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Volume I. Abhandlungen

Full text : Berlin und seine Entwickelung (Public Domain) Ausgabe 5.1871 (Public Domain)

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gerichtsrat Gustav Ullrich, ein Vetter der Mutter, und uns Kindern
schon von seiner Berliner Assessorzeit als Onkel Gustav ein lieber
Bekannter, mit seiner schönen, noch jugendlichen Frau, der uns bald
liebgewordenen blondlockigen Tante Franziska. Ferner der Wein—
händler Lang, der eine entfernte, noch sehr junge Verwandte der
Mutter geheiratet hatte. Ullrichs und Lang, der die große Endell—
sche Weinhandlung in der Junkerstraße gekauft hatte, waren ver—
mögende und lebenslustige Menschen. Es bildete sich zwischen diesen
dier Familien ein Kränzchen, das Reih um ging und das in einem
soliden Boston der Herren, demnächst aber in Musikaufführungen
sehr erfreuliche Abende bereitete. Onkel Karl hatte eine wohlgeschulte
Stimme; der schöne Baryton, mit dem er bei der Abendmahlsfeier
die Einsetzungsworte singend vorzutragen pflegte, war in der ganzen
Stadt berühmt. Ebenso waren Onkel Gustav und der neue Vetter
Lang, ein geborener Hamburger, brauchbare Mitglieder bei leich—
teren Quartetten, und so haben wir leider nicht musikbegabten Fischers
denn bei den Kränzchenabenden uns von den Verwandten musika—
lisch freihalten lassen; bloß Klärchen trat wohl ab und zu als Sängerin
mit ein. Sie gehörte auch dem Frankfurter Gesangverein an, dessen
Leiter Georg Vierling, der nachherige Komponist des Alarich und
anderer Tonschöpfungen, damals ein schlanker Jüngling mit fliegen—
den blonden Locken wie der Apoll von Belvedere, der Liebling aller
Frankfurter Damen war.
Außer den Vorgenannten besaßen wir in den beiden Brüdern
des Predigers Sydow noch andere Verwandte meiner Mutter in
Frankfurt, von denen der Altere, der angesehenste Arzt der Stadt,
als Hausarzt mit uns in nähere Beziehungen trat, während ich im
Hause des anderen, des Onkels Louis, mit dessen Kindern, der mir
gleichaltrigen Lisbeth und ihrem etwas jüngeren Bruder Richard,
bald innige Freundschaft schloß. Lieschen Sydow war ein besonders
anmutiges Mädchen; meine Schwärmerei für sie wurde in unserem
dreise bald offenkundig und trug mir, insbesondere seitens der etwas
älteren Freundinnen, die meine Schwester sich in einigen der besten
Familien zu erwerben gewußt hatte und die meine Schüchternheit
lannten, bald die heitersten Neckereien ein, die natürlich nicht dazu
angetan waren, mich von der verwünschten Blödigkeit zu heilen.
            
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