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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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LANDESPLANUNG 
FINE BESONDERS WICHTIGE AUFGABE DER BERLINER BAU-AUSSTELLUNG 
Diese Ausstellung darf nicht nur dem Reklamewesen für 
Baustolle dienen, sondern sie muß Deutschland neue Wege weisen. 
Baupoiitik muß heute weitsichtiger getrieben und der alte engere 
Begriff des Städtebaues durch den modernen Begriff der Landes 
planung ersetzt werden. Hier sei an das erinnert, was Professor 
C. Oppenheimer „die programmatische Aufgabe der nächsten Zu 
kunft“ nennt (vgl. „Das Tagebuch“, Berlin, 24. III. 1928); 
„Im Jahre 1926 haben wir fast zwei Milliarden für Dinge, 
die wir bei vernünftiger Organisation unserer Landwirtschaft 
zum allergrößten Teile bei uns hätten herstellen können, aus 
gegeben . . . Wir haben bisher das kaufmännisch falsche Prinzip 
verfolgt, das Billigste seihst herzustellen, nämlich Getreide, das 
Teuerste aber draußen zu kaufen, nämlich die landwirtschaft 
lichen Edclprodu.kte, Fleisch, Fett, Geflügel, Milch, Käse, Eier, 
Gemüse, Obst, ferner Häute und Wolle. Es bedarf einer Um 
schichtung unserer Bodenverhältnisse. Einerseits müssen die schlecht- 
organisierten Mittelhetriehe zusammengelegt werden zu einheitlichen 
durchaus industriell und maschinell betriebenen Riesenbetrieben. 
Die darin tätigen — nicht voll zu beschäftigenden — Arbeiter 
sind gleichzeitig gärtnerische und vichzüchtcnde Siedler, denen 
man die Wege und Mittel weist, um marktreife Qualitätsware 
an Obst, Gemüse, Geflügel, Fleisch, Milch und Milchprodukten 
zu erzeugen. Wo eine solche Umorganisicrung nicht möglich 
oder nicht ratsam ist, werden freie Bauern eingesetzt, mit der 
selben Richtungsweisung auf Edelprodukte und derselben 
Organisation der Produktion und Distribution. In der Nähe 
der Großstädte und Industrien werden Gärtner und Klein 
siedler aus Arbeiterkreisen angesetzt. . . . Wir brauchen . . . An- 
sicdlung von vielen hunderttausend Menschen mit arbeitsfreu 
digen Händen für die Erzeugung von Edelprodukten, sei es als freie 
Bauern, sei es als Erbpächter auf Staatsbesitz, sei es als gärtnerisch 
angesiedelte Gutsarbeiter in genossenschaftlichem Verbände“. 
Die Bau-Ausstellung sollte nicht nur Vorschläge für die „Um 
schichtung unserer Bodenverhältnisse“, sondern auch prak 
tische Vorschläge für die bauliche Gestaltung der neuen land 
wirtschaftlichen Riesenbetriebe mit ihren Neben- und Verkehrs 
anlagen, sowie Typen der verschiedenartigen Bauernhöfe Vor 
fahren, die in der nächsten Zeit zu hunderttausenden in Deutsch 
land gebaut werden müssen, wenn Deutschland seine gegen 
wärtige Krisis überwinden soll. W. H. 
NOCH EINMAL HOCHHAUS UND CITYBILDUNG 
VON GUSTAV H-LEO, HAMBURG 
Im Aufsatz: „Vertikal- und Horizontalvcrkchr, ein Beitrag zur 
Frage Hochhaus und Citybildung“in„Städtebau“ Heft 3 sind auf 
Seite 62 einige Ergänzungen und Berichtigungen vorzunehmen. 
Es muß statt „Abb. 4“ heißen: „Abb. 4 und 5“, und zwar 
ist Abb. 5 aus der vorhergehenden Abb. 4 durch Einführung einer 
höheren Geschwindigkeit für die über 72 m liegenden Stockwerke 
entstanden (Kurve I und II). 
