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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

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sondern wie weit etwa den Ein 
fall des Sonnenlichts hemmende 
Wände von seinen Fenstern ent 
fernt sind. Le Corbusiers „wirk 
liche Lichtradiatoren“ sind schau 
derhafte Schächte von 8 mal 10 Me 
tern und 200 m senkrechter Tiefe. 
Daß diese tollen Schächte auf einer 
Seite offen sind, macht sie kaum we 
niger phantastisch,und schlecht be 
leuchtet bleiben sie trotzdem. Die 
von Le Corbusier vorgeschlagene 
Anordnung ist kostspielig und 
schlecht. 
Zum Vergleich (nicht als 
Gegenvorschlag) zeige ich inAbb. 2 
das von Le Corbusier ins Auge 
gefaßte, 10 Hektar messende Ge 
lände, aufgeteilt in Form einer 
Randbebauung mit langen pa 
rallelen,aber freistehenden Blöcken 
in Innern. Diese Art der Auf 
teilung ist fast so altmodisch wie 
unser Brot und wird deshalb auch 
vielleicht noch auf absehbare Zeit 
geschluckt werden müssen, wo 
immer es sich nicht um Mode 
spielereien, sondern um Volks 
verpflegung handelt. 
Die hier zum Vergleich mit 
Le Corbusiers Wolkenkratzern 
betrachtete Bebauung ist sechs 
geschossig gedacht. Auf diese 
Weise lassen sich ideal beleuchtete 
und sehr billig herzustellende 
Büros schaffen. Zwischen den 15 m 
tiefen und 22 m hohen Blöcken 
bleiben 22 m breite Grünstreifen 
Abb. 13 / Wohn• und Geschäftshaus in Paris, 2 Rae des Deux Ponts I Architekt: Theo Petit, Paris / Straßenansicht 
Vgl. Abb. 7 und 9 bis 12, sowie Text S. 74 
liegen, die der Durchgangs-Ver 
kehr nicht berührt und die zu 
sammen mit den nach Bedarf auf 
allen Dächern anzulegenden Pro 
menaden ideale Erholungsflächen 
während der Mittagspausen und 
völlig genügende Licht- und Luft- 
Reservoire darstellen. Durch ver 
bindende Arkaden ist der Ver 
kehr trockenen Fußes zwischen 
allen Gebäuden des Komplexes ermöglicht. Die Bedienung durch wenige aber richtig angeordnete Paternoster ist weit billiger als 
die großen Batterien von Aufzügen und Expreß-Aufzügen, die in sechziggeschossigen Türmen nötig sind. Statt 300000 qm Geschoß 
fläche für 30000 Angestellte im sechziggeschossigen Turm liefert das typische Geschoß des sechsgeschossigen Flachbaues doch immer 
hin 230000 qm für 23000 Angestellte*). Diese verhältnismäßig hohe Zahl wird sogar schon erreicht, wenn nur 44°/ 0 der Baustelle 
bebaut werden, was wesentlich luftiger ist als die heutige Pariser Altstadt, ja sogar günstiger als die neue Berliner Bauordnung 
(1925), die in der Berliner Altstadt eine Ausnutzung bis zu 70% gestattet. 
Auch 23000 Menschen sollten aber nicht auf 10 ha zusammengepfercht werden, wie rentabel eine derartige Menschenanhäufung 
sich auch für einige Einzelpersonen gestalten könnte. Wieweit die dazu benötigten Schnellbahnen gedeihen könnten, obgleich sie 
eigentlich nur bei Eröffnung und Schluß der Bürostunden benutzbar wären, würde ein eingehenderes Studium verdienen. 
Zur Beurteilung des Wolkenkratzergedankens sind auch die folgenden Vergleichszahlen bemerkenswert. In einem typischen Ge 
schoß der New Yorker Bürotürme 
Equitable Gebäude finden sich 3700 qm Gesamtfläche, aber nur 318 lfde m für Fenster verfügbarer Außenwand 
im Woolworlh „ „ „ 2800 ,, „ ,, „ 294 „ „ „ „ „ „ 
im Postum „ „ „ 2000 ,, „ „ „ 212 „ „ „ „ ,, „ 
In einem Geschoß Le Corbusiers (Abb. 1) 10000 qm Gesamtfläche, 1300 lfde m für Fenster verfügbarer Außenwand. 
Im Flachbau (Abb. 2) hat ein Block (237X15 m) 3555 qm Gesamtfläche, 464 lfde m für Fenster verfügbare Außenwand. 
*) Diese und die übrigen hier angegebenen Vergleichszahlen verdanke ich dem Architekten Hans Josef Zechlin, von dem auch die begleitenden Zeichnungen stammen.
	        
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