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Periodical volume Handel und Gewerbe

Full text: Berliner statistisches Jahrbuch Issue 1854

93 
Zwölftes Kapitel. 
Handel und Gewerbe. 
Dem von den Aeltesten der Kaufmannschaft veröffentlichten „Bericht 
über den Handel und die Industrie von Berlin im Jahre 1854 '• sind nach 
stehende Angaben entnommen: 
Theuerung der Lebensmittel, Stockung überseeischer Handelsbeziehun 
gen und Ungewissheit der politischen Zukunft wirkten drückend auf einen 
grossen Thcil der Industrie. Nur wenige Handelsgeschäfte zogen mehr als 
gewöhnlichen Vortheil aus diesen Konjunkturen, wie der Produkten- und 
Spiritus-Handel; andere, wie der Fonds-, Aktien- und Wechselhandel ge 
wannen auf der Einen Seite, was sie auf der anderen verloren; andere, wie 
der Maschinenbau, der Handel mit Eisen und anderen Metallen, und das 
Assekuranzgeschäft, erhielten sich wegen des dauernden Bedürfnisses auf 
ihrer Höhe; noch andere, wie der Kolonial- und Materialwaarenhaudel, sahen 
sich auf das lokale Bedürfniss beschränkt. Die fabricirende Industrie wurde 
mit wenigen Ausnahmen vom Drucke der Zeit heftig afficirt. Die Lebens- 
raittel-Theuenmg, in Verbindung mit erhöhten Steuern und steigenden Mie- 
then, nöthigte die Familien zur Einschränkung, so dass die Fabrication selbst 
bei den gedrücktesten Preisen nur wenig Absatz fand. Die Stockung des 
Absatzes auf den überseeischen Märkten traf besonders den Tuchhandel und 
die Seiden-Industrie; die letztere hatte zugleich mit grosser Konkurrenz 
ßheinischer und Schweizer Waaren zu kämpfen, die in Amerika nicht ver- 
werthet werden konnten und nach Europa zurückgeführt, zu den niedrigsten 
Preisen abgelassen wurden. 
Die Ungewissheit der politischen Lage war Ursache, dass das Gefühl 
der Sicherheit und Unternehmungslust, welche am meisten Handel und Ge 
werbe befruchten, nicht vorhanden war. Die Ostseeblokade beeinträchtigte 
den Handel mit Russland, das russische Verbot der Geldausfuhr brachte 
Nachtheile, die Occupation der Donaufürstenthümer schnitt mehreren In- 
dustrieen, namentlich den Manufakturen und den Möbeln den sonst bedeu 
tenden Markt ab. Dagegen nahm der Landhandcl mit Russland zu, und 
die militairischen Bedürfnisse Oesterreichs, zum Theil auch seine minder 
günstige Ernte zogen Häute, Leder und Produkte des Landbaues nach den 
Gegenden, wo die Truppen concentrirt waren. 
Die russische Zollermässigung hat auf den gesetzlichen Verkehr bisher 
nicht eingewirkt; die englischen Steuern und Zölle erschweren dem hiesigen 
Papier und der Seide den Eingang; der Handel mit Oesterreich wird durch 
die abnormen Verhältnisse seiner Valuta behindert. Erfreulich zeigen sich 
die Wirkungen der Erweiterung des Zollvereines über Hannover und 
Oldenburg. 
Heber die besonderen Geschäftszweige finden sich wesentlich folgende 
Mittheilungen: 
1. Getreidchandcl. 
Die grosse Bedeutung dieses Handelszweiges ergibt sich, wenn man die 
im Jahre 1854 hier im Handel verbliebenen Quanta nur zu massigen Mittel 
preisen auswirft, nämlich:
        
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