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Volltext : Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin (Public Domain) Ausgabe 20.1893 (Public Domain)

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wenn  er  dabei  sich  im  Irrtum  befindet.  Er  soll  aber  dafür,  daß  er
sein  Recht  zu  wahren  gesucht  hat,  auf  Jahre  hinaus  bei  seinem  geringeren 172
  Gehalt  bleiben.  Das  ist  meines  Erachtens  nicht  richtig,  denn
dadurch  würden  wir  höchstens  das  erzwingen,  daß  wir  die  Leute  verhindern,
  ihr  gesetzliches  Recht  nachzusuchen.  Dazu  hat  die  Stadt  keine
Berechtigung.
Dann  möchte  ich  eine  Frage  hier  anschneiden,  die  das  vorige  Mal
hier  zur  Verhandlung  stand:  das  ist  die  Beschaffung  der  Apparate  für
die  Fleischbeschauer  seitens  der  Stadt.  Wir  haben  Apparate,  die  so
lange  in  Tätigkeit  sind,  wie  die  Fleischbeschau  existiert.  Diese  Apparate
sind  persönliches  Eigentum  der  Fleischbeschatter.  Es  sind  die  verschiedensten 172
  Systeme  und  bringe»  Unzuträglichkeiten  mit  sich.  Es  ist
für  die  Stadt  Berlin  eine  ganz  verschwindende  Ausgabe,  wenn  sie  die
Apparate  selbst  anschafft'  denn  nur  dann  können  die  neuesten  und
besten  Apparate  angeschafft  werden,  während  man  den.  Einzelnen  die
Ausgabe  nicht  zumuten  kann.
Dann  aber  noch  eines.  Seit  langer  Zeit  haben  die  Fleischbeschauer 172
  versucht,  es  durchzusetzen,  daß  in  den  Abteilnngssälen  1  bis  9
an  Stelle  der  matten  Scheiben,  die  sich  dort  befinden,  durchsichtige
Scheiben  angebracht  werden.  Diese  matten  Scheiben  sind  wahrscheinlich
eingesetzt,  um  den  Leuten  das  Hinaussehen  zu  verhindern.  Die  Leute
klagen  aber,  daß  ihre  Augen  unter  diesem  Mattglanz  leiden.  Mir
liegt  ein  Gutachten  eines  Schweizer  Fabrikinspektors  vor,  der  über  die
matten  Scheiben  eine  ganze  Reihe  von  Sachverständigen  gehört  hat
und  u.  a.  wörtlich  sagt:
Einer  der  hervorragendsten  Augenärzte  gab  in  Uebereinstimmung
mit  den  Ansichten  anderer  Fachmänner  sein  Urteil  dahin  ab,  daß
diese  Mattglasscheiben  nicht  nur  eine  Qual  für  die  Angen  des
dahintersitzenden  Arbeiters  sind,  sondern  auch  eine  unzweifelhafte
Schädigung  des  Sehorgans  zur  Folge  haben  müssen.  Um  von
seiner  Arbeit  in  der  Nähe  ausruhen  zu  können,  ist  das  Sehen  in
die  Ferne,  wenn  auch  nur  für  Momente  resp.  kürzere  Zeit,  dringend
notwendig.  Solche  kurze  Ruhepausen  sind  bei  Vornahme  genauer
Augenarbeit  dringendes  Erfordernis.
Ich  meine,  wenn  solche  Gutachten  vorliegen,  dann  sollte  es  doch  eine
Kleinigkeit  sein,  solche  Dinge  zu  beseitigen.  Es  ist  in  einer  Abteilung
schon  nur  eine  halbe  matte  Scheibe  eingesetzt  worden;  aber  auch  das
langt  nicht  zu.  Wir  können  die  matten  Scheiben  ganz  beseitigen  und
an  deren  Stelle  lieber  oben  an  den  Fenstern  verstellbare  Abblender
anbringen.  Das  ivürde  jedenfalls  für  die  Sehorgane  der  Fleischbeschaner 172
  besser  sein.  Wenn  der  Direktor  diese  Forderung  bisher
damit  abgewiesen  hat,  daß  keine  Mittel  vorhanden  seien,  so  meine  ich,
für  solche  Dinge  sollen  und  müssen  Mittel  seitens  der  Stadt  immer
vorhanden  sein.
