tut also begünstigte Ueberlänfer in ihren Reihe» sehen sollen,
und welche Garantie Don Carlo» habe, daß Leute, die
unter solchen Umständen seine Sache ergreifen, dieselbe nicht
ebenfalls verrathen werden, wen» man ihnen von anderer
Seite wiederum Vortheile bietet-Nachdem
Generäl Seoaue das Portefeuille des Kriegs
im Madrider Cabinet abgelehnt hat, ist es dem General
Mcndez Vigo verliehe».worden, und man weiß noch immer
nicht ob Aguirre Solarte geneigt sey, die Last der ihm
übertragenen Finanzverwaltung zu tragen. Unterdessen ist
sein einstweiliger Stellvertreter durch ein Decret der Regentin
angewiesen worden, ei» Dritkheil der bisher zinslosen
oder mit Papierzu verzinsenden (sogenannten i,incrcn) Schuld,
im Betrage von mehr als neunzig Millionen Thaler dergestalt zu
consolidiren, daß de» Inhabern dafür im Verhältniße vcn 50 :
100, Obligationen verabreicht werde», welche fünf Procent
Zinsen haaren Geldes tragen. Dadurch ist die frühere Bestimmung,
den BörsencourS des Monat Juni zur Grundlage
zu nehmen, offenbar zu Gunsten der Gläubiger abgeändert,
indeß dürfte cs schwerlich ein Irrthum seyn, weiiii
man in der ganzen Operation nichts sieht, als de» schwache»
Versuch, dem 'öffentlichen Credit etwas aufzuhelfen, was um
so nöthiger erscheinen mochte, da das Fortgehen der RegierungSmaschine
ohne neue Anleihen ganz undenkbar ist. Wirklich
sollen bereits Agenten nach London abgegangen seyn,
um Leute aufzusuchen, denen der Muth zu dem gewagte»
Geschäfte nicht fehlt, ein Darlehn von etwa zwanzig Millionen
Thalern zu gewähren; die englische» Capitalisten,
welche sich bereits so tief in die Revolutionirung der Halbinsel
eingelassen, könnten aber nachgrabe bedenklich werden,
und cS spricht für die Wünsche der Madrider Regierung
nichts als die Ansicht, daß mit ihrem Falle alle frühere»
Einlage» in diesem grauenvollen Spiele verloren seyen. Der
angeblich über alles Erwarten vortheilhafte Verkauf einiger
„Nakionalgüter," wird auf die gewitzigten Geldmänncr
schwerlich Eindruck mache», wenn nicht eine lange Reihe
gleich günstiger Veräußerungen folgt, denn einzelne Fälle
beim Beginn der Procedur können auch durch geschickte Auswahl,
niedere Tape» und andere kleine Hülfsmittel künstlich
erzeugt werden, und durch solche Taschenspieler-Stücke lassen
sich wenigstens die Heroen der Börse nicht mehr täusche».
Dagegen muß der bornirtc Liberalismus, welcher Mendizabals
angebliche Wunder ohne Prüfung anstaunte, und cS
höchst übel vermerkte, wenn derselbe von Ander» für einen
ungewöhnlich dreiste» Charlatan erklärt ward, sich aufs bitterste
entzaubert fühle», wenn er jetzt vernimmt, in welcher
Weise der mosaische Staatskünstler seine Zaubereien möglich
gemacht. Es ergicbt sich nämlich, daß er für ungefähr zwei
und zwanzig Millionen Thaler Obligationen der auswärtige»
Schuld unter der Hand in London und Paris verkauft,
etwas über sechs Millionen auf verschiedene Erträge anticipirt,
und für drei Millionen Thaler noch nicht bezahlte
Wechsel ausgestellt hat. Obwohl diese Manöver schwerlich
die Hälfte des nominellen Betrages gewährt haben mögen,
so erklärt sich doch dadurch Vieles, namentlich die Zinszahlung
am 1. Mai d. I.; auch überraschen sie uns keineswegs,
denn einmahl ist die Unmöglichkeit klar, Etwas aus
Nichts zu machen, und dann sind wir stets der Ueberzeugung
gewesen, daß Mcndizabal kein Mittel, auch das unrechtlichste
und schmuzigste nicht, verschmähen werde, seine lächerlichen
Verheißungen scheinbar zu erfüllen, und sich möglichst
lange in einer Stellung zu erhalten, die er um der
Ehre Spaniens willen niemals hätte erreichen sollen.
Die Budgets-Verhandlungen der französischen Deputirten
sind in immer steigender Gangart zum Ziele gelangt,
so daß man öfter lebhaft an die wachsende Geschwindigkeit
fallender Körper erinnert wurde. Ungeachtet dieser
Eile gelang es dem Grafen La Rochefoucault, den ehrenhaften
Beschluß durchzusetzen, daß vom 1. Januar 1838 ab,
alle öffentlichen Spielhauscr zu Paris unterdrückt werden
sollen, und der Finanzminister machte vergebliche Anstrengungen,die
5; Mill. Franken zu retten, welche der Staatscaffe
aus deren Verpachtung zufließe»; wenn ibm dabei die Bemerkung
entfiel, das Schließen der Spielhäuser könne vielleicht
die Fremden von Paris verscheuche», so war dieß weder
schmeichelhaft für die „Hauptstadt der Civilisation," noch
für die Ausländer, die dahin wandern, und vielleicht eines
Staatsmannes unwürdig, selbst wenn er nicht Franzosen adminiflrirte,
sondern nur Hnyerboräer oder Hottentotten.
