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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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Ein geringer Fortschritt zur einheitlichen 
Behandlung der städtebaulichen Fragen im 
Gebiet der eigentlichen Unterweserstädte 
ist 1924 durch die Zusammenfassung der 
Gemeinden Lehe, Geestemünde, Wulsdorf, 
Schiffdorfcrdamm und Weddewarden zum 
Stadtkreis Wesermünde erzielt worden. 
Jedoch bleibt diese Zusammenfassung vom 
städtebaulichen Standpunkt aus immer nur 
ein Fragment, wenn nicht eine einheitliche 
städtebauliche Planung für das ganze wirt 
schaftlich zusammengehörige Gebiet ein 
schließlich Bremerhaven, der anschließen 
den Teile der Landkreise Lehe und Geeste 
münde (Langen, Spaden, Schiffdorf) und des 
Landes Wührden erreicht wird. Das geht 
aus dem in der Abb. 3 gezeigten Flachenauf- 
teilungsplan der Stadt Wesermünde hervor. 
Als natürliches Wohngebiet kommen 
hier nur die höhergclegenen, stark ver 
ästelten Teile des Geestlandes in Frage, 
so daß mangels solcher im unmittelbaren 
Anschluß an die vorhandenen Wohngebiete 
von Lehe und Geestemünde an den Ufern 
der Geeste die „Entwicklung nach Langen, 
Spaden und Schiffdorf gehen muß, wo hochgelegene Geestrücken 
sind (vgl. Abb. 2, Meßtischblatt von 1925, in dem die neuesten 
Veränderungen — Verlegung des Bahnhofs Wesermünde, 
Fischereihafen-Erweiterung usw. — noch nicht enthalten sind). 
Welche besonderen Gründe für die Anlage des Flughafens 
ira Nordwesten der Unterweserstädte auf Bremcrhavcner Gebiet 
sprachen, ist uns nicht bekannt. Städtebaulich wäre jedoch 
seine Anlage im Zentrum des ganzen Gebiets an der Geeste 
richtig und technisch möglich gewesen. 
Eine städtebaulich-planmäßige Verbindung des Wesermünder 
Arbeiterwohnviertels Lehe mit seinen Arbeitsstätten auf Bremer- 
havener Gebiet und die Ausweisung von Erholungsflächen nach 
einheitlichem Plane werden durch die territorialen Grenzen 
Bremerhavens verhindert. 
Ähnlich wie im Gebiet der eigentlichen Unterweserstädte 
liegen die Verhältnisse im Gebiet von Vegesack (Abb. 1). Auch 
hier scheitert die planmäßige Behandlung der Industrie- und 
Wohnsiedlungsfrage, der Verkehrsfragen 
usw. an den Hemmungen durch die terri 
torialen Grenzen. Zu ihrer Beseitigung ist 
eine städtebauliche Planung, die außer 
Blumenthal, Vegesack, Aumund und Grohn 
auch das Gebiet der preußischen Gemeinden 
Farge, Rönnebeck, Lüssum, Beckendorf, 
Hammersbeck, Lobbendorf, Schönebeck 
und die oldenburgischen Gemeinden gegen 
über Blumenthal umfaßt, notwendig. 
Auch das stadtbremische Gebiet mit 
Hemelingen ist unter den gleichen Gesichts 
punkten zu behandeln. 
Wenn man auch nach dem Vorhergesagten 
eine das gesamte Unterwesergebiet von 
Bremen bis zur Mündung umfassende 
Landesplanung zunächst nur bezüglich der 
Hafenanlagen mit einer den bestehenden 
Verbänden nachgebildeten Organisation zu 
fordern braucht, so erscheint uns doch für 
die obengenannten (wirtschaftlich zusam 
mengehörigen, nur durch politische Zu 
fälligkeiten gegliederten) Einzelgebiete (die 
eigentlichen Unterweserstädte Vegesack 
und Bremen-Stadt) eine feste Form der 
städtebaulichen Zusammenarbeit auf der Grundlage des von 
dieser Landesplanungsorganisation aufzustellenden General 
hafenplanes dringend notwendig, etwa in der Art, wie sie in 
anderen Bezirken bereits vorhanden ist (vgl. die Großstadt 
gruppe Beuthen-Gleiwitz-Hindenburg). 