(Bravo!)
Stadtrat  Heller:  Die  erste  Frage  habe  ich  ja  bereits
beantwortet;  ich  habe  nichts  hinzuzufügen.  Die  zweite  Frage,  ob
den  Fleischbeschauern  die  Apparate  anzuschaffen  seien,  muß  ich  verneinen. 172
  Es  ist  besser  nach  jeder  Richtung,  auch  für  die  Sicherheit
des  Publikums,  wenn  die  Leute  ihre  eigenen  Apparate  haben.  Sie
gehen  dann  sorgfältiger  mit  ihnen  um,  arbeiten  damit  so  lange,  wie
sie  können,  und  wenn  es  nicht  mehr  geht,  so  schaffen  sie  ans  ihre
Kosten  sich  neue  Apparate  an.  Würde  die  Stadt  die  Apparate  liefern,
dann  würde  lange  nicht  mit  der  Vorsicht  damit  umgegangen  werden
wie  mit  dem  eigenen  Apparat;  wir  haben  auch  schlechte  Erfahrungen
damit  gemacht.  Im  übrigen  ist  es  meines  Wissens  überall  so.
Was  die  dritte  Frage  anlangt,  so  ist  das  einfach  eine  Frage,  die
am  besten  im  Kuratorium  erledigt  wird.  Wenn  ich  hier  ja  oder  nein
sage,  so  müssen  Sie  entweder  mir  oder  Herrn  Hoffmann  glauben,  Sie
können  sich  aber  nicht  selbst  überzeugen.  Sie  wissen  ja,  daß  am
nächsten  Dienstag  eine  Sitzung  des  Kuratoriums  auf  dem  Viehhofe
stattfindet,  und  da  wird  ein  Wort  genügen,  um  die  Sache  zu  untersuchen. 172
  Dann  kann  das  Kuratorium  sich  an  Ort  und  Stelle  überzeugen, 172
  und  wenn  sich  Uebclstände  finden,  so  wird  das  Kuratorium
dafür  Sorge  tragen,  daß  den  Uebelstäuden  abgeholfen  wird.
Stadtverordneter  Hoffmann:  Ich  will  dem  Herrn  Stadtrat
  auf  die  letzte  Aeußerung  nur  erwidern,  daß  wenn  in  dem  letzten
Vierteljahre,  in  dem  ich  die  Ehre  habe  dem  Kuratorium  anzugehören,
eine  Sitzung  stattgefunden  hätte,  ich  die  Sache  vorgebracht  hatte,  daß
aber  noch  keine  Sitzung  stattgefunden  hat,  und  ich  den  Vorsitzenden
noch  nicht  zu  Gesicht  bekommen  habe.  Das  ist  nicht  meine  Schuld.
Wegen  der  Apparate  kann  ich  mich  der  Ansicht  des  Herrn  Stadtrats
  nicht  anschließen;  danach  müßten  die  Schullehrer  sich  auch  die
Lehrmittel  anschaffen,  weil  sie  mit  den  eigenen  besser  wirtschaften
würden  als  mit  denen,  die  der  Stadt  gehören.
Stadtrat  Heller:  Ich  möchte  hierauf  kurz  erwidern
(Unruhe.)
—  Ich  bitte,  mich  auch  anzuhören  und  mir  dasselbe  Recht  zu  gönnen,  das
Sie  Herrn  Hoffmann  gestattet  haben.
Die  Sitzungen  werden  angesetzt  nicht  nach  den  Wünschen  einzelner
Kuratorinmsmitglieder,  sondern  nach  den  vorliegenden  Gegenständen.
