Durc<führung, Enteignungs - Befugniß 2c. und
die Verbindung Berlins mit der Havel bis Spandau betrifft, ist s<ließen mit der Vertheilung der AuSarbeitung weniger hierauf be-
einschließlic< der Stauanlage bei Charlottenburg bereits im Wesentlichen züglicher Spezial-Projecte.
zur Ausführung gelangt; der andere Theil, die Herstellung eines neuen Es darf hier, am Ende der Darstellung der stattgehabten Ver-
Schiffsweges in Berlin, kann nur unter Hinzutritt der Stadtgemeinde handlungen, nicht unausgesprochen bleiben, daß von diesen Verhandlungen
Berlin ausgeführt werden. ein positives Resultat um deSwillen nicht erzielt werden konnte, bezw.
Zur Herstellung dieser neuen und besseren Verbindung der Unter- nicht erreicht ist, weil die Stadt Berlin sich damals nicht im Besitze
und Oberspree drängt nicht nur der oben erwähnte Umstand, daß die des Mühlendammes, welcher stets und mit Recht als der Schlüssel zur
Elbe und der Wasserweg von der Elbe na<h Berlin in den Zustand Lösung der fraglichen Angelegenheit bezeichnet worden ist, befand; mit
einer erheblich größeren Leistungsfähigkeit versezt ist, bezw. wird, dem Ankauf des Mühlendammes (d. h. der Grundstücke, Rechte 2c.,
sondern auch ganz besonders die staatlichen Bestrebungen zur Verbesserung welche s. Z. von dem FisSkus an den Kaufmann Geber veräußert
der Wasserstraße nach der Oder hin, und der Oder selbst. worden sind) war erst der Boden gewonnen, auf welchem Verhand-
Während durch den AuSbau der Havelstraße und theilweise lungen über die geplante Spreeregulirung mit dem Staat zu einem
Kanalisirung der Unterspree -- den größten Elb fahrzeugen der Wasser- Abschluß gelangen konnten.
weg nach Berlin geöffaet wird, soll ein Gleiches für die größeren Nachdem am - 31. August 1885 eine Vorlage des „Magistrats,
Oderfahrzeuge durch ein Project erreicht werden, welches unter dem betreffend den Ankauf der sogenannten Dammmühlengrundstücke an die
13. März dieses Jahres dem Landtage Seitens der Königlichen Stadtverordneten - Versammlung gelangt und von der leßteren durch
Staatsregierung vorgelegt worden ist. Dasselbe bezwe>t die Verbesserung Beschluß vom 8. October 1885 genehmigt war, wurden die benannten
der Schifffahrt5verbindung der mittleren Oder und der Oberspree bei Grundstücke am 30. October 1885 an die Stadtgemeinde Berlin auf-
Berlin durch einen unter theilweiser Benußung des Friedrich-Wilhelm- gelassen.
Kanals zu bewirkenden Neubau eines Kanals von Fürstenberg nach Bei diesem Stand der Dinge, gegeben durch den Besitz der
dem Kerödorfer See, durch die Regulirung der Spree von dort bis Dammmühlengrundstüke einerseits und andererseits durch die statt-
unterhalb Fürstenwalde einen Sc<leusen-Neubau bei Fürstenwalde und gehabte theilweise Ausführung des Seitens der Königlichen Staat3-
durc<h einen Kanalbau bis zum Seddin-See. regierung aufgestellten Project8 zur Kanalisirung der Unterspree,
Die Abmessungen der Fahrzeuge, welche auf der Oder verkehren, endli<h durc< die Annahme versprechende Vorlage der Königlichen
sind in Breite und Tiefe die gleichen, wie auf der Elbe, während Staatsregierung, betreffend die Regulirung der Oberspree, trat an
ihre Länge eine geringere ist; dementsprechend sollen die Schleusen- die städtis<e Verwaltung nunmehr die begrenzte und übersehbare
kammern des neuen Kanals auch nur eine Länge von 55 m haben. Frage heran: "
Wenngleich die Genehmigung der staatlicherseits für Ausführung ob und inwieweit dieselbe gewillt ist, sich an der staatlicher-
dieses Projects geforderten 12 600 000 „XZ Seitens der Häuser des seits geplanten Schiffbarmachung des Hauptarmes der Spree
Landtags no< nicht erfolgt ist, so darf doch nach den in der General- bezw. der Spree selbst in Berlin zu betheiligen.
diskussion hierüber verlautbarten Anshauungen und nach den Beschlüssen Für die Entscheidung dieser Frage ist eine Abwägung derjenigen
der zur Prüfung der Vorlage eingesezten Commission angenommen Vortheile, wel<e aus der Ausführung des geplanten Projectes für
werden, daß die Genehmigung und die Bewilligung der Mittel nicht die Stadtgemeinde entspringen, gegenüber den für diesen Zweck von
versagt werden wird. der Stadt etwa zu bewilligenden Kosten maßgebend.
