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Volume H. 9/19

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

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bare Bodenleiter (Abb.6) führt, 
befindet sich der Trockenboden. 
Beim inneren Ausbau wurde 
ebenfalls möglichst gespart, 
ohne die Wohnlichkeit zu be 
einträchtigen. Tischlerarbeiten 
wurden in Fichtenholz ausge 
führt, Fenster als einfache 
Fenster gearbeitet. Dagegen 
erhielt jedes Haus neben dem 
Anschluß an die Wasserleitung 
auch elektrischen und Gas 
anschluß sowie Spülklosett. 
Der Vorteil dieser Bauform stellte sich bei 
dem ersten Versuch heraus. Der Eindruck 
dieser bequemen, in einem Geschoß liegenden 
vier Räume ist günstig. Die Wohnung wirkt 
größer, als man bei der Nennung der Qua 
dratmeterzahl erwartet. Für die Hausfrau ist 
es bestechend, alle Räume der Wohnung 
nebeneinander zu haben. Der Vorteil ist vor 
allem bei dem Vorhandensein kleiner Kinder 
augenfällig. Im zweigeschossigen Siedlungs 
haus befinden sich gerade die für die kleinen 
Kinder wichtigen Schlafräume durchgängig im 
Obergeschoß. Nicht zu unterschätzen ist die 
große Nähe des Gartens, der über ein paar 
Stufen von der Veranda aus erreichbar ist. 
Nach dem Bau der ersten acht Versuchs 
häuser überzeugten sich auch die anfäng 
lichen Gegner der neuen Bauform von ihrer 
Zweckmäßigkeit und Güte; einstimmig wur 
de von den städtischen Körperschaften der 
Bau von weiteren 16 Häusern beschlossen. 
Es muß bemerkt werden, daß der Weg 
fall der festen Bodentreppe 
und ihr Ersatz durch eine 
fahrbare Bodenleiter auf star 
ken Widerstand gestoßen ist. 
Auf Drängen der Baulustigen 
ist nach den ersten 8 Häusern 
von dieser Einrichtung abge 
gangen worden. Man hat bei 
den weiteren Bauten (Abb.2,3) 
feste, wenn auch steile und 
schmale Bodentreppen einge 
baut. Ein weiterer Wunsch war 
der nach einem äußeren Aus 
gang der Im Keller liegenden 
Waschküche. Bei Berücksichti 
gung beider Wünsche erhöhten 
sich die reinen Baukosten um 
800 bis 1000 RM. 
Bisher wurde immer nur 
von den reinen Baukosten ge 
sprochen. Es ist klar, daß solche 
Einfamilien-Reihenhäuser nur 
im Siedlungsgelände vorteilhaft 
gebaut werden können, in dem 
annehmbare Baustellenpreise gelten. Ein Preis von 3 RM je qm darf 
nicht überschritten werden. Die Größe der Baublocks muß ausdrück 
lich für diese Bebauung mit Reihenhäusern geschnitten werden und 
muß eine durchschnittliche Tiefe von rund 50m erhalten. Bei ungefähr 
8 m Straßenfront erhält dann ein solches Grundstück etwa 2 Ar 
Größe. Diese geringe Größe der Baustelle muß auch die Gegner 
zum Schweigen bringen, die 
immer wieder behaupten, durch 
Flachbau würdeVerschwendung 
mit Grund und Boden ge 
trieben. 
Es ist eine Selbstverständ 
lichkeit, daß dieseReihenhäuser 
in denTeil des Bebauungsplanes 
gehören, der nicht an großen 
Verkehrslinien liegt. Wir legten 
diese Wohnstraßen in 3 m Breite 
an. Erfreulicherweise gestattet 
die Novelle zum allgemeinen 
Baugesetz für Sachsen solche schmalen 
Straßen. Der Vorgarten an jeder Straßen 
seite ist 4 m breit, so daß die Hausfronten 
11 m voneinander entfernt sind (Abb. 5). 
Die Straße selbst hat eine 30 cm starke 
Schüttung von Zwickauer Haldenschlacke und 
eine Decke aus gut bindendem Sand. Links 
und rechts ist ein 50 cm breites Schnitt 
gerinne aus Großpflaster angebracht. 
Eine feste Einzäunung ist, wie grundsätz 
lich im Glauchauer Siedlungsgelände, ver 
mieden; die Baustellen sind gegeneinander 
und nach der Straße mit Hecken abgegrenzt. 
Wie schon erwähnt, sollte mit den reinen 
Baukosten der vierräumigen Wohnung mög 
lichst an die Friedensbaupreise(6000RM) her 
angekommen werden. Der erste Versuch mit 
7400 RM kam dem nahe. Durch die Praxis 
und die Wünsche der Bauwerber wurden 
die Kosten leider wieder höher getrieben. 
Nach längeren Versuchen und Erwägungen 
wird zurzeit ein Haustyp (Abb. 3) gebaut, 
d essen reine Baukosten 6500 RM 
(schlüsselfertig) betragen. Die 
Wohnung ist auch hier vier- 
räümig; doch ist der vierte 
Raum als Kammer im Boden 
eingebaut. 
Diese Häuser sind in Kon 
struktion und innerer Ausstat 
tung wie bisher hergestellt. 
Aber an Stelle der 25 cm starken 
Hohlmauer aus Normalsteinen 
werden Hohlblocksteine von 
10:25: 25 cm verwendet, die 
innen vier nebeneinander lie 
gende Hohl räume enthalten. 
DieWärmehaltung dieser Steine 
ist besser als die der Hohlmauer. 
Es muß zum Schluß bemerkt 
werden, daß das freie Bauge 
werbe den Vorteil dieser bil 
ligen Haustypen erkennt und 
die Initiative im Wohnungsbau 
ergreift. Die letzten acht Häuser 
werden von einer hiesigen Bau- 
firmaauf eigene Rechnunggebaut und an Wohnungssuchende verkauft. 
Diese Haustypen haben große Beachtung gefunden und werden 
in vielen Orten Sachsens auf Grund unserer Zeichnungen nach 
gebaut; auch die Landessiedlungsgesellschaft „Sächsisches Heim“ 
setzt sich für diese Haustypen ein und läßt sie ausführen. 
Stadtbaudirektor Willy Sonntag, Glauchau 
Abb. 5 I Siedlung Glauchau / Blick in den Wohnweg I Vgl, Abb. 4 
Abb. 6 / Siedlung Glauchau 
Fahrbare Bodentreppe im Haustup 
Vgl. Abb. 1 
Abb. 7 / Siedlung Glauchau / Ansicht von Haustyp 1
	        
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