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Volume H. 3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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L’ Enfant 
25 «Ha' j6 ( Plätze und Straßenkreuzungen in Evelyns drittem Plan für London (links) und in VEnfants Plan für Washington 
Vgl. die Abbildungen 6, 7, 8 und 14 
tragen), In Washington beträgt die entsprechende Entfernung 
vom Capitol zum Weißen Hause fast genau 1200 Toisen, und es 
ist klar, daß von L’Enfant diese genaue Entfernung beabsichtigt 
war. Die kleinen Seiten des Dreiecks messen fast genau 300 
bzw. 450 Toisen. 
Auch bei den verschiedensten Einzelheiten ergeben sich sehr 
enge Beziehungen. Die achsiale „Grand Avenue“ in Washington 
war von L’Enfant in einer Breite von 400 Fuß entworfen, was 
fast genau der Breite der freien Fläche entspricht, die in Versailles 
von dem Kanal eingenommen wird. Die weitere Unterteilung 
der wichtigsten Radialstraßen (160 Fuß, wovon die Hälfte für 
den Fahrweg in Anspruch genommen wird) entspricht fast genau 
den Hauptwegen im Park von Versailles, z. B. der Avenue de 
Trianon, die im Plan von Versailles etwa die Stelle der Pennsyl 
vania Avenue in Washington einnimmt. 
Auch der Platz vor dem Capitol scheint in dem Plan L’Enfants 
durch den Ehrenhof des Versailler Schlosses beeinflußt zu sein, 
unter Einbeziehung der abgerundeten Ecken des Place de 
St. Loi^is. Aber dadurch, daß in L’Enfants Plan die Fläche 
des Cour Royal und des Cour des Minisires um das sechzehn- 
fache vergrößert ist, kommt ein ganz anderer Eindruck zustande, 
der so eigenartig wie großartig ist. Bei der Ausführung nach 
der Verabschiedung L’Enfants verlor der Entwurf viel von 
seiner Großzügigkeit. 
Bei der Durchführung des geschilderten Vergleiches ergab sich 
die bemerkenswerte Tatsache, daß L’Enfant wahrscheinlich nach 
Toisen gearbeitet hat und nicht mit dem damals bei amerikani 
schen Städtebauern üblichen Einheitsmaß von i6Vs Fuß. Eine 
überraschende Menge von Einzelheiten seines Planes ergeben bei 
Toisen, namentlich mit 6 und 60 vervielfacht, wie es damals in 
Frankreich üblich war, runde Maße. 
Diese kurzen Ausführungen über den Ursprung des Planes 
für Washington bedürfen noch einer Ergänzung durch einige Bc- 
Die Abbildungen 6, 7, 9, io, 11, sowie 15 und 16 sind wiedergegeben 
Architects ig27 
Über die von Peets am Schluß seines Aufsatzes angedeutete 
jetzige Durchführung von L'Enfants Plänen berichtet John Leo 
Coontz im Februarheft von „The American City“ u. a. folgendes; 
L’Enfant plante das Capitol am Ostende einer westöstlichen 
Achse, die sich dicht am jetzigen Standort des Washington- 
Denkmals mit einer nordsüdlichen Achse kreuzen und an deren 
Nordende das Weiße Haus sich erheben sollte. Das Washington- 
denkrtial selbst war genau im Schnittpunkt dieser beiden Achsen 
gedacht. 
