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Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

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Rosenthal zur Entlastungstraße aus und gewinnen hierdurch auch 
eine bessere Verbindung der Stadtmitte zum Südbahnhofe. Die 
übrigen Änderungen* die sie im Verlauf der Betenstraße und bei 
der Ausmündung dieser Straße in Richtung nach den nördlichen 
Wohngegenden vorschlagen, sind von den gleichen Tendenzen 
beherrscht, die auch ihr übrigen Vorschläge diktiert haben. Sie 
erweitern die Betenstraße heim Verlassen des Stadtinnern trichter 
förmig und opfern dieser aus Verkehrsrücksichten natürlich sehr 
wertvollen Erweiterung das Stadthaus I. Für das neue Stadthaus 
wird ein Bauplatz gewonnen, der den Bedürfnissen der Stadt 
verwaltung wohl entsprechen dürfte. In nächster Nähe dieses 
neuen Stadthauses wollen nun die Verfasser auf dem Gelände 
der alten Löwenbrauerei der Löwenstraße achsial gegenüber, die 
Stadthalle bauen. Pinno und Grund gehen wohl von der sehr 
richtigen Einstellung aus, daß einmal das hier noch zur Verfü 
gung stehende Freigelände im Innern der Altstadt nicht wieder 
neu bebaut werden sollte, sondern möglichst für Park- und 
Gartenanlagen zu verwenden ist und daß die Stadthalle, wenn nur 
irgend mÖglich.an denselben grünen Straßenzug gehört,an dem auch 
das Stadtheater und die wichtigsten öffentlichen Gebäude stehen. 
Wesentlich bei den Vorschlägen der Privatarchitekten für die 
Umgestaltung des Aasfalltores an der Betenstraße ist auch noch 
die Anordnung eines Platzgefüges jenseits des Südwalles, aus dem 
sich dann die Märkische Straße und eine neue Durchbruchsstraße 
genau nach Süden herausschälen. Die neue Durchbruchsstraße er 
schließt neueWohngegenden und schafft gute Verbindung in bereits 
vorhandene alte Wohngegenden, Auch für eine bessere Einbindung 
des Südbahnhofes in den Stadtplan machen die beauftragten Archi 
tekten interessante Vorschläge. 
Wenn auch selbstverständlich die veröffentlichten Sanierungs 
vorschläge der Dortmunder Privatarchitekten hier und da noch 
verbesserungsfähig sein mögen: das eine steht fest, daß sie Wege 
aufzeigen, wie das Gesamtproblem etwa angeschnitten werden 
konnte. Der Stadt Dortmund kann nur der Rat gegeben werden, 
die Kräfte, die sich in der freien Künstlerschaft in Dortmund 
regen, zur Mitarbeit bei den großen Aufgaben heranzuziehen. 
Mich däucht, der Nachweis, daß die dortigen Kräfte die Befähigung 
zum Meistern großer Aufgaben haben, ist erbracht. 
Professor Dr. ing. Ed, Jobst Siedler, Berlin 
UMLEGUNGS-MATHEMATIK 
VON ANTON HOENIG, KÖLN 
Der Grundplan jeder Ansiedlung ist mosaikartig aus Flächen 
mit hoch getriebener Bodenrente und wirtschaftlich unproduktiven 
Flächen zusammengesetzt; beim Übergang von der landwirt 
schaftlichen zur stadtwirtschaftlichen Nutzung des Bodens voll 
zieht sich eine Zersetzung der bisher gleichmäßig verteilten 
Bodenrente. Die bebauten Teile der Werk- und Wohngebiete 
sind Flächen mit künstlich hochgesteigerter Ertragsfähigkeit; sie 
bilden den wirtschaftlich produktiven Teil des Stadtplans; die 
unbebauten Flächen, die dem Verkehr und der Erholung dienen, 
sind an sich unproduktiv; sie werfen nicht nur keine Bodenrente 
ab, sondern sie konsumieren dauernd hohe Kosten, dienen jedoch 
mittelbar wesentlich zur Ertragssteigerung der produktiven Flächen, 
Zweierlei Boden ist demnach zu unterscheiden, solcher der dauernd 
jene Früchte trägt, die in ihrer letzten Verarbeitung heißen: 
Grundsteuer, Gebäudesteuer, Gewerbesteuer, die drei Haupt 
einnahmequellen städtischer Finanzverwaltung; und solcher Boden, 
der dauernd am Geldbeutel der Gemeinschaft zehrt. Es ist eine 
der Hauptaufgaben der Stadtplanung, den Lebensraum wirtschaft 
lich richtig aufzuteilen, Planwirtschaft zu betreiben. Dafür, daß 
die Bodenbilanz aktiv bleibt, sorgt mit allen ihren Kräften die 
Privatwirtschaft durch das Streben nach Ausnutzung der wirt 
schaftlichen Kapazität des Bodens. Aufgabe des Städtebauers ist 
es, zu verhüten, daß auf Kosten der sozialen Belange Raubbau 
getrieben wird. Mit der übermäßigen baulichen Ausnutzung des 
Bodens steigt zwar die Grundrente, aber bei steigender Wohn 
dichte leidet die Volksgesundheit. In dieser Erkenntnis wurzelt 
die moderne Freiflächenpolitik. 
