Path:
Periodical volume Wohlthätigkeits-Anstalten

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

154 
11. Vereine zur Versorgung der sogenannten kleinen Leute mit 
gesunden Wohnungen. 
Berliner gemeinnützige Baugesellschaft. 
Dieser im Jahre 1848 mit Königlicher Bestätigungs-Urkunde ins Leben 
getretene Actien-Verein hat den Zweck, in gemeinnütziger Weise durch 
Bau-Ausführungen in den verschiedenen Stadttheilen Berlins oder vor dessen 
Thoren gesunde und geräumige Wohnungen für sogenannte kleine Leute zu 
beschaffen, diese Wohnungen billigst zu vexnxiethen und die bebauten 
Grundstücke den Miethern, welche zu diesem Behufs einzelne Genossen 
schaften bilden, 30 Jahre nach dem Zusammentritt einer Jeden betreffenden 
Genossenschaft als freies Eigenthum zu übergeben. 
Die Mitglieder der Baugesellschaft sind entweder durch üebexnahme 
von Actien, welche successive ausgegeben werden, oder durch einen jähr 
lichen Beitrag von mindestens 8 Thlrn., welcher, sowie anderweite Einnah 
men und Geschenke, zum Reservefonds fliesst, betheiligt. Die Miethsbeträge 
der Wohnungen werden so gestellt, dass das Anlagekapital für jedes ein 
zelne Grundstück sich nach Abzug der Verwaltungskosten mit 6 pCt. ver 
zinset, Die Miether eines jeden solchen Gebäudes treten als Genossenschaft 
zusammen, sobald alle Wohnungen des betreffenden Hauses vermiethet sind. 
Wenn nach Bildung einer Miethsgenossensohaft einzelne Theile des betref 
fenden Gesellschaftshauses nicht bewohnt sind, so wird der Reservefonds 
als Miether der leer stehenden Wohnungen betrachtet, zahlt als solcher die 
Miethe und hat nach Maassgabe der gezahlten Miethe auch Antheil an allen 
Vortheilen der übrigen Miether. Auch für rückständige Miothen muss der 
Reservefonds aufkommen und gewinnt dafür ebenfalls die Rechte der be 
treffenden Miether. Von dem Rein-Ertrage der Gesellschaftshäuser, welcher 
6 pCt. des Anlagekapitales beträgt, werden 2 pCt, zur Amortisation der 
Actien verwendet; eben dazu werden auch die Zinsen der bereits amorti- 
sirten Actien verwendet und zwar müssen dieselben unter allen Umständen 
4 pCt. betragen, selbst wenn dadurch die Dividende der übrigen Actien 
verringert würde. 
Demnach wird das Anlagekapital für jedes einzelne Grundstück nach 
Ablauf von 30 Jahren, vom Tage des Zusammentritts einer Miethsgenossen- 
schaft an gerechnet, vollständig amortisirt sein und das betreffende Grund 
stück soll dann der berechtigten Miethsgenossenschaft als Eigenthum über 
geben werden. Damit jedoch die Miether nicht genöthigt sind, die ganze 
Amortisationsperiode hindurch dasselbe Quartier zu bewohnen oder diese 
Periode abzuwarten, um zum Genüsse ihrer intellektuellen Antheile zu ge 
langen, so soll der Reservefonds, so weit es die Mittel gestatten, jedem 
Miether auf Verlangen seinen intellektuellen Antheil gegen eine bestimmte 
Abfindungssumme abkaufen, wodurch dann die Gesellschaft rücksichtlich des 
erkauften intellektuellen Antheiles an die Stelle des Miethers tritt. Der 
Reservefonds erhält daher, da er die von den Miethsgenossen sich gewisser- 
raaassen ersparten Antheile jederzeit flüssig macht, für diese zugleich den 
Beruf einer Sparkasse. Die Gesellschaft errichtet nicht grosse, sogenannie 
Familienhäuser, sondern nur Gebäude von ungefähr 6 bis 12 Wohnungen; 
diese werden luftig, geräumig und bequem eingerichtet, und sind Keilei 
wohnungen dabei ausgeschlossen. Zu Miethern werden nur unbescholtene 
Personen, die wenigstens 5 Jahre in Berlin wohnen, eigenes Mobiliar be 
sitzen und einen bestimmten Brodenverb nachweisen, angenommen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.