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Volume H. 10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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Abb. i / Äppelviken, Vorstadt von Stockholm 
Das Bild zeigt die für die Kleinhausviertel Stockholms bezeichnende Anordnung der Häuser und Straßen. In 
der Regel sind Einzel- und Doppelhäuser errichtet. Jede Familie verfügt über ihr eigenes Haus mit dazu 
gehörigem Grund und Boden. 
KLEINHAUS-SIEDLUNGEN IN STOCKHOLM 
VON AXEL DAHLBERG, STOCKHOLM 
Um eine klare Vorstellung von der Entwicklung zu bekommen, 
die die Klcinhaus-Siedlungen in Stockholm genommen haben, 
muß man zuvor die Voraussetzungen dieser Entwicklung kennen. 
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erhielten die 
schwedischen Städte einen bemerkenswert großen Bevölkerungs 
zuwachs, der hauptsächlich auf die Zuwanderung vom Lande 
Zurückzuführen ist. Von Stockholm gilt dies in besonderem 
Maße. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts hatte Stockholm 
75000 Einwohner. 75 Jahre später war die Einwohnerzahl auf 
das Doppelte gestiegen; 1900 betrug sic bereits 300000 und 
heute hat Stockholm ungefähr 450000 Einwohner. Das be 
trächtliche Anwachsen der Bevölkerungsziffer regte den privaten 
Wohnungsbau stark an. Aber auch die Gemeinde wurde vor 
die bedeutende Aufgabe gestellt, ihrerseits sich um die Wohnungs 
herstellung für die anwachsende Bevölkerung zu kümmern. Daß 
die Stadtverwaltung im Jahre 1870, angesichts der auf besondere 
Verhältnisse zurückzuführenden Wohnungsnot, einen Herbergs 
betrieb eröffnete und sich so um die Unterbringung der neu 
Eingewanderten bekümmerte, bildete eine Ausnahme. Sonst hatte 
die Gemeinde bis dahin wenig Grund zum Eingreifen. Da trat 
während der regen Wohnungsbautätigkeit ein Ereignis ein, das 
sic in höchst unglücklicher Weise beeinflussen und auch für die 
spätere Zeit sehr ernste Folgen haben sollte: Schweden schuf 
sich 1874 ein Baugesetz. Es war zwar nach den besten ausländi 
schen Vorbildern, so auch nach dem finnischen Baugesetz, aus 
gearbeitet, doch entstand cs kurz bevor ein völliger Umschwung 
in den Anschauungen über Städtebau und Architektur eintreten 
sollte. Dem Gesetz wurden von der Regierung Ausführungs 
bestimmungen beigegeben, zu denen auch eine Reihe von Muster- 
Stadtplänen gehörten. Diese Stadtplänc zeigten eine im hohen 
Grade regelmäßige Anlage, die in keiner Weise auf Gelände- 
Unterschiede Rücksicht nahm. Abbildung 3, die einen solchen 
Plan zeigt, läßt erkennen, daß die Straßen völlig gleich ausgebildet 
sind. Sie haben alle die gleiche beträchtliche Breite von 18 m, 
ausgenommen einige Boulevards mit noch größerer Breite. An 
sich war diese Bestimmung natürlich nicht schlecht. Breite 
Straßen lassen Licht und Luft zu. Aber weniger gute Erfolge 
hatte die Bestimmung, daß die Bebauungshöhe gleich der 
„Straßenbreite mit einem Zuschlag von 1,5 m als zulässig“ 
angegeben wurde. Hiermit hielt die Mitkaserne als vorschrifts 
mäßige, ja sogar wünschenswerte Bauweise ihren Einzug in die 
schwedischen Städte. Es mag zugegeben werden, daß das Bau 
gesetz nicht allein für die Einführung der Mietkasernen verant 
wortlich ist; es trug aber jedenfalls mit dazu bei. Der Grund 
dafür, daß man mit dem Gesetz eine höhere Bebauung fördern 
wollte, dürfte darin zu sehen sein, daß man zu der Zeit, als das 
Gesetz erlassen wurde, noch nicht über Verkehrsmittel verfügte, 
die ein Bauen über große Flächen ermöglichten. 
Die Übel und Nachteile, die der Bau von Mietkasernen mit 
sich bringt, sind bekannt. Die Wohnungen wurden teurer; um 
sie zu verbilligen, mußte man die Wohnungen sowohl wie die 
einzelnen Zimmer verkleinern. Diese Zusammendrängung hatte 
wiederum üble Folgen in hygienischer und moralischer Be 
ziehung. Inteckningsbanken in Stockholm, ein Institut, das man 
nicht im Verdacht haben dürfte, die erwähnten Verhältnisse 
zu schwarz zu sehen, schrieb in ihrem 1909 veröffentlichten 
50. Jahresbericht: 
„Die breiten geraden Straßen erlauben wohl eine bessere Zufuhr 
von Licht und Luft, haben aber gleichzeitig den Mictkasernen- 
bau bei uns heimisch gemacht, der nach und nach die Ursache
	        
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