Betrachten wir in diesem Sinne den ßodenvorrat eines Ge 
meinwesens als den Lebensraum eines wirtschaftlichen Gesamt 
organismus, so liegt es auf der Hand, daß alle Aufwendungen 
für die dauernde Freihaltung aller notwendigen Freiflächen, als 
da sind: Grunderwerbskosten, Anlage- und Unterhaltungskosten 
der Straßen, Plätze, öffentlichen und privaten Gärten und Park 
anlagen, in letzter Linie irgendwie aus den Hausgrundrissen 
herausgewirtschaftet werden müssen. Nicht aus dem Nettobau 
land, sondern aus dem jeweils zur Bebauung zugelassenen Bruch 
teil des Nettobaulandes; auf diesen verhältnismäßig kleinen 
Flächen vereinigt sich die Grundrente der Gesamtfläche; sie 
müssen den Ausfall der Bodenrente der Freiflächen ersetzen 
(Abb. 1). 
Wirtschaftliche Stadtplanung wäre ein einfaches Rechenexempel, 
wenn der ganze Bodenvorrat in einer Hand vereinigt wäre. Der 
Grund aller Schwierigkeiten liegt darin, daß der Grundbesitz in 
zahlreichen Händen zerstückelt ist. 
Das Streben der Gemeinschaft, möglichst viel von den ertrag 
reichen Bodenflächen in öffentlichen Besitz zu bekommen, führt 
zur fiskalischen Bodenpolitik; sie läßt sich von privatwirtschaft 
lichen, kaufmännischen Grundsätzen leiten und gerät daher leicht 
mit den sozialen Forderungen in Widerspruch. Die soziale 
Wohnungs- und Freiflächenpolitik fordert Opfer; sie fordert 
Verzicht auf Bodenrente; die Freiflächenpolitik in noch höherem 
Maße als die Wohnungspolitik, weil sie es ist, die den Boden 
entwertet, ihn seiner Ertragsfähigkeit beraubt und zur Quelle 
dauernder Verluste macht. Der Buchwert dieser Grünflächen 
wächst ins Unendliche. Doch; Die Wirtschaftlichkeit der städtischen 
Erholungsflächen kann überhaupt nicht nach Prozenten des An 
lagekapitals gewertet werden. 
Die Pachterträge der Sport 
plätze und Schrebergärten 
fallen nicht in die Wagschale. 
Aber die Bedeutung der 
Freiflächen für dieVolksgesund- 
heit, ihre Auswirkung auf Ge- 
burts- und Sterbeziffern u.a.m. 
sind längst als Werte erkannt 
worden, wenngleich die Finanz- 
Verwaltung diese Zahlen im 
Haushaltsplan nichtunmittelbar 
verwerten kann. 
Eine umfangreiche Literatur 
hat dafür gesorgt, daß man 
sich in den letzten Jahren über 
die Ziele der Freiflächenpolitik 
so ziemlich klar geworden ist. 
LANDWIRTSCHAFT 
5TAD7WIRTJCHAFT
	        
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