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Kostenanschlag machen, der sich auf ungefähr 6 Millionen Mark
beläuft. Dann wird die Stadtverordnetenversammlung sehen, wie sie
das billiger machen kann, und sie wird auf den Gedanken zurück
kommen, den die Minderheit im Ausschuß vertreten hat, und dem auch
der Magistrat zugestimmt hat, nämlich eine Erweiterung des jetzigen
Hospitals vorzunehmen. Herr Kollege Schulz hat seine Klagen dar
auf gerichtet, daß das Hospital ans der Pallisadenstraße überhaupt
verschwinden müsse, indem man meinte, daß dadurch die Gegend
unterbunden werbe. Ich muß wirklich gestehen, daß ich mir nicht
denken kann, daß, wenn das Hospital verschwindet, dann ein lebhafter
Verkehr durch die Pallisadenstraße fluthen ivürde. Ich glaube, die
alten Frauen in dem Hospital halten sich in der Regel auf der
Rückseite des Gebäudes auf und sehen nicht zum Fenster hinaus,
schon deshalb nicht, weil dort die Korridore liegen. Ich glaube also
nicht, daß jemand sich dadurch abschrecken läßt, dorthin zu gehen, iveil
die Insassen des Hospitals an den Fenstern sind.
Was das Gebäude selbst anlangt, so hat Herr Kollege Schulz
zugegeben, daß es noch in baulichen Würden ist. Das Haus ist
jünger als ich selbst, es steht selbst zirka 50 Jahre und ist seiner Zeit
als ein Musterbau hergestellt worden nach einem Preisausschreiben.
Nach meinen Erfahrungen — ich bin Jahre lang Hauskurator
gewesen — ist es mit Ausnahme des Putzes tu seinen Mauern vor
züglich gebaut.
Meine Herren, was nun den Verkauf des Hospitalgrundstückes
betrifft, so hat Herr Kollege Schulz gesagt, daß er viele Leute im
Osten kenne, die 250 M für das Quadratmeter bezahlen würden.
Das freut mich sehr; denn dadurch käme der Magistrat aus einer
sehr dringenden Lage heraus. Wenn Sie das Kommunalblatt fleißig
stndiren — und das ist ja der Fall — so werden Sie sehen, daß
der Magistrat schon seit Monaten und, ich glaube, noch länger ein
Grundstück in der Pallisadenstraße ansbietet, und ich habe gehört,
daß sich überhaupt kein Käufer findet, daß niemand fragt: ivas kostet
es? Es würde also sehr angenehm sein, wenn Herr Schulz die
Adressen der Leute, die das Grundstück kaufen wollen, dem betreffenden
Dezernenten einreichen wollte. Meine Herren, wenn das Hospital
dort abgerissen wird, was wird an die Stelle kommen? Mieths
kasernen! Halten Sie das für etwas so Schönes gegenüber dem
jetzigen Zustande? Gegenwärtig haben Sie dort einen großen,
schönen Garten, der sich sehr Vortheilhast präsentirt. Nmt mag ja
Mancher die Miethskasernen schöner finden; ich finde einen Garten
mitten in dem Häusermeer des Ostens entschieden schöner. Daß er
den Insassen des Hospitals nichts schadet, geht doch daraus hervor,
daß Sie die Vorlage haben, wonach die alten Leute nicht sterben; es
ist also der Beweis dadurch gegeben, daß die Luft dort sehr gut ist.
Wir haben immer einige Personen darin, die über 70 Jahre ait sind.
Also nach dieser Richtung hin liegt absolut kein Grund vor, das
Hospital zu verlegen.
