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Volume Nr. 1, Januar 1910

Full text: Anzeiger für Architektur, Kunsthandwerk und Bau-Industrie (Public Domain) IssueXIII.1910 (Public Domain)

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Anzeiger für Architektur, Kunsthandwerk und Bau-Industrie. 
Nr. 1. 1910. 
Sammlung von Skizzen, die] Kimbel im Jahre 1908 auf einer Reise durch 
Süddeutschland, Österreich und Italien in der stattlichen Größe von 
30/45 mit lithographischer Kreide gezeichnet hat; Werke von groß 
zügiger Auffassung und höchst gewandter Darstellung. Nebentafel 2 
enthält Beispiele seiner zeichnerischen Darstellung von Möbelentwürfen. 
Die Abbildungen auf Seite 7 und auf Tafel 9 des Hauptblattes zeigen 
ausgeführte Werke Kimbels, die sich sämtlich ebenso durch vornehme 
Formgebung wie eine überaus gediegene technische Herstellung aus 
zeichnen. 
Zu dem wichtigen Streite über die beste Vorbildung des Handwerkers 
und des Kunsthandwerkers möge der Meister, als einer der Berufensten, 
im folgenden selbst das Wort nehmen; 
„Es mag eine Zeit gegeben haben, wo man die Schulen unterschätzte. 
Das muss aber schon recht lange her sein; denn seit Jahrzehnten haben 
wir in Deutschland die Gewohnheit, in immer steigendem Maße den 
Wert des Schulwesens und besonders unseres gewerblichen Schulwesens, 
weit zu überschätzen. 
Was ich gelernt habe, habe ich in meinem Berufe gelernt, von 
tüchtigen Meistern, deren es trotz der Schulen noch gibt. 
Die persönliche Erfahrung, jedes Erlebnis in meinem Berufe liess 
mich immer wieder das große Glück erkennen, das darin lag, dass ich 
wohl bei manchem Meister in die Schule gegangen, aber nie auf einer 
unserer Kunstgewerbeschulen gewesen bin, um meinen Beruf zu erlernen. 
Allen denen, die mit einer literarischen Energie ohne gleichen die 
Überlieferung im Handwerk beseitigen wollen, steht mein persönliches 
Erleben scharf entgegen, und ich halte es für meine Pflicht, diese Ge 
legenheit zu benutzen, um das klar und deutlich auszusprechen'. 
In der Familie, deren Namen ich trage, ist die Ausübung des Tischler 
handwerks seit drei Generationen überliefert, und alle diejenigen meiner 
Vorfahren, die den Beruf ausübten, haben in ihm die volle Befriedigung 
und volles Ausleben ihrer Kräfte gefunden. Jeder Einzelne unter ihnen 
stand auf seinem Platze und wusste ihn auszufüllen. Es erschien selbst 
verständlich, dass ich, als sich die ersten Zeichen künstlerischer Be 
fähigung bei mir zeigten, in die Werkstatt kam und nicht auf die 
Schule. Ich lernte meinen Beruf in Hamburg und in der Werkstatt 
meines Vaters in Breslau, und dieser im Grunde so einfache Bildungs 
gang hat es mir ermöglicht, schon mit 18 Jahren auf eigenen Füßen zu 
stehen. 
Von künstlerischen Gesichtspunkten will ich nicht sprechen, auf 
sie kommt es bei der Erziehung zum Handwerk nicht in erster Linie an. 
Je mehr sogenannte künstlerische Gesichtspunkte wir dem Bildungsgang 
unserer jungen Leute aufpfropften, desto weniger brauchbare Meister 
erzogen wir, und desto mehr tüchtige Kräfte entzogen wir der Werkstatt. 
Das richtige Alter, als Lehrling in die Werkstatt zu treten, sind 
14 oder 15 Jahre. Es ist ein Aberglaube, anzunehmen, die künstlerischen 
Fähigkeiten, die in einem Lehrling in seltenen Fällen schlummern mögen, 
könnten sich in der Werkstatt nicht entwickeln. Sie entwickeln sich 
dort erst recht und viel gesünder und auf einer viel festeren Grundlage, 
als sie unser ganzer Schulunterricht auf den Kunstgewerbeschulen je 
zu bieten vermag. Wir erziehen vielleicht auf diesen Schulen recht 
mäßige Atelierinhaber, aber niemals Handwerksmeister, ein 
Stand, der dank unserem verfehlten gewerblichen Schulwesen mit ziem 
licher Sicherheit aussterben wird, wenn wir nicht schleunigst beginnen, 
die sehr einfachen Gesetze handwerksmäßiger Ausbildung 
wieder zu befolgen. 
Genau so, wie der Arzt nur vom Arzt ausgebildet werden kann, 
der Architekt nur vom Architekten, so kann der Handwerker nur von 
seinesgleichen geschult und ausgebildet werden, und der einzig richtige 
Platz hierfür ist die auf Bestellung arbeitende Werkstatt, mit ihrem 
Meister, ihren Gesellen und ihren Lehrlingen. 