Der letzte Absatz auf Seite 62 ist unter Anfügung der hier 
nachgefügten Abb. 5a wie folgt zu fassen; 
„Die Abb. 5 a zeigt die berechneten Größen der reinen Ge 
schäftsstadt für 560000 Berufstätige bei wachsenden Bauhöhen 
und bei Berücksichtigung des mit den Bauhöhen gemäß Abb. 4 
und 5 infolge der Aufzüge zunehmenden Verlustes an Geschoß- 
nutzflächc. 
Auf der horizontalen Achse sind die von 24 m bis 144 m 
anwachsenden Bauhöhen, darüber als Ordinaten die zugehörigen 
Größen der GeSchäftSstadt angegeben: 
ßß: bei gfe/ebem far/usfan ÄWzfOcM von f/%. 
CO:be/ fer/ust enitV* b,&m/sec- 
C£: • • ' Y'tS’ • für SVm- ÜSm +PZm hob* Häuser. 
• - - 96 - 120 • fm - ' 
CH * • W* P2 * * 
V*w • ' ' 9* * m * f¥¥- - 
Es bezeichnen: 
Kurve C D die Flächengrößen bei Aufzugsgeschwindigkeit 
v=3,o m/sec. 
„ CE die Flächengrößen bei Aufzugsgeschwindigkeit 
von v=i,5 m und v = 3,0 m/sec. (über 72 m Höhe). 
„ CF die Flächengrößen bei Aufzugsgeschwindigkeit 
von v=o,5 m und v = i,o m/sec. (über 72 m Höhe). 
Während bei diesen Kurven von einem Verlust an Geschoß 
fläche von 25% (für Mauern, Wände, Treppen, Aufzüge usw.) 
beim 24 m hohen Geschäftshaus ausgegangen ist und das Wachsen 
des Verlustes infolge der Aufzüge nach Abb. 4 und 5 für die 
größeren Bauhöhen berücksichtigt wurde, ist zum Vergleich 
in der Kurve A B ein für alle Bauhöhen gleicher Verlust von 
nur 11% (s. S. 61) berücksichtigt. 
Für die dargestellten Kurven ist. gemeinsam und charakte 
ristisch, daß die Ausdehnung der City mit wachsender Bau 
höhe immer langsamer abnimmt, entsprechend dem Aufbau 
der Formel 2 (S. 61). Bei Steigerung der Bauhöhe über 72 m ist von 
einer nennenswerten Ersparnis an Fläche kaum noch zu sprechen, 
(In Kurve AB von 72—144m: 10,7ha; in Kurve CD: 
8,8ha; in Kurve CF; nur 5,85 ha). 
Nach der Kurve C F nimmt bei geringer Aufzugsgeschwindigkeit 
die Citygröße während des Anwachsens der Bauhöhe von 120 auf 
144 m sogar wieder zu; die Kurve steigt nach oben. Der richtig be 
rechnete Mehraufwand an Aufzugsfläche zehrt die Ersparnis an 
Cityfläche wieder auf und überschreitet schließlich diese Ersparnis. 
Das wesentliche, durch Abb. 5 a erläuterte Ergebnis der 
ganzen Untersuchungen der Beziehungen des Vertikal- und 
Horizontalverkehrs bestätigt und verstärkt also die folgende, 
mehrfach an anderen Stellen schon hervorgehobene Behauptung; 
Die Ersparnis an Cityfläche wird insbesondere bei Berücksichti 
gung der Aufzugsfläche mit der Steigerung der Bauhöhe verhältnis 
mäßig immer geringer; eine über das im Einzelfall näher festzustel 
lende Maß hinaus gehende Steigerung ist weder durch diese Erspar 
nis noch im Hinblick auf die erheblich sich erhöhenden Baukosten 
für die Hochbauten und für die mehr zusammengedrängten Ver 
kehrsanlagen gerechtfertigt. Oberbaudirektor Gustav H. Leo
	        
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