So  lange  sich  nichts  für  die  Tagesordnung  findet,  können  wir  nicht

dem  Wunsch  eines  einzelne»  Mitgliedes,  das  eben  erst  eingetreten  ist,
folgen.  Jetzt  ist  etwas  für  die  Tagesordnung  da,  und  jetzt  wird  eine
Sitzung  angesetzt,  früher  nicht.
(Die  Versammlung  stellt  die  Etats  des  Viehmarkts,  des  Schlachthofs
  und  der  Fleischschau  sowie  den  zugehörigen  Tarif  unverändert  fest.)
Vorsteher  l>i\  Langerhans:  Ich  bitte  nun  Herrn  Heimann,
uns  seine  Berichte  zu  erstatten.
Berichterstatter  Stadtverordneter  Heimann:  Bei  der  diesjährigen 172
  Beratung  des  Etats  der  städtischen  Gaswerke  sind
besonders  wichtige  Wünsche  und  Erinnerungen  nicht  laut  geworden.
Es  wurde  zunächst  bei  der  Einnahme  im  Titel  I  an  den  Herrn
Magistratsvertreter  die  Frage  gerichtet,  ob  die  Leuchtkraft  des  Gases
sich  nicht  verschlechtert  habe.  Der  Herr  Magistralsvertreter  antwortete
in  einem  eingehenden  Vortrage,  daß  die  Qualität  des  Gases  sich  nach
keiner  Richtung  hin  verschlechtert  habe,  daß  es  aber  jetzt,  wo  man
allgemein  die  Strümpfe  gebrauche,  viel  weniger  auf  die  Leuchtkraft,
als  auf  die  Heizkraft  des  Gases  ankomme.
Bei  Titel  III,  Einnahme  für  Koks  und  Asche,  wurde  augefragt,
woher  es  denn  komme,  daß  Berliner  Abnehmer  den  Koks  so  erheblich
billiger  von  den  Anstalten  in  Hamburg  und  Stettin  erwerben  können
als  von  den  Berliner  Anstalten.  Der  Herr  Magistratsvertreter  gab
die  Richtigkeit  der  Tatsache  zu,  erläuterte  sie  aber  dahin,  daß  die
Hamburger  und  Stettiner  Anstalten  sich  in  einem  erbitterten  Kampfe
mit  den  dortigen  Großabnehmern  befänden,  so  daß  sie  ihre  Bestünde
nicht  los  werden  können.  Sie  haben  daher  beschlossen,  ihre  Vorräte
nach  Berlin  zu  werfen  und  unter  allen  Umstände  billiger  anzubieten
als  die  Berliner  Anstalten.  Gleichviel,  welchen  Preis  man  in  Berlin
nimmt,  die  Anstalten  in  Hamburg  und  in  Stettin  werden  immer
billiger  sein,  so  daß  gegen  diese  Konkurrenz  nicht  anzukämpfen  ist
Nichtsdestoweniger  war  es  möglich,  die  Einnahme  für  Koks  und  Asche
um  427  000  Ji  höher  anzusetzen  als  im  vorigen  Jahr.
Bei  Titel  1V  wurde  noch  eine  Anfrage  bezüglich  der  Gasdruckregler
  an  den  Magistratsvertreter  gerichtet,  die  dieser  in  zufriedenstellender 172
  Weise  beantwortete.
Bei  dem  Titel  IX,  Arbeitslöhne,  wurde  dem  Wunsche  Ausdruck
gegeben,  einer  Bitte  der  Arbeiter  nachzukommen,  die  dahin  geht,  daß
den  urlaubsberechtigten  Arbeitern  der  Tag  ihres  Urlaubs  mindestens
acht  Tage  vorher  angekündigt  werde,  da  nur  daun  die  Arbeiter  die
Möglichkeit  haben,  sich  genügend  zur  richtigen  Ausnützung  der  Zeit
vorzubereiten  und  duxch  zweckentsprechende  Einteilung  der  verfügbaren
Mittel  und  durch  sonstige  Anordnungen  im  Familienleben  vollen
Vorteil  von  der  Urlaubszeit  zu  haben.  Der  Herr  Magistratsvertreter
hat  die  Berechtigung  dieser  Wünsche  anerkannt  und  gesagt,  daß,  soweit
das  in  einem  solchen  großen  Betriebe  irgend  möglich  sei,  diesein
Wunsche  der  Arbeiter  Rechnung  getragen  werden  solle.
