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Periodical volume Wohlthätigkeits-Anstalten

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

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Was die successive Eigenthumserwerbung durch die Miethcr betrifft, so 
ist dies Hauptprincip, welches der Gründung der Baugesellschaft zum Grunde 
gelegen hat, neuerlich, und zwar gerade in dieser Gesellschaft selbst in 
Frage gestellt worden. Nur bei der Hälfte der gebauten Häuser war die 
Bildung von Miethsgenossenschafteu möglich, weil nicht überall 6 pCt. des 
Kapitales an Miethe erlangt werden konnten; auch da wo Miethsgenossen- 
schaftcn sich bildeten, sind nicht sämmtliche Miether betheiligt. Die Mieths- 
genossen selbst legten zum Theil nicht Werth auf die eventuelle Eigen 
thums-Uebertragung, sondern fassten sie lediglich als eine Sparkasse, die 
nach 5 Jahren bestimmte Ersparungssummen gibt, auf; Andere beanspruch 
ten eben nur eine zweckmässige und gesunde Wohnung, deren Miethe sie, 
in Stelle künftiger Vortheile, lieber jetzt verringert sehen möchten. Es 
wurde ferner geltend gemacht, dass die Gesellschaft nach ihren gegenwär 
tigen Principien nicht im Stande sei, irgend welchen bemerkbaren Einfluss 
auf die Beschaffenheit einer genügenden Zahl kleiner und zweckmassiger 
Wohnungen auszuüben, und dass das Princip der Eigenthums-Verleihung 
und die damit zusammenhängende Beschränkung der Dividende auf 4 pCt. 
hemmend dagegen einwirke und daher aufgegeben werden müsse. Da eine 
Einigung nicht zu Stande kommen konnte, so wurde beschlossen: bevor an 
irgend eine Moditication des Statuts gegangen werde, solle ein praktischer 
Versuch gemacht werden, gesunde und zweckmässig eingerichtete kleinere 
Wohnungen, allenfalls mit gewissen Vortheilen für die Miether, zu bauen, 
ohne jedoch das Princip der künftigen Eigenthums-Verleihung und der Be 
schränkung der Dividende auf 4 pCt. beizubehalten, und zwar solle zu die 
sem Versuche die Alexandra-Stiftung benutzt werden. 
Es ist nunmehr namentlich von der Wirksamkeit dieser Stiftung die 
Entscheidung über das genannte Princip zu erwarten. 
12. Darlehnskassen. 
Berliner Frauen-Verein znr Abhülfe der IVotb unter den kleinen 
Fabrikanten und Handwerkern. 
Nach dem Jahresberichte vom Mai 1855 hat dieser Verein durch unver 
meidliche Verluste, Todesfälle, Auswanderung u. s. w. seit seinem Bestehen 
über 800 Thlr. Ausfälle erlitten; es wurden jedoch 3197 Personen mit über 
85000 Thlr. durch Darlehne unterstützt. Im letzten Jahre ist gegen das 
Jahr 1853 eine Verminderung der Einnahme um 73 Thlr. eingetreten. Eine 
wesentliche Hülfe hat der Verein durch die Ueberweisung des Kapital-Be 
Standes des, ehemaligen Handwerker-Vereins von 778 Thlr. 2 Sgr. 6 Pf. 
erfahren. 
Im Mai 1854 ergab sich ein Kassonbestand von 1473 Thlr. 22 Sgr. 9 Pf. 
Hierzu kamen: 
1) Geschenk Sr. Majestät 
des Königs 100 Thlr. — Sgr. — Pf. 
Geschenk der Frau M. 50 - — - — - 
Geschenk des aufgelös 
ten Handwerk.-Vereins 778 - 2 - 7 - 
928 
2 
7
        
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