Path:
Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

166 
Abb. 3 j Gesamtplan für Pari / Architekt; Herold Andersin, Heising fürs 
Eine zielbewußte Arbeit im Interesse der Entwicklung des 
Städtebaues ist in Finnland ziemlich jung. Zwar sind hier auch 
vor Beginn dieses Jahrhunderts Stadtpläne aufgestellt worden, 
teils zur Neuregelung älterer Städte, teils zur Gründung ganz 
neuer Städte; diese Maßnahmen sind aber meist zufällige gewesen, 
einzelne Aufgaben, deren Ausarbeitung, wie es sich gerade traf, 
Persönlichkeiten zufiel, die mit der Ausführung von Städtebau 
plänen mehr oder weniger vertraut waren. Eine Ausnahme 
macht nur die Ausführung der Pläne für Helsingfors, das im 
Jahre 1812 zur Landeshauptstadt erklärt wurde, J, A. Ehrenström 
gestaltet den unregelmäßigen Stadtplan der Kleinstadt vollständig 
um. Im Rahmen dieser Pläne baute Carl Johan Ludvig Engel dann 
das öffentliche Zentrum der Stadt, und schuf ein Forum, das durch 
seine Großzügigkeit noch hundert Jahre später, auch in viel größeren 
Verhältnissen, eine geradezu überraschende Wirkung hervorruft. 
Auch heute noch trägt die Großstadt Helsingfors das Gepräge, 
das ihr das Zusammenwirken dieser beiden Männer gegeben hat. 
Finnlands Städte sind zum größten Teil in Holz errichtet worden, 
was auch jetzt noch vielfach der Fall ist. Darin Hegt die Ursache 
für die häufigen Feuersbrünste, welche, sogar mehrmals innerhalb 
eines Jahrhunderts auftretend, unsere Städte oft vollständig ver 
nichtet haben. Besonders schicksalsschwer waren in dieser Hin 
sicht die Brände um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Das 
Bestreben, die Entstehung solcher Brände zu verhindern, rief 
eine ganz eigenartige Entwicklung des Städtebausystems hervor. 
Das Prinzip dieses Systems, welches später auch in Schweden als 
vorbildlich gegolten hat, war die Teilung der Stadt durch breite 
Parkstraßen oder Esplanaden in kleinere Teile; außerdem wurden 
längs der inneren Grundstücksgrenzen in jedem Baublock mit 
Laubbäumen bepflanzte Feuersicherungszonen gebildet. Die Städte 
erhielten dadurch mit ihren durch Birkenreihen getrennten, ein 
stöckigen Holzgebäuden ein besonders schönes, laubreiches Ge 
präge, so daß man sie, um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen, 
mit gutem Grund als Gartenstädte bezeichnen könnte. 
Ein anderes, vielleicht früher angewandtes, Verfahren zur Ver 
minderung der Feuersgefahr bestand darin, daß man an Stelle 
solcher zwischen den Grundstücken gelegenen Bepflanzungs- 
Zonen schmale Brandgassen anordnete, welche die Baublöcke in 
kleinere Telle zerlegten. In späterer Zeit hat diese Maßnahme 
doch zu Mißständen geführt, als an diesen Gassen von unzu 
länglicher Breite hier und da mehrstöckige Steingebäude errich 
tetwurden. Dagegen haben bei der starken Zunahme des Straßen-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.