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Periodical volume Handel und Gewerbe

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

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31. Knrzwaaren-Fabrication and Handel. 
Dieser Industriezweig ist von grosser Wichtigkeit durch die bedeutende 
Zahl der dadurch beschäftigten Arbeiter, wie durch den Absatz, welchen 
ihre Erzeugnisse fast in allen Ländern finden. Die Fabrication wird gröss- 
tentheils in kleinen Werkstätten getrieben, und lässt sich daher der Umsatz 
in Zahlen nicht angeben. Nach ungefährer Schätzung sind bei Anfertigung 
von Lederwaareu, als Portemonnaies, Cigarren-Etuis, Brieftaschen u. s. w. 
hier ungefähr 2000 Personen beschäftigt, an 500 Personen mehr als im 
Jahre 1853. Es ist wohl anzunehmen, dass die von denselben angefertigten 
Waaren einen Kapitalwerth von mindestens 2 Millionen Thaler repräsentiren. 
Der Absatz feiner Holzwaaren wurde auf 100,000 Thlr. geschätzt. 
Täschner-Arbeiten, z. B. Damentaschen und Reise-Utensilien werden eben 
falls von vielen Fabrikanten hier gefertigt und von Einem derselben angeb 
lich ein Umsatz von circa 60,000 Thlr. erzielt. 
Die Fabrication von Goldleisten, Bilder- und Spiegclrahmen ist sehr be 
deutend; es beschäftigen sich darin 90 Meister mit 280 Gchiilfen, welche 
für 5 bis 600,000 Thlr. Waare lieferten. 
Auch Kammmacher- und Bürstenbinder-Fabrikate sind besonders zu er 
wähnen. Einige der hiesigen Fabrikanten machten angeblich einen Jahres 
umsatz von 30,000 Thlm. 
Sehr wichtig sind ferner noch die Fabricationen von Neusilberwaaren, 
blechlakirten Waaren, Parfümerien, Stahlwaaren und Gummi- und Gutta 
percha-Waaren. 
Auf den Geschäftsgang des Jahres 1854 sind die allgemeinen Verhält 
nisse nicht ohne störenden Einfluss geblieben, und nur durch grosse An 
strengungen ist es möglich geworden, die Industrie auf dem früheren Stand 
punkte zu erhalten. Der Kleinhandel hatte mit der Konkurrenz zu kämpfen 
und der Absatz blieb wegen der Theuerung der Lebensmittel hinter der 
gehegten Erwartung zurück. Im en gros Geschäfte möchte der Umsatz nicht 
geringer, als im Jahre 1853 gewesen sein, doch übten die Geldverhältnisse 
Englands und Amerikas, so wie die Ueberftillung des letztgenannten Mark 
tes mit Waaren aller Art einen nachtheiligen Einfluss aus. 
33. Lcincn-Fabrication und Handel. 
Das Geschäft hat sich im Jahre 1854 nicht gemindert, die politischen 
Verhältnisse schadeten den feineren Qualitäten, dagegen hoben die vermehr 
ten militairischen Bedürfnisse theilweise den Absatz ordinärer Waaren. Der 
Verkehr zwischen den schlesischen Producenten und der skandinavischen 
Konsumtion, der bisher über Hamburg ging, scheint sich mehr und mehr 
der Vermittlung Berlins zu bedienen. Auch nach Holland steigt die Aus 
fuhr über Berlin, und der Zutritt des Steuer-Vereins zum Zollverein macht 
sich für den Absatz gewisser Sorten, namentlich gebleichten Leinens, Franz- 
Leinens und Farbe-Leinens und überhaupt für das noch auf allen Märkten 
anzubringende Crcas- Leinen von Handgarn bemerkbar. Hiesige Händler 
sind der Ansicht, dass, wenn man auch jetzt des Maschinengams nicht ent 
behren, und von der Handspinnerei das ausreichende Material nicht erlan 
gen könne, man doch letzterem den Vorzug einräumen müsste, und mit 
den daraus hergcstellten dauerhafteren Fabrikaten wegen des Absatzes nie 
mals in Verlegenheit sei. 
33. Wollhandel. 
Das Wollgeschäft war 1854 nicht wesentlich geringer, doch minder loh 
nend, als früher, weil die Preise auf den Märkten höher waren. — Nachdem 
die Einkäufe für England aufgehört hatten, nahm das Geschäft einen mehr
        
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