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Periodical volume Bevölkerung

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

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Kode gewesen. Boi den Menschenpocken ist die Verminderung eine sehr 
ansehnliche, vori 86 bis auf 3 pro Mille, ein unumstösslicher Beweis der 
neuerlich vielfach ohne Grund bezweifelten Schutzkraft der Kuhpocken 
impfung. Die Gegner derselben haben nun zwar behauptet, die anderweite 
Sterblichkeit habe verhältnissmässig weit mehr zugenommen, als die Pocken 
sterblichkeit abgenommen habe. Aber auch das ist nicht der Fall. Car- 
not in Frankreich ist der Ansicht, die Sterblichkeit der mittleren Lebens 
jahre sei in Folge der Impfung grösser geworden; wie aber der obige Ver 
gleich der von den Verstorbenen erreichten Lebensalter lehrt, sind in Berlin 
jetzt mehr Personen zu den höchsten Altersklassen gelangt, als früher. Noch 
mehr, als bei den Pocken, hat die Sterblichkeit durch Krämpfe, insbeson 
dere durch Kinnbacken- und Starrkrampf sich vermindert. Vielleicht darf 
daraus auf eine bessere Pflege der neugebornen Kinder geschlossen werden. 
Zum Theil wird freilich das hier vorhandene Minus durch das gegenwärtige 
Plus der an Lebensschwäche nach der Geburt verstorbenen Kinder absor- 
birt, aber doch nur zum kleinen Theil. — Eine Abnahme der Wassersüch 
ten hat, wenn man nur die beiden oben bczeichneten Zeiträume ins Auge 
fasst, zwar stattgefunden: es gehören aber Wassersüchten zu denjenigen 
Krankheiten, die, wie die Wechselfieber, in deren Gefolge sie eben so häufig 
wie nach Ausschlagskrankheitcn auftreten, in ihrer Frequenz die grössten 
Abweichungen der einzelnen Jahre bieten. So sieht man denn auch, dass 
in den beiden letzten Jahren 1853 und 1854 Wassersüchten, die in den vor 
hergehenden sehr selten gewesen waren, in sehr grosser Menge wieder er 
schienen sind und zum Tode geführt haben. Die geringere Zahl der Ab 
zehrungen und Schwindsüchten mag zum Theil ihre Erklärung darin finden, 
dass vielen Krankheiten, die in den jetzigen Todtenlistcn genauer specificirt 
sind, früher ihre Stelle in jenen allgemeineren Krankheits-Rubriken ange 
wiesen wurde, zum grossen Theil aber mag sie vielleicht wirklich auf einer 
Abnahme beruhen. Das seltnere Vorkommen der Kose als Todesursache 
liegt theils darin, dass unter dem Namen Rose sonst die sogenannte falsche 
Rose, (Zellhaut-Entzündung und Vereiterung) oft mitbegriffen wurde, zum 
Theil vielleicht in der Abnahme ihrer Bösartigkeit. Die Abnahme tödtlicher 
Wechselfiebcr mag der ärztlichen Behandlung und dom veränderten Krank 
heitscharakter zuzusohreiben sein. 
Gleiche Mortalitäts-Verhältnisse bemerkt man bei dem Stick- und Schlag 
fluss, der Entkräftung, dem Kindbettfieber, dem Blascnausschlag, dem 
Schwämmchen und dem Stickhusten. Wenn scheinbar früher die Zahl der 
Geschwülste grösser gewesen ist, so liegt das eben nur in der Diagnose 
oder der Benennung, denn cs findet sich dafür in der jüngsten Zeit eine 
bedeutend grössere Zahl von Krebs und Markschwamm aufgeführt. 
Was insbesondere noch das Jahr 1854 betrifft, so zeichnet sich dasselbe 
ans durch die grössere Zahl der Todtgeburten, tödtlicher Entzündungen, 
Kindbettfieber, Scharlach, Fieber und Wassersüchten, sowie durch die ge 
ringe Zahl tödtlicher CholerafäUe und gastrisch-nervöser Fieber. 
Die in der Todtenliste pro 1854 enthaltenen Angaben über die Todes 
fälle durch Selbstmord, Verbrechen und Unglücksfälle differiren von den 
Angaben, welche in den Polizei-Rapporten sich finden. 
Hiernach ereigneten sich:
        
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