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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

willen •— nicht beim Stadtbaurat, aber bei der Bürgerschaft 
und der noch mitredenden Leipziger Universität. 
So besteht denn die Gefahr, daß der künstlerische Erfolg des 
Bestelmeyer’schen Hochhauses (wie bedingt er auch sein mag) 
in den Dienst der Forderung rücksichtsloser Aufstockung ge 
stellt wird. Dagegen muß jeder kämpfen, der am eigenen Leibe 
den jämmerlichen Lichtmangel erlitt, der nicht nur in der Um 
gebung amerikanischer Hochhäuser, sondern auch schon in den 
älteren deutschen Geschäftshäusern mit ihren viel zu kleinen 
Höfen unvermeidlich ist. Es soll deswegen hier durch Skizzen 
(zu denen die Unterlagen durch Stadtbaurat Ritter, Leipzig, 
freundlich zur Verfügung gestellt wurden) gezeigt werden, welche 
ernsten Folgen das Hochhausbauen haben muß, auch wenn cs 
so bescheiden noch auf eine einzelne, kleine Stelle beschränkt 
bleibt wie bisher in Leipzig. Die beiden Schnitte zeigen, daß 
eine ganze Nachbarschaft, deren Belichtungsverhältnisse schlecht 
waren und schleunigst saniert werden müßten, nun durch das 
Hochhaus noch sehr verschlimmert worden sind. 
Es mag aussichtslos sein, auf der Grundlage der schwankenden 
künstlerischen Überzeugungen unserer heute noch formlosen 
Welt gegen das planlose Bauen von Hochhäusern zu Felde zu 
ziehen, aber jeder verständige Mensch muß ein Verbrechen 
darin erblicken, wenn auf Jahrzehnte und Jahrhunderte große 
Mengen von Büroarbeitern sich in schlecht beleuchteten und nie 
durchsonnten Büros ihre Augen und ihre Gesundheit verderben 
müssen, weil einmal ehrgeizige oder gewinnsüchtige Grund 
besitzer und Bauherren aus der Nachlässigkeit von Aufsichts 
behörden oder der Machtlosigkeit von Stadtbauräten finanzielle 
Vorteile oder Geschäftsreklame zu ziehen verstanden. 
Ähnliche Probleme wie in Leipzig stellen sich heute in jeder 
deutschen Großstadt ein, von denen viele, ähnlich wie traditions 
lose amerikanische Kleinst-Städte, heute ihre Daseinsberechti 
gung und Fortschrittlichkeit noch dadurch beweisen zu müssen 
glauben, daß sie Hochhäuser bauen. Stadtbaudirektor Arntz, 
Köln, der von uns um eine 
Meinungsäußerung gebeten 
wurde, antwortete: „Ich 
bin der Ansicht, daß große 
Plätze im Innern von alten 
Städten ihrer Größe be 
raubt werden, wenn aus 
der in der horizontalen 
Ausdehnung vorhandenen 
Größe des Raumes gefol 
gert wird, daß nun auch 
dieser Raum in der Höhe der 
Umbauung besonders stark 
ausgenutzt werden mußte. 
Die Kraft, die diesen Räu 
men heute z. T. noch fehlt 
(z. B. beim Kölner Neu 
markt), ist nicht durch eine 
plumpe Auftragung von. 
Massen in seiner Umwandung, sondern nur durch die Klarheit und 
Strenge in der Durchbildung der Wände zu erreichen. Alles andere 
bedeutet eine Kapitulation vor dem doch sonst so heftig (und oft 
verständnislos) befehdeten Amerikanismus. Es ist krasse Unlogik, 
den reichlichen Raum des Platzes in der Höhe rücksichtslos aus- 
zunutzen und dadurch für die Rückseite der Gebäude und die an 
schließende Hinterland- oder Nachbarbebauung um so schlimmere 
Verhältnisse zu schaffen. Wir streben in Köln mit unserer neuen 
Bauordnung eine bessere Durchlichtung und Durchlüftung der 
Innenstadt an. Wir Zonen einmal alle noch nicht wesentlich 
nach der bisherigen Bauordnung ausgenutzten Straßen der 
Innenstadt auf die noch überwiegend vorhandene dreigeschossige 
Bebauung herab mit entsprechender Beschränkung auch in der 
Flächenausnutzung, und wir erhöhen auch den Prozentsatz 
der erforderlichen unbebaubaren Freiflächen auch in der vier 
geschossigen Bebauung, sowie bei Geschäftsgebäuden, bei letz 
teren allerdings nur von 25 auf 30%, sonst aber von 25 und 35 
auf 40%, und durch einige andere Vorschriften. Mehr war zurzeit 
noch nicht zu erreichen, und die wirtschaftlichen Auswirkungen 
werden schon ganz außerordentlich sein. Im übrigen darf ich 
auch darauf hinweisen, daß das Turmhaus am Hansaring von 
mir seinerzeit nur deshalb zugdassen wurde, weil cs keine Ge 
bäude mit seinem Schatten trifft und an dieser Stelle (häßliche 
Eisenbahnüberführung) der ausdruckslosen und geschäftlich 
toten Ringstraße in einem Gelenkpunkte mit einem Schlage 
Leben und Kraft gab und die Häßlichkeit der Situation in den 
Reiz der dynamischen Zusammenwirkung der Turmsenkrechten 
mit der wagcrechten Eisenbahnüberführung verwandelte.“ 
Soweit Stadtbaurat Arntz. 
Wir werden in Zukunft in steigendem Maße alle Gut 
gesinnten auf unserer Seite haben, wenn wir Licht und Luft für 
das wachsende Heer der Kopfarbeiter zu erkämpfen versuchen. Wo 
immer ein gewissenhafter Sonnenbdeuchtungsplan die Aufstellung 
eines Hochhauses ohne Überschattung der Nachbarschaft gestattet, 
möge es gebaut werden. 
Wenn ein reicher Bauherr 
und ein kühner Baumeister 
cs zum stolzen Wahrzeichen 
eines Stadtviertels macht, 
verdienen beide Ruhm. 
Wenn ein wirtschaftlicher 
Machthaber aus der Reihe 
tanzen muß, dann muß ihm 
selbstverständlich Platz ge 
macht werden. Selbstver- 
Die punktierte Linie deutet die 
Fläche an, die bei einem gewis 
senhaften Sonnenbdeuchmngs- 
plane von Gebäuden eigentlich 
ganz frei gehalten werden 
müßte ( bezüglich im Südwesten 
nur ganz flach bebaut werden 
dürfte).
	        
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