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Periodical volume Polizeiwesen

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

252 
Erledigt wurden 
durch Zahlung 1236 Sachen, 
durch fruchtlose Vollstreckung 596 
Zurückgegeben wurden wegen Wohnortsveränderung, Nach 
sichtsbewilligung, Tod u. s. w 103 
1935 Sachen. 
blieben schwebende Sachen 84. 
Sitten-Polizei. 
Von den in den Listen der Kommission für Sitten-Polizei eingezeich 
neten prostituirten Frauenzimmern, welche in den geduldeten Häusern sich 
befinden und deren Zahl in der Regel sich auf ungefähr 260 belief, wurden 
im Jahre 1854 zur Charite geschickt: 
wegen Krätze 21 
wegen Syphilis . . . ■ ■ 175 
in Summa . . 196 
Von den wegen Syphilis zur Charite Geschickten litten 16 an konstitu 
tioneller Syphilis, 21 an Rückfällen frischer, in demselben Jahre stattgehabter 
und bereits behandelter Infektion und 134 an frischen Symptomen. 
Ausserdem erstreckte sich die Ueberwachnng der Kommission auf die 
vagirende Prostitution, und wurden hiervon im Jahre 1854 1150 Personen 
regelmässig von acht zu acht Tagen ärztlich untersucht. Im Jahre 1852 
hatte die Zahl dieser Personen nur 695, und im Jahre 1853 980 betragen. 
Diese Zunahme gründete sich jedoch nicht auf Zunahme der Prostitution, 
sondern auf die allmählig sich ausdehnende Ueberwachung durch die Sitten- 
Polizei, welche letztere ausser den der regelmässigen Untersuchung unter 
worfenen Personen, im Jahre 1852 bereits 618, im Jahre 1853 824 und im 
Jahre 1854 1540 Personen als verdächtig notirt hat und aus dieser Zahl 
die Liste der zu Untersuchungen allmählig, je nachdem sich der Verdacht 
der Prostitution oder der Verbreitung der Syphilis bestätigt hat, vervoll 
ständigt. 
Von den oben genannten 1150 zur regelmässigen ärztlichen Untersu 
chung Notirten sind 
702 unverheirathet, 
418 theils verlassene, theils geschiedene, theils noch in der Ehe 
lebende Frauen, 
30 Wittwen. 
Der Religion nach gehören 10 dem jüdischen, 13 dem katholischen, 
und die übrigen dem evangelischen Glaubensbekenntnisse an. 
Nach dem Berichte der Kommission für Sitten-Polizei sind unter den 
in Rede stehenden Personen auffallend Viele, welche frühzeitig verwaist, 
unter sogenannter Pflichtvormundsohaft gestanden haben und in specie auch 
im Waisenhause aufgewachsen sind. Die Kommission leitet daraus die Noth- 
wendigkeit einer Reform unseres Vormundschaftswesens her. 
Ausser der mangelhaften Beaufsichtigung dieses Theiles der weiblichen 
Jugend schreibt die Kommission der zunehmenden Subsistenznoth die Zu 
nahme der Prostitution zu.
        
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