Alle unsere Bemühungen, dem Handwerk aufzuhelfen, müssen hier 
einsetzen. Bis jetzt ist das nicht geschehen, man hat vielmehr die schäd- I 
liebsten Dinge bevorzugt in der Vorstellung, in ihnen Heilmittel gefunden 
zu haben. 
Eine besondere künstlerische Ausbildung mag dem ausgebildeten 
Handwerksgesellen, wenn er für sie befähigt ist, auf einer Schule zuteil 
werden, obwohl ich mir davon nicht allzuviel verspreche. Ich halte 
in der Kunst wie im Handwerk alle Schulen für Krücken, die eine Zeit 
lang tragen mögen, die aber, wenn man sie wegnimmt, nur beweisen, 
dass der unglückselige Famulus durch diese Krücken verlernt hat, auf 
seinen eigenen Beinen zu stehen. 
Ich bin mir vollständig bewusst, dass die kleine hier dargebotene 
Zahl von Blättern hier zum Gesagten nur wenig zu beweisen vermögen. 
Wenn sie veröffentlicht werden, so geschieht es aus der Überzeugung 
heraus, dass ich in der Entwicklung nie hätte vorwärts kommen können, 
wenn mich mein Vater, wie das heute üblich ist, jahrelang auf eine unserer 
zahlreichen Kunstgewerbeschulen statt in die Werkstatt getan hätte. 
Vielleicht dienen diese Zeilen dazu, dass sich aus den Reihen der 
praktischen Handwerker manche melden und durch ihre Erfahrung 
weitere Nachweise erbringen helfen, dass wir uns mit unseren Schulen 
auf einem falschen Wege befinden. Der Weg führt nicht vom Künstler 
zum Handwerk herunter, wie es heute beliebt wird, sondern durch 
das Handwerkhinauf zum Künstler. Erreicht der Hand 
werker dieses letzte Ziel nicht, so wird er stets im Handwerk den festen 
Boden finden, der ein goldner ist, heut allerdings bedeckt mit viel theore 
tischem Unrat. 
Man gebe dem Handwerk, was des Handwerks ist!“ 
Auch wer diesen markigen Ausführungen nicht in allem beipflichten 
mag, — die Schulen ganz auszuschalten, geht heut nicht mehr an; sie 
werden Gutes wirken, wenn sie Tüchtiges zweckentsprechend lehren — 
muss sich des Guten, das sie enthalten, freuen und wünschen, dass es 
weithin gehört werde. 
Paul Graef. 
Museen. 
Von Ernst Schur. 
Eine der vornehmsten Aufgaben der Zukunft für die Baukunst 
wird darin bestehen, den neuen Typus des modernen Museums zu prägen. 
Solche typischen Aufgaben werden ihr jetzt vornehmlich gestellt; das 
Miethaus, das Landhaus, das Theater der Gegenwart. Immer sind das 
Probleme, die der Lösung harren, die auf die besonderen Bedürfnisse 
der Gegenwart Rücksicht nehmen muss. Die Kunstwissenschaft hat 
ihre Entwicklung wie die Kunst. Die Kunst ist die Führerin. Gerade 
in der heutigen Zeit ist dieser Zusammenhang wahrzunehmen. Die 
Wissenschaft entwickelt sich langsam, sie leistet schwerfällig Folge. 
Sie vermittelt einer größeren Mehrheit die Ergebnisse. Darin liegt ihr 
Nachteil und ihr Vorteil. Der Vorteil: sie stellt ziemlich unumstößliche 
Errungenschaften fest und leistet für sie Gewähr. 
Die neuen Museen, die für Berlin geplant sind, werden, sofern sie 
zur Verwirklichung kommen, das künstlerische Ansehen der Stadt um 
ein Bedeutendes heben. Es wird damit die Summe einer Entwicklung 
mit kühner Selbstverständlichkeit gezogen. Das deutsche, das asiatische 
Museum, das sind Pläne, deren Notwendigkeit jeder begreift, der die 
Kunstentwicklung des letzten Jahrzehnts mitgemacht hat. Im geheimen 
regten sich diese Gedanken schon allenthalben. Die Kenntnis der chine 
sischen und der japanischen Kunst breitete sich immer umfassender aus. 
Und mit dem Plan der Gründung eines asiatischen Museums liebäugelten 
schon Privatsammler. Der Einfluss dieser fremden, fernen und uns in 
ihrer Schönheit doch so nahen Kunst auf die europäische Anschauung 
machte sich immer entscheidender und nachhaltiger geltend. 
Und wer die tieferen Gedanken der Zeit spürt, wird wissen, dass 
sich allmählich ein Hinneigen zur frühen, deutschen Kunst vollzieht, 
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