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Volume H. 8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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Abb. 4 und 5 / Alte Brandgiebel im Straßenbilde / Die alten Brandgiebel wirken mit und ohne dem konstruktiven Muster der Fach werk-Aufteilung wegen 
ihrer einfachen, einprägsamen Form immer gut. 
schlosscnen Bauweise nur von Nachbargrenze zu Nachbargrenze 
gebaut werden darf. In der offenen Bauweise kann von einem 
Bauwich abgesehen werden, wenn der Nachbar auf der Grenze 
gebaut hat. Seitenflügel dürfen nur dann errichtet werden, wenn 
der Nachbar ebenfalls einen solchen aufführt, damit die Mieter der 
Hofwohnungen nicht die kahle Mauerfläche zu sehen brauchen. 
Das Bild könnte sich mit einem Schlage ändern, wenn es mög 
lich wäre, die Brandmauern der äußeren Gestaltung des Gebäudes 
zuzurechnen. In diesem Falle müßten sie nach der Berliner Bau 
ordnung in Bauart, Bauform, Baustoff und -färbe so beschaffen 
sein, daß sie — wie die Frontwände — die einheitliche Gestaltung 
des Straßenbildes nicht stören. Sie müßten also, trotzdem sie 
keine Fenster haben, ästhetisch einwandfrei behandelt werden. 
Von dieser Möglichkeit, auf die Formgebung der Brandgiebel 
mit Hilfe des Verunstaltungsgesetzes, des Wohnungsgesetzes und 
der Bauordnung einzuwirken, hat die Baupolizei bis jetzt keinen 
Gebrauch gemacht. Zweifellos können mit Hilfe dieser Ver 
ordnungen alle Bauteile, die von Straßen und Plätzen sichtbar 
sind, also auch die Brandmauern, erfaßt werden. Daß bis jetzt 
an ein Verbot, häßliche Brandgiebel aufzuführen, noch nicht ge 
dacht ist, hat seinen Grund darin, daß man im allgemeinen an 
nimmt, der Brandgiebel werde nur kurze Zeit sichtbar bleiben. 
Es ist zwar richtig, daß in der geschlossenen Bauweise die Häuser 
aneinandergebaut werden müssen, doch kann niemand einen 
Abb. 6 / Beispiel einer schlecht wirkenden modernen Brandmauer / Die an 
sich häßliche Form wird durch eine Unzahl von Schornsteinköpfen bekrönt 
Grundstücksbesitzer zwingen, sein Haus ebenso hoch wie das 
Nachbargebäude aufzuführen. Die Bauordnung schreibt zwar 
vor, wie hoch ein Gebäude sein darf, doch kann sie nicht ver 
langen, daß bis zu dieser zugelassenen Höhe gebaut wird. Sie 
bestimmt nur die obere Grenze. Es kommt daher leider allzu 
häufig vor, daß neben einem hohen Gebäude ein niedriges er 
richtet wird, so daß der obere Teil des vorhandenen Brand- 
giebcls sichtbar bleibt. 
Das Mindeste, was verlangt werden müßte, um die Brand 
giebel dem Stadtbilde gut cinzupassen, wäre eine gute klare 
Form. Vereinigt man die vielen Schornsteinköpfe zu einem 
geschlossenen Kasten, so kann unter Umständen die Brandmauer 
einen Umriß erhalten, der dem Auge durchaus wohl tut (Abb. 7). 
Der Baupolizei ist durch die angegebene Vorschrift der Bau 
ordnung auch das Recht gegeben, in bezug auf die Farbe an die 
Brandgiebel gewisse Forderungen zu stellen. Man wird unter 
allen Umständen das Putzen und, wenn es die einheitliche Ge 
staltung des Straßenbildes verlangt, auch die farbige Putz 
behandlung anordnen können. 
Es kann kein Zweifel bestehen, daß solche großen Flächen, 
sofern sie in Form und Farbe edel gestaltet sind, dem Auge in 
dem unruhigen Stadtbilde einen Ruhepunkt verschaffen können, 
der wohltätig empfunden wird. 
Magistratsbaurat Johannes Grobler, Berlin-Halensee 
Abb. 7 / Beispiel einer gut wirkenden Brandmauer / Die Form ist einfach u. 
klar; die Schornsteine sind des besseren Aussehens wegen zusammengezogen
	        
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