Wenn ans die Große Frankfurterstraße hingewiesen wird, die sich
heute sehr stark entwickelt hat, so könnte man ja auch auf die Linden
hinweisen; denn es ist bekannt, daß die Häuser an der Südseite der
Linden werthvoller sind als die an der Nordseite, daß jedenfalls der
Verkehr auf der Südseite bedeutender ist. Von der Frankfurterstraße
ist es ja klar, daß es dort auch so sein muß; bettn die Verlängerung
der eigentlichen alten Frankfurterstraße ist nicht auf der Nordseite,
sondern der Verkebr geht ans ganz natürlichen Gründen nach dem
Süden. Wenn also schon im Norden der Frankfurterstraße das
Terrain so viel billiger ist als im Süden, wie ist es dann in der
Pallisadenstraße? Man hat nun gesagt: das Hans des Hospital
grundstückes hat nur einen Durchgang nach der Großen Frankfurter-
straße. nach der Nordseite, und ein Theil dieses Durchganges gehört
der Schulverwaltung, und wir müssen ihn herausgeben, wir sind
angewiesen auf das Nikolausbürgerhospital und auf andere
Stiftungen. Das Nikolausbürgerhospital steht nicht mit dem
Friedrich Wilhelmshospital in Verbindung. Dieses ist ein Armen-
institut, die anderen Gebäude sind Wohlthätigkeitsanstalten. Wenn
das Nikolausbürgerhospital verkauft wird, so wird dafür an einer
anderen Stelle ein größeres Gebäude errichtet. Das hat aber mit
diesem Grundstück in der Pallisadenstraße gar nichts zu thun, und
wir haben darauf gar keinen Einfluß. Das kamt uns also nicht
bestimmen, einett Antrag anzunehmen, dieses Grundstück zu verkaufen.
Meine Herren, die ganze Erregung ist hervorgerufen worden
dadurch, das; der Magistrat vorschlägt, einen Erweiterungsbau vor
zunehmen. Da muß ich nun gestehen, das; das für einige Besitzer in
der Lebnserstraße, deren Hättserrückseiien an das Hospital grenzen,
unangenehm sein mag. Aber weint wir für 250 M verkaufen, daun
werden doch wahrscheinlich größere Mauern aufgeführt, und iver kann
dann die Eigenthümer hindern, auch die Höfe mit großen Mauern
einzuschließen? Unsere Bauverwaltung hat aber darauf Rücksicht
genommen; die Höfe in der Lebuserstraße sind nicht für uns aus
gespart, so daß das also wegfällt.
Die Hauptsache aber, meine Herren, bleibt doch natürlich der
Kostenpunkt und die Frage der Verwaltung. Wenn hier von 1 Million
die Rede ist, so ist das nicht richtig. Denn das hat auch der Herr
Referent zugegeben, daß wir das Grundstück in der Pallisadenstraße
nicht aufgeben können. Daraus ergiebt sich aber die absolute Noth
wendigkeit, dort einen Bau für das Wirthschaftsgebäude vorzunehmen.
Das Wirthschaftsgebäude ist schlecht, es leidet sehr an Schwamm.
Die Dampfröhren, die später dort eingeführt worden sind, gehen unter
den Balken durch. Das jetzige Gebäude reicht für die Bedürfnisse
nicht ans, es ist nur eine Scheune. Der Kostenanschlag, der vorliegt,
ist mit ungefähr 400 000 M veranschlagt, sogar noch mit etwas mehr,
sodaß der eigentliche Flügel des Hospitals nur 500 000 M kostet. Ich
glaube, daß wir ans diese Weise implicite dazu kommen, den Gedanken,
der angeregt ist, zu beseitigen, das Gebäude nach Buch zu verlegen
oder gar nach Osdorf. Matt hat dann von dem Pavillonsystem
gesprochen. Das würde die Verwaltung bei einem Hospital sehr
erschweren und wäre auch außerordentlich schwer. Ich habe alle
Jahre das Vergnügen, die Sache im Etat zu sehen, und danach stellt
sich der Unterschied zwischen dem Hospital in der Fröbelstraße und
dem in der Pallisadenstraße recht hoch. Wir können uns das nur
damit erklären, daß wir dort nicht das Pavillonsystem, sondern das
konzentrirte System haben.
Meine Herren, ich finde in manchen Ausführungen eine gewisse
Uebertreibung. Ich kann nicht sagen, daß das Hospital den Wohl
stand einer ganzen Stadtgegend so untergraben kann, und möchte Sie
deshalb bitten, den Ausschußantrag abzulehnen und den Magistrats
antrag anzunehmen. Ick) bin auch nicht dafür, die Sache wegen des
Kostenattschlages nochmals an den Ausschuß zurückzuverweisen. Wir
haben so oft schon versucht, etwas davon herunterzuhandeln; erreicht
haben wir nie etwas, weil man eben die Verhältnisse nicht voraus
sehen kann. Ich glaube, Sie dienen mit der Annahme des Magistrats
antrages den Interessen der Anstalt und vor Allem den Interessen
der Stadt.