Bei  Titel  XI  der  Ausgabe  kaut  eine  Petition  zur  Beratung,
welche  die  Revierschreiber  der  städtischen  Gaswerke  an  den  Magistrat
gerichtet  hatten,  und  worin  sie  baten,  sie  als  volle  Gcmeindebeamte
anzustellen,  da  sie  mit  verantwortungsvollen,  anstrengenden  Arbeiten
beschäftigt  werden.  Der  Magistrat  hatte  sie  abschläglich  beschickn  und
ihnen  mitgeteilt,  daß  eine  Umwandlung  der  Stellen,  die  jetzt  im  Wege
des  Privatdienstvertragcs  besetzt  werden,  gar  nicht  in  ihrem  Interesse
läge,  da  solche  Beamtenstellcn  den  Militüranwärtern  vorbehalten
wären,  und  wenn  die  Umwandlung  einträte,  die  jetzigen  Inhaber  nicht
einmal  den  Vorteil  davon  haben  würden.  Der  Herr  Magistratsvertreter 172
  erläuterte  den  Bescheid  des  Magistrats  dem  Ausschuß  noch
näher.  Der  Ausschuß  trat  diesen  Erwägungen  bei  und  empfiehlt,  über
die  Petition  zur  Tagesordnung  überzugehen.
Bei  der  Ausgabe  Titel  XII  hatte  der  Magistrat  das  Verzeichnis
der  unterstützten  Personen  beigelegt.  Der  Ausschuß  hat  beschlossen,
die  Etatposition  für  1904  zu  genehmigen  und  die  Berichte  derjenigen
Stadtverordneten,  die  eine  höhere  Unterstützung  befürworten,  dem
Magistrat  zur  Prüfung  und  eventuellen  weiteren  Veranlassung  zu
überweisen.
Schließlich  habe  ich  noch  darauf  hinzuweisen,  daß  bei  Titel  XVII,
Abschreibungen  von  den  Werten  der  Gaswerke,  insofern  ein  anderer
Modus  als  bisher  Platz  gegriffen  hat,  als  die  Tilgungsrate,  die  sonst
immer  aus  den  Betriebseinnahmen  entnommen  ist,  diesmal  aus  den  Abschreibungen 172
  genommen  wurde,  so  daß  in  Wirklichkeit  statt  2125  000
nur  1  294  000  M  zur  Abschreibung  kommen.  Infolgedessen  wurde
der  Ueberschuß  um  den  vollen  Wert  der  Tilgungsrate.  830  000  M,
höher,  als  er  sonst  geworden  wäre.  Der  Herr  Kämmerer  erläuterte
diese  Position  noch  näher  dahin,  daß  matt  diesmal  diesen  Modus
habe  Platz  greifen  lassen,  daß  aber  zur  Zeit  eine  Subkommission  des
Magistrats  tage,  welche  über  Feststellung  genereller  Grundsätze  für  die
Abschreibungen  bei  den  einzelnen  Werken  berate.  Sobald  diese  Beratung 172
  fertig  sei,  würde  der  Magistrat  der  Versammlung  eine  entsprechende 172
  Vorlage  machen.
Die  Abschnitte  B,  G,  I)  und  E  wurden  en  bloe  angenommen,
und  ich  bitte  Sie,  ein  Gleiches  mit  dem  ganzen  Gasetat  zu  tun.
(Die  Versammlung  beschließt  deutgemäß.)
Etat  der  Wasserwerke.  —  Bevor  der  Ausschuß  in  die  Beratung 172
  dieses  Etats  eintrat,  kam  eine  Vorlage  des  Magistrats  zur
            
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