Anders verhält es sich mit der Einwendunq: daß die
Spielwuth nunmehr auf ungleich nachtheiligere Weise heimlich
Befriedigung suchen werde, denn hierin liegt wirklich etwas
Wahres. Allein abgesehen davon, daß die bisher zur
Ueberwachung des öffentliche» Spiels verwendet gewesenen
Polizeikräfte disponibel werden, und überhaupt eine so thätige
und zahlreiche Polizei wie die Pariser, auch in dieser
Hinsicht sehr viel leisten kann, — so darf man von keiner
Regierung das Unmögliche fordern, sondern nur, daß sie das
Erreichbare versuche, und vor Allem die öffentliche Moral
nicht verletzen lasse. Die Verpachtung des Rechts zu Hazardspiele»
war aber eine solche Verletzung, und der desfallsige
Beschluß der Kammer ist ein Triumph für die Sittlichkeit.
Beim Voranschläge der Ausgaben ist der gallischen
Leichtigkeit der Fall begegnet, daß die bewilligte Hauptsumme,
welche das Büreau der Deputirten- Kammer ermittelt
hat, die von den» Ministerium berechnete um fünf und
zwanzigtausend Franken übersteigt. Welche Rechnung aber
auch die richtige sey, das Ausgabe-Budget beträgt ämmer
über 102/ Millionen Franken, wozu noch ein kleines budget
annexe mit 2,850,000 Franken kommt; die Einnahmen
waren nur zu 1,012,336,000 Franken veranschlagt,
wodurch man sich veranlasst fand, in möglichster Schnelle
und ohne viele Worte eine Erhöhung der Grund-, Mobiliar-,
Thür- und Fcnstersteuer zu bewilligen, so daß
nur ein Deficit von wenig mehr als zwei Millionen
bleibt.*) Ein Deficit in dem Voranschläge, im
tiefen Frieden, sechs Jahre »ach der glorreichen Revolution,
und vier Jahre nachdem inan das sogenannte Normal-Budget
versprochen und versucht! Fürwahr, es scheint für die
Franzosen einiger Grund vorhanden, nachdenklich zu werden,
oder was ihrer Gemüthsruhe vielleicht noch zuträglicher wäre,
mit dem Schwamme der Vergessenheit über die Versprechungen
wegzugehen, welche das Ergebniß der großen Woche
ihnen gemacht; mögen sie sich mit den Worten eines erhabene»
Geschichtschreibers trösten: lcs sottises des peres
sont perdus pour leurs eni'ans: ii saut que cbaquc
generation fasse les sienues.
Nachdem die Deputirten seit dem 17. d. Mts., wo
die Berathungen über das Budget endeten, größtentheils zerstäubt
sind, würde cs unmöglich seyn, für den Fall, daß die
Pairs nur die mindeste Aenderung daran machten, eine Versammlung
der zweiten Kammer zusammen zu bringen, welche
die zu Beschlußnahmen erforderliche Kopfzahl enthielte. Die
„edlen Pairs sind daher abermals, wie in früheren Jahren
genöthigt, das Budget ohne alle Modification anzunehmen,
wenn der „Staat" nicht am finanziellen Schlagfluß sterben
soll, und hätten deshalb einigen Grund über solche
Herabwürdigung zu klagen, wofür ihr peinliches Richteramt
und der dazu bewilligte neue Saal schwerlich genügende
Entschädigung gewähren. Auch machte ein Mitglied der hohen
Kammer den Versuch, seine Standesgenosscn zum Widerstände
gegen jene Behandlungßweise anzufeuern, allein sie
haben auch diese Gelegenheit benutzt, um denjenigen, welche
cs »och nicht wissen sollten, zu zeigen, welch ungeheure Kluft
zwischen ihnen und der englischen Paine befestigt ist. Eben
so vergeblich waren die Anstrengungen des Marquis von
Dreur-Breze, z„ beweisen, daß die zu den Festlichkeiten der
Julitage verlangte Summe, eine wahrhafte Aufmunterung
zur Rebellion, und ihre Bewilligung der öffentlichen Sittlichkeit
entgegen sey; man votirte die (höchst bescheiden) geforderten
zweimahl hunderttausend Franken, wobei das Ministerium
zu erkennen gab, daß die Feier der großen Woche
alljährlich wiederholt werden solle. Wir finde» das seinem
Standpunkte nach vollkommen begreiflich, und so werde»
denn jene trübseligen Feste fortdauern, so lange man noch
Gelder dazu bewilligt, oder nicht etwa die Feier einer noch
größeren Woche sie verdrängt, deren Möglichkeit Niemand
zu leugnen wagen möchte.
*) Um die Cvnfuston vollständig zu machen, ist nachher noch
«ine bedeutende Differenz in der Hauptfumme des Einnahme-Budgets
zum Vorschein gekommen; da« Sitzungsprotokoll nämlich
bezeichnet dieselbe zu l,027,572,203 Franken, während das amtliche
Blatt der Regierung, der Moniteur, nur 1,612,000,006 Fr.
ongiebt.