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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

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Haltung des alten Grundprinzips, die Zahl der in der Hautpsache 
parallel nebeneinander laufenden Straßen einfach vermehrte ohne 
sonst eine Änderung eintreten zu lassen. So erweiterte sich der 
einfache Zweistraßentyp oft zum Drei- und Vierstraßentyp, 
während fünf und sechs Parallelstraßen schon ein sehr seltenes 
Maximum darstellen. Immer aber bleibt die einseitige Entwicklungs 
richtung beibehalten, von Tor zu Tor verlaufende Hauptstraßen 
mit nur untergeordneten Querverbindungen, Selbst wo ein drittes 
oder ein viertes Tor vorhanden und so in der Querrichtung eine 
Hauptverkehrsstraße nötig wird, ist es doch nur diese eine, die 
dann eingefügt wird,ohne daß die ausgesprochene Längsentwicklung 
der Stadt damit aufgehoben ist. 
Die gegebenen Bilder zeigen, ein wie wunderbares räumliches 
Ergebnis mit diesem Planschema für die innere und äußere Ge 
staltung der Stadt erreicht wurde. Das einzige, was dabei häufig 
stört, ist die strenge Forderung der Ostung der Kirchen, wodurch 
diese oft schräg zu dem sonst so klaren Achsensystem zu stehen 
kommen. Es scheint mir aber darin ein besonderer Beweis für 
die sich im Mittelalter bereits durchsetzende übergeordnete raum 
künstlerische Anschauung zu liegen, daß schließlich doch recht 
oft über die Orientierungsforderung der Kirche zur Tagesordnung 
übergegangen wurde und diese sich ln ihrer Lage dem Haupt 
achsensystem anpassen mußte. 
Professor Otto Kloeppel, Danzig 
derzeit Rektor der Technischen Hochschule 
Zu den falschen Vorstellungen, mit denen in Architektur und 
Stadtbaukunst besonders viel Unfug getrieben worden ist, gehört 
die Annahme, die „mittelalterliche“ oder die „nordische“ oder die 
»deutsche“ Baukunst habe eine tiefinnerliche Verwandtschaft zur 
Unregelmäßigkeit oder Unordnung. Verwandt damit ist die An 
nahme (die neuerdings von einem Schweizer Kritiker unserer 
Abb. 28 / Zweigeteilter Kreuzhof {nach Kloeppel) Ahb. 29 / Dreigeteilter Kreuzhof (nach Kloeppel) 
Die Abbildungen 25 bis 29 auf dieser und Abb. 30 und 31 auf der folgenden Seite veranschaulichen nach Kloeppel die Entwicklung des ostdeutschen Bauernhofes seit der 
Mitte des 16. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist die strenge achsiale und symmetrische Anlage dieser Höfe.
	        
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