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Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

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WETTBEWERB UM DIE STÄDTEBAULICHE GESTALTUNG VON VÄSTRA KUNGSHOLMEN 
IN STOCKHOLM 
VON CYRILLUS JOHANSSON, STOCKHOLM 
Im September 1926 schrieb die Stadt Stockholm einen Ideen- 
Wettbewerb für die städtebauliche Gestaltung eines Teiles von. 
Västra Kungsholmen in Stockholm aus (Abb. l). Die Preis 
richter, zu denen u. a. Professor E. Lallerstedt, Baurat 
F. Lilljekvist, Architekt E. G. Asplund und Professor W. Felle- 
nius gehörten, verliehen dem Entwurf des Architekten Cy 
rillus Johansson (Abb. 2—-4 einen ersten Preis). 
In der Niederschrift des Preisgerichts heißt es: „Anlage und 
Anordnung der verlangten Hauptstraßen sind in verkehrs 
technischer Beziehung sehr gut, die örtlichen Verkehrswege in 
den Wohngebieten gut, der Verkehr zwischen den verschiedenen 
Wohngebieten durch eine Ringstraße in der Hauptsache sicher 
gestellt. 
Der Hauptgedanke in der Anordnung des Planes, große, offene, 
zusammenhängende Parkgebiete in den Tälern zu schaffen, 
ist anerkennenswert. Längs der großen Verkehrswege sind 
breite Parkstreifen vorgesehen, die dem Gebiet einen mehr 
ländlichen Charakter verleihen. . . . Der Gedanke, die Bebauung 
in vier voneinander durch Parks getrennte Stadtbereiche zu 
zerlegen, ist vortrefflich und bedeutet ein Aufnehmen des Grund 
satzes der Trabanten-Städte. Folgerichtig und mit gutem Erfolg 
hat der Verfasser seinen Gedanken zu Ende geführt, ,Städte in 
einen Park statt Parks in eine Stadt zu legen 1 . . .“ 
In dem Erläuterungsbericht heißt es u. a.: „Der Bezirk, um 
den es sich hier handelt, zeigt wie die übrige Stockholmer Um 
gebung große und kleine, teilweise mit Nadelwald bedeckte Berge, 
die durch Täler mit reichem Eichenbestand voneinander getrennt 
werden. Das Ganze ist von Wasser umflossen, so daß man 
überall schöne Ausblicke auf Seen, Wiesen und ferne Höhen 
hat. Schären- und Binncnlandschaft sind also hier gewisser 
maßen vereinigt. 
Obgleich ein Bestandteil des eigentlichen Stockholm, ist dieses 
schöne Gebiet noch fast unbebaut und größtenteils im Besitze der 
Abb.i f Städtebauliche Gestaltung am Västra Kungsholmen in Stockholm 
Fliegerbild am Västra Kungsholmen im jetzigen Zustand 
Stadt, bietet also die Möglichkeit einer idealen städtebaulichen 
Gestaltung. 
Der Entwurf berücksichtigt die eigenartigen Geländeverhält 
nisse, bewahrt deren eigentümlichen Charakter und versucht sic 
noch zu steigern . . . 
Die Wohngebiete sind auf die Höhenzüge verwiesen, um 
diese zu betonen, während die Täler teils für Naturparks, Spiel 
plätze, Gärten und dergleichen, teils für die Hauptverkehrswege 
benutzt wurden. Die Bebauung wurde auf vier voneinander 
getrennte Siedlungs-Einheiten beschränkt, eine am südlichen, 
eine am westlichen, eine am nördlichen Strandgebiet und eine 
in der Mitte des Bezirks im Anschluß an schon vorhandene Be 
bauung (Abb. 4) . . . Durch die Wahl nicht zu hoher Reihen 
häuser soll eine Wohnform zwischen der üblichen Großstadt- 
Bebauung mit ihren Mietkasernen und der üblichen ,Villenstadt' 
erzielt werden. Das Gelände läßt nach seiner Lage und seiner 
Entfernung von dem Mittelpunkte Stockholms eine solche 
Anordnung in jeder Beziehung zweckmäßig erscheinen. . . . 
Bei den heutigen Verkehrsmitteln liegt keine Notwendigkeit 
mehr vor, Stadterweitcrungen in ununterbrochener Folge an 
den Stadtkern anzugliedern, sondern man kann ganz unab 
hängig von Verwaltungsgrenzen um den Kern herum kleine 
städtebauliche Einheiten von geringem Umfang anordnen; durch 
eine derart aufgelockerte Stadterweiterung werden die eigent 
lichen Wohngebiete vom Durchgangsverkehr befreit, der sich 
andererseits ungehindert vom örtlichen Verkehr abwickeln kann. 
Der große Verkehrsweg Drottningsholmsvägen z. B. läuft durch 
einen Parkgürtel mit freier und immer abwechselnder Aus 
sicht, was begreiflicherweise die Fahrt zwischen der Umgegend 
und der Stadt auch angenehmer macht. 
Für Spaziergänger sind besondere Parkwege vorgesehen, die 
mit dem Verkehrsweg parallel laufen . . . Aus wirtschaftlichen 
Gründen schon empfiehlt es sich, bei der Festlegung von Straßen- 
und Baufluchten im einzelnen den bergigen Charakter der Land 
schaft sorgfältig zu bewahren. Das teilweise Opfern des Nadel 
waldes für die Bebauung wird durch die Möglichkeit, große 
freie Parks mit gutem Pflanzcnwuchs in den Tälern zu erhalten 
und den hochliegenden Wohngebieten freie Aussicht über Parks 
und Wasser zu verschaffen, vollauf ausgeglichen. .. . 
Der Grundsatz, den Durchgangsverkehr möglichst störungs 
frei zu belasten, ihn vom Ortsverkehr zu trennen und ihn mit 
anderen durchgehenden Verkehrswegen in gleicher Höhe nicht 
kreuzen zu lassen, ist folgerichtig zu Ende geführt worden. Die 
Straßen sind so gelegt, daß man bei den Bauarbeiten ohne 
nennenswerte Sprengungen auskommen kann. Um die Straßenbau 
kosten möglichst niedrig zu halten, sind den Straßen, die nur 
dem örtlichen Verkehr dienen, recht scharfe Kurven und ver 
hältnismäßig große Steigungen (bis i:io und 1:8) gegeben bei 
4,5—7 m Fahrdammbreitc. Ausweichstellen und Wendeplätze 
für Wagen sind vorgesehen. . . . 
Weiter hat sich der Verfasser bemüht, den einzelnen Häuser 
reihen Nord-Süd- oder Südwest-Nordost-Richtung zu geben, um 
günstige Bclichtungsverhältnisse zu erhalten, und die Baublöcke 
nach Süden zu öffnen. Die Abbildung 3 zeigt, daß die so ent 
standenen Innenhöfe von der Straße her nicht sichtbar sind, 
weil sie durch Gartenmauern abgeschlossen werden.“ 
Cyrillus Johansson, Stockholm
	        
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