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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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und in Bremerhaven, den preußischen Hafen in Wesermünde 
und die oldenburgischen Häfen in Brake und Nordenham. 
Mangels einer einheitlichen Auffassung in wirtschaftlichen 
Fragen kommt keine gesunde und planmäßige Abgrenzung der 
Arbeitsgebiete der verschiedenen Hafenplätze und Gemeinden 
zustande, sondern es herrscht unrationelle Zersplitterung. Diese 
äußert sich städtebaulich in einem planlosen Wettbewerb beim 
Ausbau der Häfen und bei der Schaffung von kostspieligen Spezial 
einrichtungen und Anlagen und infolge eines ungesunden Werbens 
der Städte und Länder um die Heranziehung der verschiedenen 
Industrieunternehmungen in einer planlosen Industriesiedlung. 
Diese Mißstände zeigen sich am sinnfälligsten im Gebiet der 
eigentlichen Unterwcscr- 
städte. Es entspricht nicht 
den weitschauenden Gedan 
ken planvoller städtebau 
licher Arbeit, wenn wenige 
hundert Meter von dem We 
sermünder Fischereihafen, 
den der preußische Staat mit 
erheblichen Mitteln (seit 1896 
etwa 50 Millionen Mark) zum 
größten des Festlandes ge 
macht hat, Bremerhaven mit 
künstlichen Mitteln einen 
zweiten Fischereihafen ent 
wickelt, der immer leistungs 
unfähig bleiben wird. Ebenso 
sinnlos ist es, wenn der in 
kurzer Entfernunggegenüber 
von Wesermünde liegende 
kleine oldenburgische Fische 
reihafen Nordenham auf- 
rechtcrhalten wird, obwohl 
die Nordenhamer Fisch 
dampfer ihren Fang fast aus 
schließlich nach Wesermünde 
bringen. Städtebaulich-tech 
nisch unverständlich ist es 
ferner, wenn die leistungs 
unfähigen Heringsfischcrcien 
und damit die dazugehörigen 
technischen Anlagen in Els 
fleth und Brake unter Auf 
wand von staatlichen Mitteln 
und aus Lokalgesichtspunk 
ten heraus künstlich am 
Leben erhalten werden. Nur 
infolge des Fehlens einer ein 
heitlichen städtebaulichen 
Planung für die Hafenfragen 
ist es schließlich möglich, 
daß für die Vertiefung der 
Fahrtrinne der Weser bis 
Bremen hinauf erhebliche Summen aufgewandt und neue kost 
spielige Hafenanlagen in Bremen-Stadt geschaffen werden, ob 
wohl die Unterweserhäfen unterhalb Bremens zur Aufnahme des 
Schiffsverkehrs leistungsfähig genug sind oder jedenfalls durch 
planmäßigen Ausbau leistungsfähig gemacht werden können. 
Die Häfen sind für ihre nähere und weitere Umgebung die 
größten und stärksten Gebilde der technischen Planung. Deshalb 
ist ihre zweckmäßige Eingliederung in den Bebauungsplan und 
die richtige Lage zu den Verkehrsanlagen von ganz besonderer 
Bedeutung. Im unmittelbaren Zusammenhang mit den Hafen 
anlagen stehen zwangsläufig die Industrieflächen. Sie hinwieder 
um bestimmen im Verein mit den Hafenanlagen als Arbeits 
gebiete die Lage der Wohngebiete so, daß Arbeiten und Wohnen 
in möglichst einfacher geographischer Wechselwirkung stehen. 
Für das gesamte Unterwesergebiet muß deshalb in erster Linie 
die Aufstellung eines Generalhafenplanes gefordert werden, der 
den außerordentlichen Einfluß der Hafenanlagen auf die gesamte 
übrige Flächenaufteilung in die richtigen städtebaulichen Bahnen 
lenkt, nach dem den vorhandenen Häfen gemäß ihrer besonderen 
Eignung und den wirtschaftlichen Vorbedingungen Spezialauf 
gaben zugewiesen werden und auf Grund dessen allein der weitere 
Ausbau der Häfen erfolgen kann. 
Ein Ansatz zu einer derartigen Arbeitsteilung, die jedoch 
nicht durchgeführt worden 
ist und sich infolgedessen 
auch städtebaulich nicht 
auswirken konnte, war be 
reits durch den bremisch- 
preußischen Staatsvertrag 
von 1904 gegeben worden, 
nach dem Bremen und 
Preußen für das Gebiet der 
Unterweserstädte anerkannt 
haben, daß die Hochsee 
fischerei und die Industrie die 
Domäne Preußens, der Über 
seehandel und die Passagier 
fahrt die Aufgabe Bremens 
seien. Eine Regelung der 
Hafenwirtschaft im Unter 
wesergebiet ist aber nur auf 
der Grundlage des vorher 
geforderten Generalhafen 
planes denkbar. 
Bei dem bestimmenden 
Einfluß, den die Hafen 
anlagen auf die übrige städte 
bauliche Planung haben, wird 
sich in den Einzelgebieten an 
der Unterweser bei falscher 
städtebaulicher Arbeit in 
dieser Richtung notwendiger 
weise auch die planlose Be 
handlung in jeder anderen 
städtebaulichen Richtung 
ergeben müssen. 
So fehlt es an der ein 
heitlichen Behandlung der 
Industriesiedlungs-, der Ver 
kehrs- und Wohnfragen, der 
Grünflächenausweisung, der 
Planung der Versorgungs 
leitungen usw. 
Trotzdem durch den bre 
misch-preußischen Staats 
vertrag von 1904 für die Gemeinden Bremerhaven, Geestemünde 
und Lehe einzelne kommunale Fragen städtebaulicher Art 
(Kanalisation, baupolizeiliche Vorschriften) geregelt sind und die 
Gemeinden verpflichtet waren, „bei der gemeinsamen Errichtung 
und Ausnutzung öffentlicher Anlagen, Anstalten und Einrichtun 
gen auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten in geeigneten Fällen 
hinzuwirken“, haben diese viel zu allgemein gehaltenen Bestim 
mungen keinen nennenswerten praktischen Erfolg gehabt. Andern 
falls hätten nicht in allen drei Orten eigene Versorgungswerke 
(3 Elektrizitäts-, 3 Wasserwerke und 2 Gasanstalten) für die 
Bevölkerung entstehen können.
	        
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