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Periodical volume Schifffahrt

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

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die Eisenbahnen nach Stettin (theilwcisc) und nach Frankfurt eröffnet wa 
ren, ausserordentlich günstig, weil der Wasserstand sehr gut und der Win 
ter gelinde war, und durch Anstellung von zwei Schleusengehülfen das 
Durchschleusen erleichtert wurde. Ausserdem wirkte die gesteigerte Bau 
lust Berlins und der Hamburger Brand besonders günstig auf die Zunahme 
des Transports von Baumaterialien. Die Zahl der Fahrzeuge vermehrte sich 
besonders dadurch, dass alljährlich eine grosse Anzahl von böhmischen Käh 
nen, welche Obst und Kohlen gebracht haben, hier verkauft werden. Das 
Jahr 1844 war wieder ungünstig für die Schifffahrt, aber nicht in Folge der 
im vorhergehenden Jahre stattgehabten vollständigen Eröffnung der Berlin- 
Stettiner Eisenbahn, sondern weil des anhaltenden Eises wegen die Schiff 
fahrt erst spät eröffnet werden konnte, Böhmen eine schlechte Obsternte 
hatte, die Zufuhr von Brennholz wegen der vorhandenen grossen Bestände 
geringer war, die Coaks, welche in den hiesigen Gasanstalten bereitet und 
früher vielfach ausgeflihrt wurden, nunmehr hier als Brennmaterial immer 
mehr Aufnahme fanden und den Gebrauch von Holz und Torf verringerten, 
weil ferner durch Aktienschwindcl die Baulust, welche vorher grosse Zufuhr 
von Baumaterialien veranlasst hatte, abnahm, und weil die Ueberschwem- 
mungen in den östlichen Provinzen die Getreidezufuhr verminderten. Der 
Wasserstand dagegen war nicht ungünstig. Von einigem Einfluss scheint 
allerdings auch die Frankfurter Eisenbahn, welche dem Schiffsverkehr das 
über Berlin bestimmte Messgut entzog, gewesen zu sein. 
Ungeachtet des späten Frühjahrs war das folgende Jahr, bei günstigem 
Wasserstande, der Schifffahrt vortheilhaft. Die Yorräthe, besonders des 
Brcnnmateriales, waren durch die Strenge des Winters aufgeräumt, und die 
Baulust war wieder rege geworden. Dagegen kam aus den Ostseeprovinzen 
in Folge der Ueberschwcmmungen wenig Getreide, die Kartoffeln hatten 
Misswachs, die Ernte überhaupt war mitteImässig, Böhmen sandte wenig 
Obst. Die Ausfuhr nach Hamburg au Nutzholz, Kalk und Gips hörte auf. 
Das Jahr 1846 hatte wieder einen schlechten Wasserstand, so dass mehr 
Fahrzeuge für weniger Fracht nöthig wurden. Die Konkurrenz der eröffne- 
ten Magdeburger, Breslauer und Hamburger Eisenbahnen kann nur zum 
Theil eingewirkt haben, da wenigstens die Hamburger erst im December er 
öffnet wurde. Aber die schlechten Ernten Ost-Proussens und Schlesiens, 
das Vorhandensein grosser Bestände an Brennmaterialien aus dem vorher 
gegangenen gelinden Winter wirkten hemmend. Die Obstzufuhr war be 
deutender; der Transite-Verkehr lebhafter. Auch im Jahre 1847 dauerte 
der niedrige Wasserstand fort und bewirkte eine Zunahme der Fahrzeuge. 
Mühlenfabrikate, besonders in Folge der starken Ausfuhr russischen Mehls, 
Getreide, Obst, Heu, Brennmaterialien wurden in grösserer Menge gebracht; 
Baumaterialien weniger, weil der Nothstand die Baulust wieder hemmte. 
Das Jahr 1848 brachte begreiflicher Weise eine schlechte Schifffahrt, beson 
ders hinsichts des Aus- und Einganges, während der Durchgang noch bes 
ser blieb. Das Jahr 1849 war zwar besser, als das vorhergehende, aber die 
Folgen von 1848 machten sich noch bemerklich. An Mühlcnfabrikatnn und 
Getreide war der Durchgang bedeutend wegen des österreichischen Bedarfs 
zur Verpflegung seiner in Ungarn stehenden Truppen. Obst kam in grösse 
ren Mengen in Folge der, guten Ernte in Böhmen, Heu wurde durch das 
Bedürfhiss der verstärkten hiesigen Garnison herangezogen. Brennholz kam 
von Jahr zu Jahr weniger, weil die Coaks immer gebräuchlicher wurden. 
Die Ausfuhr der letzteren und der Kohlen nahm jedoch zu. ln den beiden 
folgenden Jahren zeigte sich trotz der Eisenbahnen wieder ein grösserer 
Aufschwung der Schifffahrt. Der neue Schifffahrtskanal war eröffnet, die 
Frachtpreise waren zwar niedrig, aber durch die Anlage der neuen Kanäle, 
durch den günstigen Wasserstand der Spree, Havel und Elbe im Sommer
        
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