„The Mall“ sollte nach L’Enfants Entwurf anderthalb Meilen 
(rd. 2,5 km) lang werden und sich schnurgerade vom Capitol 
bis zum Washingtondenkmal in einer Breite von 400 Fuß 
(rd. 120 m) erstrecken. Längs ihrer Parkanlagen sollten sich die 
öffentlichen Gebäude der Hauptstadt erheben. Um diesen 
ursprünglichen Plan L’Enfants jetzt noch so weit wie möglich 
durchzuführen, hat der Kongreß vor kurzem 25 Millionen Dollar 
zum Erwerb von Grundstücken innerhalb des Dreiecks zwischen 
der Pennsylvania Avenue, dem Capitol und „The Mall“ be- 
merkungen über den Wert der Plane, die L’Enfant als Vorbilder 
dienten. Evelyns dritter Plan (Abb. 8) ist, gemessen an den 
ästhetischen Forderungen der Renaissance oder an den Er 
fordernissen des heutigen Städtebaues nicht besonders wertvoll; 
daß trotzdem seine Ausführung für London eine Wohltat be 
deutet hätte, ist eine Sache für sich. Er mag L’Enfant zu den 
seltsamen schiefwinkligen Straßenkreuzungen und formlosen Frei 
flächen verführt haben (Abb. 15,16), die seinen Plan verunstalten. 
Der Wert des Planes für Versailles ist über jeden Zweifel er 
haben, aber Versailles ist ein Park und keine Stadt. Vielleicht 
hat gerade dieser Umstand zur Folge, daß L’Enfants Entwurf 
in mancher Beziehung einem Park besser anstände als einer 
Hauptstadt. Viele seiner Straßenkreuzungen, die in der Stein 
wüste der Stadt Verkehrsschwierigkeiten heraufbeschwören, 
wären als bloße Lichtungen in einem Park wohl harmlos. 
Besonders tragisch bei dem Schicksal von L’Enfants Entwurf 
ist es, daß seine Pläne für den großen Park im Herzen der Stadt 
fast restlos abhanden gekommen sind, und daß alle Andeutungen 
dafür in den verbliebenen Plänen kleineren Maßstabes bei der 
Ausführung völlig übersehen wurden. Zurzeit bemüht man 
sich, seine Hauptabsichten, soweit man sie erkennen kann, aus 
zuführen. Wenn das geschehen sein wird, wird der Besucher 
Washingtons wenigstens etwas von jener Schönheit spüren 
können, die L’Enfant vorschwebte. Heute aber kann selbst ein 
feinfühliger Städtebauer in Washington nur das Walten eines 
gewaltigen künstlerischen Willens ahnen. Der Stadtplan hat ein 
wunderbares Gerüst, das aber nur unvollkommen ausgeklcidct 
ist, das von Unverstand und Dummheit verdorben wurde und 
mit hohlem Pathos dort auftritt, wo es edle Stadtbilder und 
parkartig weite Ausblicke bieten sollte. 
Elhert Peets, Cleveland 
(Aus dem Englischen übertragen von Leo Adler) 
nach Skizzen von Elberl Peets in; Journal of the American Institute of 
(April und Mai) 
willigt (Abb. 14). Diese Mittel sollen dazu dienen, das ganze 
in Frage kommende Gelände restlos in Staatsbesitz überzuführen. 
Auch der Botanische Garten hinter dem Capitol (Abb. 17) soll 
mit einem Kostenaufwand von über 800000 Dollar verlegt werden. 
Weiter hat der Kongreß für Parkanlagen in Washington einen 
jährlichen Betrag von 600000 Dollar ausgeworfen. Damit soll 
ein geschlossener Parkgürtel um das Weichbild der Stadt ge 
schaffen werden, der seinesgleichen nicht habe ( „unsurpassed in 
beauty (i ). 
Beachtenswert ist es übrigens, daß die Pläne der von dem 
Kongreß mit der Planbearbeitung für Washington beauftragten 
,,National Capital Park and Flanning Commission“ bereits über 
das Weichbild der Stadt selbst hinausgreifen und weitergehende 
Planungen in engstem Einvernehmen mit den zuständigen Be 
hörden der beiden Staaten Maryland und Virginia bearbeitet 
werden. So z. B. sind die Pläne zu einem Nord-West-Park, der 
in das Gebiet von Maryland hinübergreift, bereits in gemein 
samer Arbeit fertiggestellt worden, A y
	        
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