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Volume H. 9/19

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

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Abb. 1 bis 5 / Abwandlungen des Fassaden Schemas unter dem Einfluß der Lichtreklame / Skizze von Max Landsberg, Berlin 
}: Wohnhaus mit glatter Fensteraufteilung und im Erdgeschoß eingebauten Läden I 2; Ladenarchitektur wird Gliederung des ganzen Hauses / 3; Ladenarchitektur wird 
als Fassadengliederung bis zum Dachgesims durchgeführt / 4; Buckbildung mit horizontalen Flächen im Obergeschoß für Lichtreklame I 5; Horizontale Schriftbänder 
schaffen tuugerechie Fassadengliederung 
LICHTREKLAME IM STADTBILD 
VON MAX LANDSBERG. BERLIN 
Die heutige Geschäftsstadt ist des Nachts zu einer Häufung 
von bunten Lichtreklamezeichnungen geworden. An den Brenn 
punkten des Verkehrs brennen, leuchten und flackern abends 
Hunderte von Reklameschriften, Figuren und Zeichen auf, fesseln 
die Blicke der Vorübergehenden und prägen sich ihrem Gedächtnis 
durch Leuchtkraft, Große, Witz und überraschende Beweglichkeit 
ein. Die Lichtreklame entwickelt sich mit rasender Schnelle; sie 
ist ein rücksichtsloses Sich-Vordrängen, Sich-Anpreisen, Auffallen- 
Wollen der einzelnen Geschäfte. Ein jedes will den Nachbarn 
überbieten und totschreien (Abb. 6, 11). 
Ihre Lichtzeichnungen sind unabhängig von jeder statischen 
Funktion und jedem menschlichen Maßstab. Sie werden rücksichts 
los und überraschend über die Flächen geführt und nehmen dabei 
den Häusern an Straße und Platz die raumschließende, einheitliche 
Flächenwirkung. Mit dem hastenden Straßenverkehr zusammen 
erzeugen sie eine sinnverwirrende Unruhe, lassen ein nächtliches 
Städtebild entstehen, das häßlich und ohne Einheit ist. Das schönste 
Stadtbild, das schönste Bauwerk verschwindet des Nachts hinter 
ihren Lichtern. Die Geschäftsstadt hat schon heute bei Tag und 
bei Nacht* ein so verschiedenes Aussehen, daß man von einer 
Stadtbaukunst für den Tag sprechen kann, und eine solche für 
die Nacht fordern muß. 
Wenn auch jedes einzelne Reklameschild mit seinen Blechkästen 
und zerbrechlichen Glasröhren schnell montiert ist, wenn auch die 
Lichter des Nachts spielend leicht aufblitzen und wieder ver 
schwinden, so ist die Reklame doch eine Dauererscheinung, die 
sich mit Gewerbe und Technik weiter entwickeln wird. Die bau 
liche Gestalt des modernen Geschäftshauses wird bereits durch 
sie beeinflußt. Große fensterlose Flächen werden für sie unter 
den Dächern der Hauser vorgesehen; die dahinter liegenden Räume 
sind am Tage durch Oberlicht erhellt. Weitausladende Gesimse 
ermöglichen die Anordnung verdeckter Scheinwerfer, durch welche 
die Hausfläche nachts tagesbell aus der dunklen Umgebung heraus 
gehoben wird. Norii ein Schritt: Die moderne Hausfront wird zu 
einer großen Reklametafel geworden sein. Bescheiden und un 
auffällig sitzen am Tage die Fenster zwischen Schrift und Bild, um 
das nötige Licht in die Büroräume eiuzulassen. Durch die gleichen 
Öffnungen werden des Nachts Lichtzeichen auf die Straße geworfen, 
welche in Farbe und Maß mit der Frontbcleuchtung zusammen 
stimmen. Solch Einzelhaus mag eine einheitliche künstlerische Tat 
und eine neuartige Tages- und Nacht-Schönheit zugleich sein. 
Doch eine Lösung des städtebaulichen Problems der Reklame- 
beleuchtung kann sich nur aus der gleichzeitigen Erfüllung der 
künstlerischen Grundsätze des Städtebaues und aller Möglichkeiten 
der Reklamebeleuchtung ergeben. Als Ideal muß für die Geschäfta- 
stadt eine einheitliche Lichtarchitektur des nächtlichen Straßen- 
oder Platzraumes angestrebt werden; gleicherweise muß die Ge 
legenheit für eigenartige Einzelreklame erhalten bleiben. Beides 
zu vereinigen ist durchaus möglich (Abb. 7). 
So kann man z. B. dem Straßen- oder Platzraum eine einheit 
liche Lichtarchitektur durch ein Rahmenwerk von leuchtenden Schrift 
bändern geben, in denen sich Firmen verschiedener Branchen zu 
gemeinsamer Reklame vereinigen. Die Wandungen werden in Felder 
geteilt, welche die verschiedenartigsten Einzelreklamebilder auf 
nehmen können. In ihnen mag sich Bewegung, Überraschung, Farbe 
austoben. Auch die Mündungen der ruhigen Nebenstraßen werden 
sich in solcher Rahmenaufteilnng der Hauptstraße ungezwungen ein- 
ordnen; sie lassen sich durch Lichtrahmen überbrücken und einfassen. 
Die Lichtreklame ruft des Nachts laut die Straßen hinauf und 
hinunter; und sie nutzt dazu jeden weithin sichtbaren Bau, jeden 
in die Straße vorspringenden Bauteil. Die zur Straßenrichtung 
senkrecht stehenden Hausflächen, deren Ausbildung die Straßen- 
fassade von gestern vernachlässigt hatte, sind heute für die 
Reklame die gesuchtesten, bestbezahlten Plätze geworden. AU 
Abschluß oder Unterbrechung der langen Linien der Geschäfts 
straße sind sie von größter Bedeutung für das nächtliche Stadt 
bild. Wenn sie gar die Mündung der Straße zum Platz sym 
metrisch betonen, beherrschen sie den ganzen auf sie zulaufendcn 
Straßenzug. Sie schließen den Platz und beginnen die Straße. 
Die Lichtarchitektur der nächtlichen Geschäftsstadt kann durch 
privaten Unternehmungsgeist geschaffen werden, etwa so, daß 
eine Gesellschaft die Reklamegelegenheiten einer Straße oder eines 
Platzes nach einheitlichem Plan ausbildet und an Einzelfirmen weiter 
vermietet. Der Weg kann auch bürokratisch über Verordnungen 
und Wettbewerbe zu guten Durchschnittsleistungen führen. 
Aber man muß Verordnungen aufstellen, welche die nächtliche 
Stadtbaukunst gewährleisten, man muß Pläne ausarbeiteu, Wett 
bewerbe auaschreiben. Entschließt man sich dazu und es ist die 
höchste Zeit so wird eines Nachts aus dem häßlichen Tohuwa 
bohu von heute unsere Geschäftsstadt zu einer einheitlichen Raum 
folge von strahlender Lichtschönheit geworden sein. 
Max Landsberg, Berlin
	        
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