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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

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Abb. 1 / Plan von Helsingfors nach dem Entwurf von J. A. Ehrenström (I820J 
Der mit X bezeichnet Senalsplatz wurde von J. C. L. Engel ausgestaliet (vgl, Abb. 2), Die breite Ost-West-Straße ist die jetzige Hauptstraße von Helsingfors. 
ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG VON HELSINGFORS 
VON BIRGER BRUNILA 
Für Helsingfors, die Hauptstadt der Republik Finnland, kommen 
eigentlich drei verschiedene Gründungsjahre, 1550, 1640 und 1812 
in Betracht. Als die Stadt im Jahre 1550 von Gustav Wasa an 
der Mündung des Helsinge-Flusses gegründet wurde, hatte sich 
an dieser Stelle weder ein Handelsplatz noch ein Kloster oder 
Dorf befunden, wie es bei so vielen andern Städten der Fall 
ist. Es waren in erster Linie handelspolitische Gesichtspunkte, 
die bei der Wahl des Platzes ausschlaggebend waren — Gustav 
Wasa wollte die Macht der Hansastädte brechen und den Handel 
mit Rußland über Helsingfors leiten. 
Der Platz an der Flußmündung erschien jedoch später un 
geeignet und 1640 wurde die Stadt auf königlichen Befehl 5 km 
südlicher auf eine in das Meer vorspringende Landzunge ver 
legt. Trotzdem die Stadt Sitz des Regierungspräsidenten wurde 
und verschiedene Privilegien erhielt, blieb sie eine unbedeutende 
Kleinstadt. Durch Hungerjahre, Seuchen und Kriege wurden 
Handel und Seefahrt nahezu erstickt und der Bevölkerungs 
zuwachs behindert, Feuersbrünste verheerten sie beständig und 
im Kriege mit Rußland wurde die Stadt 1713 von der schwe 
dischen Heeresleitung bis auf den Grund niedergebrannt, um 
ihre Anwendung als Operationsbasis durch den Feind zu ver 
hindern. Lange Zeit blieb die Stadt fast ausgeslorben. 
Neues Leben bekam Helsingfors in der Mitte des 18. Jahr 
hunderts durch die Gründung der Festung Sveaborg; und doch 
hatte sie noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerung 
von nur etwa 4000 Menschen, 
Eine unerwartete Änderung der Lage trat durch Finnlands 
Vereinigung mit Rußland nach dem Kriege von 1808—09 ein. 
Als Finnlands Hauptstadt wurde Turku-Abo (vgl, Abb. 8 auf 
S. 170) von den russischen Machthabern als Schweden zu nahe und 
von St. Petersburg zu weit gelegen angesehen und Alexander I. 
beschloß 1812, das durch Sveaborg geschützte Helsingfors zur 
Hauptstadt zu machen. 
Auf kaiserlichen Befehl wurde dem feingebildeten I. A. Ehren 
ström der Auftrag erteilt, einen neuen Stadtplan für die neue 
Hauptstadt auszuarbeiten. Dieser Plan, der 1817 fertig vorlag und in 
den Hauptzügen beim Ausbau auch befolgt wurde, ist in klassischem 
Stil gehalten und trägt betont monumentales Gepräge (Abb. 1).
	        
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