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Band H. I/II

Volltext: Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Ausgabe II.1852 (Public Domain)

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ZEITSCHRIFT FÜR BAUWESEN. 
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stehen geblieben sind, aufzuführen, auch die allen Fen 
ster zu vermauern, was im mittelalterlichen Verbände und 
mit dem alten Mauerwerk übereinstimmend geschah. 
Das neue Maucrwcrk beginnt mit den Fenstern, und ist, 
ebenso wie das Ganze der Thürmc, der Ällamische und 
Vorhalle aus Ziegeln der jetzt üblichen 10 zölligen Form, 
im Aeufsern aus der Hermsdorfer Ziegelei; gefertigt. Zu 
den Wandungen der Thüren und Fenster wurden Form 
steine verwendet Es war Absicht, dafs die mit a und c 
bezeichnten eine helle, von dem übrigen Mauerwerk 
abstechende Farbe haben möchten, um hierdurch der 
äufsern gegliederten Einfassung der Fensteröffnung das 
Ansehn eines Rahmens zu geben. Aus diesem Grunde 
konnten diese Formziegel nicht in Verband gesetzt, son 
dern mufsten mit vertikalen Fugen gegen das andere 
Mauerwerk angeblendet werden. Dagegen ist mit den 
Steinen b und d der Verband beobachtet Die Anwen 
dung von Formziegeln irn lothrechten Verband ist nicht 
ohne Schwierigkeit; wenigstens mufs bei der Zeichnung 
der Gliederung darauf gesehen -werden, dafs sie sich 
deckt, mag der Stein als Strecker oder als Läufer liegen. 
Hier ist diefs befolgt, und mufs man die Zeichnung so 
verstehen, dafs die Darstellung des Verbandes, wie sie 
auf der rechten Seite der Fensteröffnungen gegeben ist, 
zu derjenigen Ziegelschicht gehört, welche über der 
linkseiiigen liegt Man erhält alsdann einen vollständigen 
Wechsel der Fugen, ohne zweierlei Formsteine zu be 
dürfen. An den Miilelpfeilern der Fenster, die wegen 
der geringen Stärke in Gement gemauert wurden, ent 
stand auf der innern Seite der Verband durch die ab 
wechselnd schräge Lage der Ziegel. Man erreicht den 
Verband lolhrecht über einander liegender Formsteine 
zur Einfassung von Oeffnungen nur dann vollkommen, 
wenn auf der flachen Seite des Steins die diagonale Ver 
bindungs-Linie der Verzierung in einem halben rechten 
Winkel zu den Kanten des Steines triSL Gewöhnlich 
überragt auch die Verzierung die gewöhnliche Stein- 
gröfse nicht, 
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Die beistchende Zeichnung sei 
die flache Seite eines Ziegels, 
und aus dessen einer Ecke b 
eine Diagonale hb’ im halben 
rechten Winkel, ferner cd, dd! 
mit dieser parallel gezogen, so 
liegt die Verzierung, welche 
beliebige Form sie auch 
habe, innerhalb der Flächcn- 
Abschnitte ahb\ oder aed 
oder adä* Die Formsteine 
sind nicht gröfser als die 
übrigen Ziegel, sowie über 
haupt grofse Formsteine sich 
leicht krumm ziehen und dann ungleiche Fugen geben. 
Wie der Verband mit dergleichen Steinen herzusteilen, 
giebt die zweite Zeichnung an, worin die punktirten 
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Linien die Fugen der einen, die vollen Linien die Fugen 
der andern Schicht sind. Die Dreiquartiero werden aus 
den Formsteinen durch Verhau gebildet. Auch im Mit 
telalter war man ziemlich streng in dieser Beziehung, 
und findet deshalb in der Regel die Spolirtmgen der 
Thür- und Fenster-Gewände im 45ten Grad gegen die 
Fronten geneigt An den 2 Eingangsihüren der Stadt 
kirche in Marienburg sicht man folgende zwei Motive, 
welche nach Ausweis der da 
rin angegebenen Fugeniinicn 
einen vollkommen richtigen 
Verband gewähren, jeder 
Formstein aber gleichzeitig 
zum Läufer und Strecker ge 
braucht werden konnte. 
Die Hauplgesimse der Thürine, der Kirche und der 
Vorhalle werden ohne weitere Gliederungen lediglich 
durch die Formziegel e, f und g gebildet. Die Gurtgo- 
simse des Thumtes und das Hauptgesims der Vorhalle 
ist aus graden Steinen ohne künstliche Verzierungen zu 
sammengesetzt Zur Abdeckung der Fenster-Anschläge 
und Strebepfeiler dienen die Wassernasen g, welche 
oberhalb mit einem Ansatz versehen sind, um die Deck 
steine festzuhalten. Die Verlegung der Letztem geschah 
in Gement. 
Nicht ganz ohne Schwierigkeit war, den Unterbau 
des Baldachins am westlichen Giebel herzustellen. Die 
Stärke dieses Giebels im Dache ist nur 2 Stein oder 
21 Zoll, die Tiefe des Baldachins aber im Grundrisse 
3 Fufe. Nach innen konnte eine Verstärkung nicht vor 
genommen, sie mufste nach aufsen durch Ueberkragung 
geschaffen werden. Es geschah mit den gewöhnlichen 
Blendsteinen in Gement, indem unten mit einem einzel 
nen Stein begonnen und jede folgende Schicht nach al 
len Seiten um etwa 3| Zoll vorgezogen wurde. Im In 
nern der Auskragung jedoch ward eine pyramidale Ver 
ankerung von eisernen | zölligen Stäben, wie sie die Zeich 
nung angiebt, angebracht, und über die obere Fläche 
ward eine 6 Zoll hoho Granitplatte, die zugleich dem 
Baldachin zum Sockel dient, dergestalt gelegt, dafs sie 
hinterwärts um einige Zoll über dem Mauerloth vorsteht, 
aufserdem durch 4 Bolzenanker mit dem Unterbau zu-
	        
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