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Periodical volume Handel und Gewerbe

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

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15. Zocker-Raffinerie. 
Die Berliner Raffinerien haben noch nicht den früheren Umfang des 
Geschäftes, welchen sie seit der Erweiterung der Rübenzucker-Production 
verloren, wieder gewinnen können; ungeachtet der Erhöhung der Rüben 
zuckersteuer scheint doch dessen Production keinesweges abgenommen zu 
haben, sondern immer noch günstiger gestellt zu sein, als das Indische Pro 
duct bei einem Zolle von 5 Thlm. auf den für Siedereien eingehenden Roh 
zucker. Die meistep Berliner Raffinerien haben die Verkochung des Rohr 
zuckers aufgegeben und damit auch den Export des raffinirten Productes 
verloren, da die Ausfuhr-Bonification nur der Raffinade aus Rohrzucker ge 
währt wird. 
16. Tabackshandel und Fabrication. 
Ohne wesentliche Veränderung im Jahre 1854. 
17. Papier-Fabricafion und Handel. 
Der Absatz hat unter den Zeitverhältnissen gelitten. Der Absatz von 
Dachpappen, einem von Berlin ausgegangenen Artikel, hat zugenommen. In 
ordinären Pressspänen wurde vielleicht mehr als sonst verkauft, dagegen 
hat sich der frühere Absatz der feinen Pressspäne nach Russland ganz 
verloren. 
18. Lederfabrication und Handel. 
Der Umfang des Handels in rohen Wildhäuten war etwa um ein Dritt- 
theil gegen den des Jahres 1853 reducirt; es kam weniger rohe Waare nach 
dem Kontinent, sie reichte aber für die wesentlich beschränkte Fabrication, 
welche hinter der des vorhergehenden Jahres in Berlin noch auffallender 
zurückblieb, vollkommen aus. Auf die Qualität der Fabrikate wurde wenig 
Werth gelegt, und daher hat, ungeachtet die militairischen Bedürfnisse dem 
Absätze günstig waren, nie ein solches Missverhältnis im Preise zwischen 
roher und gahrer Waare stattgefunden. Der Grund der gedrückten Preise 
ist lediglich in der allgemeinen Theuerung zu suchen. 
Der Absatz deutscher, roher Häute vermehrte sich durch den auswär 
tigen Bedarf um ungefähr 50 pCt. In den Kalbfellen ist der Umsatz bei 
steigenden Preisen kaum je so gross gewesen, als 1854. Von gahrer Waare 
ging viel Fahlleder nach Oesterreich. Die besseren Qualitäten hoben sich 
weniger im Preise, in geringeren Qualitäten war die Steigerung merklicher. 
Als ein wesentlicher Grund des Missverhältnisses der Preise der rohen 
und der fertigen Waare, zumal in Betreff der Wildhäute, ist für den öst 
lichen Theil der Monarchie und für Berlin der immer grössere Mangel an 
gutem Gerbematerial anzusehen. 
19. Wachstuch- Fabrication. 
Auch diese Fabrication litt unter den politischen Verhältnissen und 
der Theuerung; die sonst nicht geringe Ausfuhr hat schon länger aufgehört, 
weil namentlich England billigeres Material hat und weniger Werth auf die 
Güte des Fabrikates legen soll. Die dieneren Getreidepreise haben einen 
wichtigen Hilfsstoff der Fabrication, das Mehl, vertheuert. 
20. Möbel- und Spicgelhandcl. 
Ungeachtet der ungünstigen Verhältnisse hat diese Industrie, welche in 
den Provinzen, wie im Auslande eine gerechte Anerkennung geniesst, doch 
im Ganzen einen günstigen Gang genommen und einer grossen Zahl üeissi- 
ger und geübter Arbeiter Beschäftigung gegeben. 
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