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Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 23.1928 (Public Domain)

Kantst r aße rechts 
Abb. io und 11/ Mit einem Preise von 500 Mark ausgezeichnet 
Verfasser; Heinrich Straumer, Berlin ■ Mitarbeiter Otto Biel 
Der Entwurf zeigt große Ähnlichkeit mit Strautners int 'Jahre 2925 mit 
dem ersten Preis auszegeichneten Weltbewerbsentwurf. Der große Vorzug des 
heutigen Entwurfs ist die straffe Haltung des südlich vorgelagerten Innen 
platzes. Auch sind durch die großen Freitreppenanlagen auf der Zugangs- 
seitc die Geländeschwierigkeilen berücksichtigt. Der Entwurf verträgt Teil 
ausführung mit möglichst freier Verfügung über das gesamte Südgelände 
an dieser Kritik abgestattet werden.“ Obgleich die von uns 
ausgeschriebenen Preise dem Geldwerte nach gemessen nicht 
im entferntesten Verhältnis zu der aufzuwendsnden Arbeit 
standen, haben uns (einschließlich zweier Nachzügler) 80 Archi 
tekten die Ehre der Mitarbeit erwiesen. Unter diesen will 
kommenen Mitarbeitern fanden sich so angesehene Architekten 
wie die amtlichen Bearbeiter des Bebauungsplanes der Städte 
Köln und Zürich, die mitten aus ihren aufreibenden Ver 
pflichtungen heraus ihre reife Erfahrung beisteuerten. Den mich 
am 5. Mai beratenden Gutachtern, den Herren Professor Bonatz, 
\ izepräsident Kühn, Dr. Max Osborn und Direktor G. Wasmuth, 
muß hier für ihre rein idealen Zwecken dienende, ehrenamtlich 
übernommene Tätigkeit auf das wärmste gedankt werden. Aller 
dings war eine erschöpfende Erörterung über die Bewertung der 
Meinungsverschiedenheiten in den nur acht Stunden dauernden 
Erwägungen nicht möglich. Die Preisverteilung gibt deshalb im 
wesentlichen das Urteil der genannten Berater wieder. Ich will 
versuchen, dieses Urteil oder meine abweichende Auffassung zu 
begründen. 
DIE GUTACHTER 
Vorher ein Wort über die Wahl der Gutachter, die in der 
Fachpresse kritisiert worden ist. Die Gewinnung von Professor 
Bonatz schien mir wichtig, nicht nur weil er sich am 3. und 
4. Mai als Preisrichter für die Bau-Ausstellung auf dem Wcst- 
zipfel mit den neuesten Problemen des Messcgcländes vertraut 
machen mußte, sondern auch deswegen, weil er schon im Jahre 
1925 Preisrichter in dem Wettbewerb für das gesamte Messc- 
gelände war. Nachdem sich Bonatz auch angesichts der Heiligcn- 
thalschen Kritik für den 1925 preisgekrönten Entwurf von Pro 
fessor Straumer eingesetzt hatte, lag mir daran, auch Gutachter 
zu finden, von denen ich annehmen durfte, daß sie dem Poelzig- 
Wagncrschen Gedankenkreise nahestehen. Es gelang mir, den 
holländischen Modernisten J. J. P. Oud zu gewinnen, sowie den 
Kunstkritiker Dr. Max Osborn, der sich in der Presse nicht nur 
gegen den Wettbewerb für den Wcstzipfel, sondern auch nach 
drücklich für das Poel'/.ig-Wagnersche £i einsetzte. Oud warnte 
mich allerdings, daß seine Krankheit ihn vielleicht am Erscheinen 
verhindern würde, und da er schon seinen kürzlich geplanten 
Vortrag für die vom modernistischen „Ring“ geförderte Ver 
anstaltung „Neues Bauen“ krankheitshalber abgesagt hatte, 
versuchte ich, einen ihm geistig verwandten Stellvertreter zu 
finden und wendete mich an Mies van der Rohe, der mir wegen 
seiner Erfahrungen als Leiter der Stuttgarter Ausstellung wichtig 
und als einer der sachlichsten der jüngeren Architcktengruppc 
erscheint. Mies van der Rohe lehnte ab. Die von ihm gegebene 
Begründung macht ihm als Menschen Ehre. Nachdem cs durch 
die letzte Sitzung der Akademie des Städtebaues (19. 5.) be 
kannt wurde, braucht auch hier kein Geheimnis daraus gemacht 
zu werden: Mies van der Rohe billigt den Poelzig-Wagnerschen 
Entwurf nicht und glaubte deshalb, und mit Rücksicht auf seine 
Freundschaft mit Professor Poelzig, bei unserer Kritik kein Gut 
achter sein zu können, der für die Wahrnehmung des Poelzig- 
Wagncrschen Standpunktes geeignet wäre. Da gleichzeitig 
mehrere modernistische Architekten eine Art Majestälsbeleidigung 
darin erblickten, daß ich gewagt hatte, sie ausnahmsweise nicht 
zu loben,und da, mir zur Strafe, ihre Beschickung der von mir in 
London organisierten Ausstellung moderner deutscher Baukunst 
abgeschlagen oder wieder rückgängig gemacht wurde, warf ich 
die Hoffnung, einen dieser Gestrengen zu gewinnen, von mir. 
Aber es gelang mir, den von den Lesern unserer Zeitschriften 
ebenso hochgeschätzten Professor Schmitthenner zu gewinnen, 
und als dann nicht nur Oud, dem Rate seines Arztes folgend, 
absagte, sondern auch Schmitthenner im letzten Augenblick 
verhindert war, hatte Vizepräsident Kühn die Güte, einzu 
springen. Seine Gewinnung schien mir besonders wertvoll nicht 
Kanlstraße rechts unten.
	        
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