(Bravo!)
Stadtverordneter Perls: Die Mehrheit des Ausschusses, die
Ihnen empfiehlt, die Magistratsvorlage abzulehnen, hat nicht die
von Herrit Kollegen Dr. Gerstenberg soeben ausgesprochene Meinung
gehabt, als ob wir durch die Verhinderung des Erweiterungsbaues
gewissermaßen den Wohlstand einer ganzen Gegend begründen
könnten. Davon ist keine Rede. Wir meinen aber, daß, wenn wir
die bescheidene Forderung aufstellen, zunächst einmal die Erweiterung
nicht vorzunehmen und im Uebrigeu Alles beim Alten zu lassen, wir
dann in keiner Weise etwas Anderes thun, als was auch in anderen
Stadtgegenden in dieser Beziehung längst geschehen ist. Wenn Herr
Dr. Gerstenberg von den Rücksichten auf die Interessen des Ostens
sprach, so wollen wir das Interesse doch einmal dadurch bethätigen,
daß wir einem Theil des Ostens Stifte und Licht und Leben schaffen
und ihn davor schützen, daß ihm Lust und Licht und Leben geraubt
wird.
(Sehr richtig!)
Wenn Herr Kollege Dr. Gerstenberg sagt, daß durch die Pallisaden
straße der Verkehr nicht alsbald flnthen werde, so wollen wir auch
nicht so weit gehen, eine so frappante Wirkung anzunehmen. Aber
wir können wohl so weit gehen, zu sagen, daß die todte Straße dort
einigermaßen belebt werden würde. Wir brauchen uns auch nicht
vor den Miethskasernen, die dort entstehen würden, zu fürchten.
Jedenfalls brauchen wir ästhetische Gründe nicht allein maßgebend
sein zu lassen, sondern es mutz eben für jenen Stadttheil etwas mehr
Leben geschaffen werden, um seine wirthschaftliche Entwickelungs-
fähigkeit zu erhöhen. Aber auch wenn wir dort Miethskasernen
schaffen, so schaffen wir zugleich Erwerbsgelegenheit in jener Gegend
für Gewerbetreibende und für Kaufleute.
Wenn Herr Kollege Dr. Gerstenberg so großes Gewicht darauf
gelegt hat, daß die alten Damen dort sich wohl fühlen, daß es ihnen
gut geht, daß sie 90 Jahre alt werden, so haben wir die Erwartung,
daß es ihnen ebenso gut gehen wird, wenn sie nach Buch übersiedeln.
Wir würden aber dadurch unserer werkthätigeu Bevölkerung des
Ostens zugleich eine größere Entwickelung sichern und ihr die
Möglichkeit geben, ihren Gewerben erfolgreicher nachzugehen. Des
halb bitten wir Sie, dem Ausschußautrage zuzustimmen und nichts
zu thun, wodurch der in diesem Theile besonders vernachlässigte Osten
noch einen weiteren Nachtheil erfährt.
(Bravo!)
Stadtverordneter Singer: Meine Herren, ich glaube, das
ist eine Frage, die weniger nach den Interessen der einzelnen Stadt-
theile entschieden werden muß als nach dem Interesse derjenigen
Personen, um die es sich in der Vorlage handelt. Wir haben in der
bisherigen Diskussion viel von den einzelnen Stadlgegeuden gehört;
wir haben gehört, daß die Interessen des Ostens es unweigerlich ver
langen, daß die Anstalt von dort wegkommt. Ich habe in der bis
herigen Diskussion die Gründe vermißt, die meine Freunde und mich
bestimmen, für den Ausschußantrag zu stimmen, und deshalb will ich
mir erlauben, das kurz nachzuholen.
Uns ist die Gegend, um die es sich hierbei handelt — ich will
nicht sagen gleichgiltig, denn wir haben für alle Stadttheile dasselbe
Interesse; aber das lokale Interesse des einzelnen Stadttheils
kann uns nicht bestimmen als alleiniges Motiv, um danach unsere
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