Während dies der gegenwärtige Zustand der staatlicherseits Zur Bemessung der Vortheile ist zunächst eine Darstellung der
geplanten und, wie gesagt, zu einem Theile bereits ausgeführten Spree: Gestaltung, wie sie das Project in's Auge faßt, erforderlich.
bezüglichen Unternehmungen ist, erscheint es nunmehr angezeigt, kurz In dieser Beziehung sei Folgendes bemerkt: Als Unterlage für
zu erwähnen, daß und wie die Frage einer Betheiligung Berlin3 an das Project ist die oben erwähnte Denkschrift des Geheimen Ober-
der Spreeregulirung an die städtischen Behörden früher schon heran- bauraths Wiebe vom Jahre 1881, unter besonderer Berücsichtigung
getreten ist. der städtischen Interessen hinsichtlich der Verbesserung des Landverkehr8,
Die Magistrat3-Acten ergeben, daß bereits unter dem 24. No- angenommen worden.
vember 1880 ein Ministerialrescript einging, welhes darauf hinweist, Hiernach stellt sich das Gesammtproject gegenwärtig, wie folgt, dar:
daß die mit dem Projecte der Schiffbarmachung des Hauptarme3 der Für die Zwecke der Schiffbarmachung sind nac Maßgabe des-
Spree im engen Zusammenhange stehende Erweiterung des Landwehr- Wiebe'schen Projects folgende Bauausführungen erforderlich:
fanals von der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses aus dem 1 Die Festsezung einer bestimmten Normalbreite durch ent-
Grunde abgelehnt worden sei, weil eine stärkere Heranziehung der spreßenden Um- bezw. Neubau der beiderseitigen Uferein--
Stadtgemeinde Berlin vermißt wurde. Zugleich wird in dem Rescripte fassungen. |
bezüglich des Projects der Schiffbarmachung der Spree auf die hier Die Tieferlegung (Regulirung) der Spreesohle von den.
beigefügte Wiebe'sche Denkschrift, betreffend die Regulierung der Dammmühlen bis zur Weichbildgrenze, derart, daß den
Spree 2c. =- efr. Anlage 1, verwiesen. In seinem Berichte vom Schiffen beim kleinsten Wasserstande eine Fahrtiefe von
20. December 1880 an den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten 2c. mindestens 1,5 m gewährt wird.
erklärt sich der Magistrat eventl. bereit, eine Beihülfe zur Spreeregulirung Der Umbau des Staues der Berliner Dammmühlen (Schiff8-
zu gewähren; er will jedoch erst dieses Project genauer kennen lernenz Scleuse und Nadelwehr), um einerseits die Hochwasser-Ab--
eine Betheiligung an der Erweiterung des Landwehrkanals wird unter führung aus der Oberspree zu verbessern, und andererseits,
Hinweis auf den ausschließlich staatlichen Charakter des Unternehmens um hier eine neue Schifffahrtsstraße herzustellen.
abgelehnt. Erreicht wird durch diese Bauten neben der Schiffbar-
Am 29. September 1881 sendet der Herr Minister der öffent- machung der Spree: .
lichen Arbeiten eine Anzahl von Exemplaren der Wiebe'schen a) Die thunlichste Erhaltung eines Normal- Wasserstandes,
Denkschrift, betreffend die Kanalisirung der Unterspree, mit dem Erx- und zwar eines solchen auf .
suchen, von dem Inhalte Kenntniß zu nehmen und den Beschluß der I- 32,28 N. N. am Oberwasser der Dammmühlen,
städtisc<en Körperschaften darüber herbeizuführen, ob dieselben geneigt + 30,37 - = = Unterwasser - -
seien, durc< eine angemessene Betheiligung der Stadt an den Kosten + 30.08 - - - Oberwasser der Charlottenburger
des Unternehmens dessen Ausführung zu ermöglichen. Schleuse.
Ein hierauf gefaßter Magistrat3 - Beschluß vom 6. Januar 1882 vb) Die Vermeidung besonders niedriger Wasserstände in der
drückt zwar die Geneigtheit einer finanziellen Betheiligzung der Stadt- Spree dur< die Wehre am Mühlendamm und bei
gemeinde an den Kosten des Unternehmens aus, wünscht jedoch eine Charlottenburg.
weitere Klarlegung des Projectes in Bezug auf den Mühlendamm und Die Vermeidung besonderer Hochwasserstände; re<hnung3-
die event. sonst umzubauenden Spreebrücen. | mäßig wird 'der Hochwasserstand der Spree in der Folge
Das dem Magistrat am 10. März 1882 zugegangene ministerielle am Oberbaimm .. . uu dag im,
Rescript bezeichnet die .vom Magistrat gestellte Forderung einer Ver- - Oberwasser der Dammmühlen um . 1,64 -
vollständigung der Unterlagen des Projects als unannehmbar, wünscht - Unterwasser - - 09 -
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