Nur auf dem festen Untergrund solcher städtebaulich-tech 
nischen Planung, deren ungestörte Entfaltung als erstes sicher- 
gestellt ist, kann einer Entfaltung der Kräfte in den hier ge 
nannten Einzelgebieten über die örtlichen Grenzen hinaus zu 
einem Wirtschaftsorganismus gedient und die Entwicklung der 
besonderen natürlichen Fähigkeiten dieser Organismen ermög 
licht werden. Auf dieser Grundlage, die erst manche Einzel 
fragen klärt und übersehbar macht, lassen sich dann auch am 
sichersten und besten die Lösungen für die verschiedenen politi 
schen Fragen an der Unterweser finden. 
Magistratsbaurat Dr.-lng. Helhnnt Delius, 
Berlin- 7empelhof 
Abb. 4 / Lageplan vom unteren Weser- 
gebiete, der besonders die zu Bremen ge 
hörigen Gebiete (schraffiert) zeigt 
DIE BERLINER S T R A S S E N R E I N I G U N G 
Alle Fremden, namentlich die zahlreichen Ausländer, die im 
Laufe der letzten Jahre in steigendem Maße Berlin einen Besuch 
abgestattet haben, sind des Lobes voll über die Schönheit der 
gärtnerischen Anlagen und Schmuckplätzc und die Sauberkeit 
der Straßen der kraftvoll sich entwickelnden deutschen Reichs 
hauptstadt. Welcher Aufwand an Arbeit und Kosten jedoch 
erforderlich ist, und welche Kräfte unermüdlich am Werke sind, 
um diesen Ruf Berlins als sauberste Stadt des Kontinents auf 
recht zu erhalten, mögen die folgenden Zahlen erläutern: 
105 Waschmaschinen und 104 Kehrmaschinen stehen neben 
einem Heer von rund 2700 Straßenreinigern zur Verfügung, um 
jeden Morgen erneut mit dem Hcraufdämmern des jungen Tages 
erfolgreich den Kampf gegen Schmutz, Papierabfälle, Unrat usw. 
aufzunehmen. Zur Vermeidung der Staubentwicklung in den 
Straßen werden im Laufe eines Jahres allein 700000 cbm Wasser 
benötigt, die durch 297 Sprengwagen (darunter 45 mit Kraft 
antrieb) verteilt werden; dazu kommen die zum Waschen der 
mit Asphaltdecken versehenen Straßenzüge erforderlichenWasser- 
mengen. 
Den größten Sprengwasserverbrauch hat Charlottenburg mit 
rd. 70000 cbm oder 10 v. H. des Gesamtsprengwasserverbrauchs 
aufzuweisen; den größten Aufwand an Arbeit dagegen erfordert 
die eigentliche City — das Zentrum der Berliner Geschäftswelt —, 
wo das Großstadtleben am stärksten pulsiert. Hier werden im 
Laufe eines Jahres rd. 44000 cbm Kehricht zusammengetragen, 
d. h. rd. ii,5 V« der gesamten Berliner Abfuhr, die sich jähr 
lich auf 382515 cbm Kehricht beläuft. An zweiter und dritter 
Stelle folgen die Verwaltungsbezirke Kreuzberg und Charlotten 
burg mit 37000 bzw. 30000 cbm Abfuhr. Der geringste Anteil 
entfällt dagegen auf den Verwaltungsbezirk Tempelhof, wo im 
Laufe des Berichtsjahres nur 5600 cbm Kehricht zusammen 
getragen wurden. Dr. H.
	        
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