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von nur zu zärtlichem Gemüt, für das wir alle immer wenig
Mitgefühl, aber desto mehr ziemlich grausamen Spott übrig—
gehabt hatten) sei das Opfer dieser Sündhaftigkeit geworden.
Aber er werde das Vergehen binnen kurzem sühnen. Alle
Schritte seien bereits getan. In nächster Zeit werde er das
Mädchen zum Altar führen. — Diese Nachricht wirkte tief
schmerzlich auf mich. Deutlich stand mir in demselben Moment
das ganze, unabwendbare Elend, die Verkümmerung dieses
Künstlerlebens vor dem inneren Blick, das so vielverheißend
begonnen hatte. Otto — verheiratet mit Fräulein S. und
zugleich verstrickt in jene geistigen Bande, die seine frische
Kraft noch stärker zu hemmen, noch sicherer zu zermürben
drohten als selbst eine solche Ehe! Ich mußte weinen, wie
um einen Verlorenen.
Auch Gregorowius sprach sich in seinem Brief in ähn—
lichem Sinne über das Schicksal und Beginnen des gemein⸗—
samen Freundes aus. Dann aber folgte eine Nachricht, die
mich noch ganz besonders packte und mehr erschütterte als
diese. Skepsgardt, so schrieb er, ist wahnsinnig geworden und
nach der neuen Charitee gebracht! ...
Ein paar Monate später — ich verweilte immer noch
in Danzig — bekam ich eines Tages eine Nummer der „Augs⸗
burger Zeitung“ zur Hand. Mein erster Blick fällt auf eine
Korrespondenz aus Berlin, und ich lese ungefähr folgendes:
Ein jüngerer dortiger Schriftsteller, welcher durch seine,
wenn auch etwas krankhaften und phantastischen Dichtungen
die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, wurde vor mehreren
Monaten vom Wahnsinn befallen und in die Charitee auf⸗
genommen. Als er neulich, anscheinend bereits völlig wieder⸗
hergestellt, unbeaufsichtigt in seiner Zelle gelassen war, hat er,
wahrscheinlich in einem neuen Anfall der geistigen Verstörung,
Hand an sich gelegt und sich mit dem Handtuch am Fenster⸗
riegel aufgeknüpft ...
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Also hatte ich doch recht behalten. Nicht „die Welt war
verrückt gewesen“.
Als ich nach zehnmonatlicher Abwesenheit nach Berlin
zurückkehrte, konnte ich nicht einmal in Erfahrung bringen,
wohin die Schwester und wohin der ganze literarische Nach—
laß gekommen seien. Vor etwa zwei Jahren las ich in einer
Berliner Zeitungsbeilage die Anzeige des Todes eines Fräu—
leins O. v. Skepsgardt.
Der lange Gregorowius und der Zwerg OÖrtel sind traurig
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mancher Jahre ein armseliges, kümmerliches Leben an der Seite
einer ihm fest anhängenden, beschränkten, fleißigen, keifenden,
wenn auch gutmütigen Frau, die mit Waschen und Plätten
ihre durch die Arbeit, das Musikunterrichtgeben und Kom—
ponieren des Hausvaters allein nicht wohl zu erhaltende
Familie ernähren half. Er wurde nie ein kirchengläubiger,
orthodoxer Frommer, sondern zeigte sich immer nur von einer
freudigen und demütigen Gottergebenheit erfüllt, die ihn ein
sehr bescheidenes, oft hartes, schweres Los mit einer gewissen
stillen Heiterkeit ertragen ließ. Er hat auch manches kom—
poniert. Aber wie in seinem Leben war auch in seinem Kunst⸗
schaffen „der stolze, königliche Wuchs des ersten Schusses“
für immer dahin. Später soll Otto sich wieder nach Polen
gewendet haben. Für uns ist er dort völlig verschollen.
Unser Naturforscher soll, wozu er immer schon eine ent—
schiedene Anlage zeigte, das Schicksal Skepsgardts wenigstens
insoweit geteilt haben, als er von einer schweren, nicht
wieder geheilten Gehirnkrankheit ergriffen wurde oder — in
der gemein gebräuchlichen Sprache zu reden — seinen Ver—
stand verlor.
Nur wir drei, der blonde Philologe, Dr. Schmidt, der
später eine Professur für neue Sprachen an einem berühmten
staatlichen Erziehungs- und Bildungsinstitut in der Nähe