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ZEITSCHRIFT FÜR BAUWESEN.
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stehen geblieben sind, aufzuführen, auch die allen Fen
ster zu vermauern, was im mittelalterlichen Verbände und
mit dem alten Mauerwerk übereinstimmend geschah.
Das neue Maucrwcrk beginnt mit den Fenstern, und ist,
ebenso wie das Ganze der Thürmc, der Ällamische und
Vorhalle aus Ziegeln der jetzt üblichen 10 zölligen Form,
im Aeufsern aus der Hermsdorfer Ziegelei; gefertigt. Zu
den Wandungen der Thüren und Fenster wurden Form
steine verwendet Es war Absicht, dafs die mit a und c
bezeichnten eine helle, von dem übrigen Mauerwerk
abstechende Farbe haben möchten, um hierdurch der
äufsern gegliederten Einfassung der Fensteröffnung das
Ansehn eines Rahmens zu geben. Aus diesem Grunde
konnten diese Formziegel nicht in Verband gesetzt, son
dern mufsten mit vertikalen Fugen gegen das andere
Mauerwerk angeblendet werden. Dagegen ist mit den
Steinen b und d der Verband beobachtet Die Anwen
dung von Formziegeln irn lothrechten Verband ist nicht
ohne Schwierigkeit; wenigstens mufs bei der Zeichnung
der Gliederung darauf gesehen -werden, dafs sie sich
deckt, mag der Stein als Strecker oder als Läufer liegen.
Hier ist diefs befolgt, und mufs man die Zeichnung so
verstehen, dafs die Darstellung des Verbandes, wie sie
auf der rechten Seite der Fensteröffnungen gegeben ist,
zu derjenigen Ziegelschicht gehört, welche über der
linkseiiigen liegt Man erhält alsdann einen vollständigen
Wechsel der Fugen, ohne zweierlei Formsteine zu be
dürfen. An den Miilelpfeilern der Fenster, die wegen
der geringen Stärke in Gement gemauert wurden, ent
stand auf der innern Seite der Verband durch die ab
wechselnd schräge Lage der Ziegel. Man erreicht den
Verband lolhrecht über einander liegender Formsteine
zur Einfassung von Oeffnungen nur dann vollkommen,
wenn auf der flachen Seite des Steins die diagonale Ver
bindungs-Linie der Verzierung in einem halben rechten
Winkel zu den Kanten des Steines triSL Gewöhnlich
überragt auch die Verzierung die gewöhnliche Stein-
gröfse nicht,
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Die beistchende Zeichnung sei
die flache Seite eines Ziegels,
und aus dessen einer Ecke b
eine Diagonale hb’ im halben
rechten Winkel, ferner cd, dd!
mit dieser parallel gezogen, so
liegt die Verzierung, welche
beliebige Form sie auch
habe, innerhalb der Flächcn-
Abschnitte ahb\ oder aed
oder adä* Die Formsteine
sind nicht gröfser als die
übrigen Ziegel, sowie über
haupt grofse Formsteine sich
leicht krumm ziehen und dann ungleiche Fugen geben.
Wie der Verband mit dergleichen Steinen herzusteilen,
giebt die zweite Zeichnung an, worin die punktirten
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Linien die Fugen der einen, die vollen Linien die Fugen
der andern Schicht sind. Die Dreiquartiero werden aus
den Formsteinen durch Verhau gebildet. Auch im Mit
telalter war man ziemlich streng in dieser Beziehung,
und findet deshalb in der Regel die Spolirtmgen der
Thür- und Fenster-Gewände im 45ten Grad gegen die
Fronten geneigt An den 2 Eingangsihüren der Stadt
kirche in Marienburg sicht man folgende zwei Motive,
welche nach Ausweis der da
rin angegebenen Fugeniinicn
einen vollkommen richtigen
Verband gewähren, jeder
Formstein aber gleichzeitig
zum Läufer und Strecker ge
braucht werden konnte.
Die Hauplgesimse der Thürine, der Kirche und der
Vorhalle werden ohne weitere Gliederungen lediglich
durch die Formziegel e, f und g gebildet. Die Gurtgo-
simse des Thumtes und das Hauptgesims der Vorhalle
ist aus graden Steinen ohne künstliche Verzierungen zu
sammengesetzt Zur Abdeckung der Fenster-Anschläge
und Strebepfeiler dienen die Wassernasen g, welche
oberhalb mit einem Ansatz versehen sind, um die Deck
steine festzuhalten. Die Verlegung der Letztem geschah
in Gement.
Nicht ganz ohne Schwierigkeit war, den Unterbau
des Baldachins am westlichen Giebel herzustellen. Die
Stärke dieses Giebels im Dache ist nur 2 Stein oder
21 Zoll, die Tiefe des Baldachins aber im Grundrisse
3 Fufe. Nach innen konnte eine Verstärkung nicht vor
genommen, sie mufste nach aufsen durch Ueberkragung
geschaffen werden. Es geschah mit den gewöhnlichen
Blendsteinen in Gement, indem unten mit einem einzel
nen Stein begonnen und jede folgende Schicht nach al
len Seiten um etwa 3| Zoll vorgezogen wurde. Im In
nern der Auskragung jedoch ward eine pyramidale Ver
ankerung von eisernen | zölligen Stäben, wie sie die Zeich
nung angiebt, angebracht, und über die obere Fläche
ward eine 6 Zoll hoho Granitplatte, die zugleich dem
Baldachin zum Sockel dient, dergestalt gelegt, dafs sie
hinterwärts um einige Zoll über dem Mauerloth vorsteht,
aufserdem durch 4 Bolzenanker mit dem Unterbau zu-