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Volume H. 3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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Abb. 5 bis 7 / der Gartenstadt Plessis-Robinson bei Paris ] Links: ‘Typengrundriß B / Erd- und Obergeschoß 1:200 / Rechts: Straßenbild 
Architekt: Maurice Payret-Dortail 
Die meisten Neuerungen sind aber der Küche zugute ge 
kommen. An jede Küche ist eine Spüle angcschlossen (vgl, die 
Grundrisse). Diese Anordnung ist nur in ihrer Durchführung 
neu, nicht aber ihrem Grundgedanken nach, denn die in Nord 
frankreich landesüblichen „Hinterküchen“ dienen schon seit jeher 
allen Spül- und Wascharbeiten im Haushalt. Die Spül- und 
Waschräume in Plessis-Robinson besitzen wasserdichten Fuß- 
bodcnbelag mit Abfluß; auch die Aufstellung eines Gaskochers 
ist hier ohne weiteres möglich, so daß im Sommer die Küche 
selbst kühl gehalten werden kann. Zu der Ausstattung des 
Waschraumes gehört ferner je ein Gasapparat zur Bereitung 
von Heißwasser, mit dem joo Liter Wasser je Stunde zum Sieden 
gebracht werden können. Schließlich ist auch eine Badewanne 
vorhanden, was für Paris eine wichtige Neuerung bedeutet; gilt 
dort doch das Badezimmer noch als Luxus und pflegt als solcher 
bei der Vermietung besonders berechnet zu werden. 
Eine weitere erfreuliche Neuerung in der Spüle ist ein ein 
facher Müllschlucker. Die Entfernung des Mülls erfolgt hier 
durch die vergrößerte Öffnung des Abflußbeckens (Svier); der 
Müll rutscht in einen eisernen Behälter und wird von dort unter 
irdisch in die Kanalisation geschwemmt. So erübrigen sich die 
höchst unhygienischen Müllkästen, für die man sonst bisher 
keinen Ersatz hatte. Was der Fortfall der Müllkästen für Frank 
reich bedeutet, wird jeder ermessen können, der z. B. in Paris 
vor acht Uhr morgens durch die Straßen geht und sich die 
Schienbeine an den überall mitten auf dem Bürgersteig stehenden 
Müllkästen wundstößt. Die Gartenstadt Plessis-Robinson bleibt 
dank der geschilderten Müllbcscitigung auffallend sauber, trotz 
dem die Straßenreinigung selbst dort noch unvollkommen ist. 
Hervorzuheben sind weiter die außergewöhnlich breiten 
Fensteröffnungen, der fugenlose Stabfaßboden in den Wohn 
zimmern, so daß sich kein Staub in den Ritzen ansammeln kann, 
Ersatz des leicht verletzbaren Fliesenbodens in den Küchen durch 
den waschbaren „Granito“-Fußboden usw. 
In der äußeren Gestaltung der Häuser ist ein Nachhall der 
Kunstgewerbe - Ausstellung in Paris von 1925 zu spüren 
(Abb. I, 7, 9 und 10). 
Eine geringfügige, aber den mitteleuropäischen Besucher sehr 
angenehm berührende Neuerung, ist die Einführung der Tür 
klinke. Weiß Gott, man bekommt nach einem längeren Aufent 
halte in Frankreich die ewigen unpraktischen Türknöpfe satt! 
Alles in allem, die Gartenstadt von Plessis-Robinson ist sehens 
wert, und man kann dem Architekten die Anerkennung zollen, 
daß er mit den sehr beschränkten Mitteln, die ihm zur Ver 
fügung standen, etwas Rechtes anzufangen wußte. Sein Werk 
wird der am besten zu schätzen wissen, der die haarsträubenden 
Bauten in verschiedenen Teilen der Pariser Umgebung kennt. 
Im übrigen scheint die neuzeitliche und hygienische Ein 
richtung der Gartenstadt Plessis-Robinson auf die Bewohner 
auch erzieherisch gewirkt zu haben. W’ährend es anderswo von 
Schmutz und Verwahrlosung starrt, sieht man hier Sauberkeit, 
Ordnung und die Entfaltung eines gewissen Schönheitssinnes, 
wie z. B. vielfach Blumen an den Fenstern. 
Friedrich Klein, Paris 
Abb. 8 / Aus der Gartenstadt 
Plessis-Robinson bei Paris 
Architekt: Maurice Payret-Dortail 
Typengrundriß F, Maßstab 1:200 
S. C. — Wohnküche 
CH. = Schlafzimmer 
LAV. — Spüle
	        
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