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Volume H. 8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 22.1927 (Public Domain)

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Anspruch zu nehmen, um sie dann zweckmäßig u. a. für Grünflächen 
usw. zu verwenden, kann bei niedrigerer Bebauung in Reihenform 
zweckmäßiger verwendet werden. Dann ist der in der niedrigeren 
Geschäftsstadt Berufstätige im Verkehr diesen Flächen auch näher 
gerückt und er wird mehr Vorteil von ihnen haben, als wenn er 
sie von hohen Türmen herab nur selten sieht und kaum je be 
nutzt. Es ergibt sich ferner, daß die Gesamtanlagekosten der 
Geschäftsstadt mit Höhensteigerung der Bebauung erheblich 
wachsen und zwar bei Le Corbusiers Plan schätzungsweise auf 
das Doppelte der Kosten einer Geschäftsstadt mit siebengeschossi 
gen, 24 m hohen Geschäftshäusern. Für die City einer wachsen 
den Großstadt ist eine Höhenentwicklung über das sieben- bis 
elf gesell ossige Kontorhaus nur dann angebracht, wenn die Ver 
kehrskonzentration bei der Höhenentwicklung durch wirtschaft 
lich mögliche Verkehrsanlagen reibungslos aufgenommen werden 
kann und wenn durch die so zu erzielende Ersparnis an City 
fläche große, historisch oder architektonisch bedeutende Werte 
und Anlagen erhalten werden können, oder durch die Höher 
bebauung eine vorzeitige Ausdehnung der City, verbunden mit 
wirtschaftlich nicht zu vertretenden Kosten und mit Vernichtung 
noch verwendbarer Werte zu vermeiden ist. 
Als dritter Redner behandelte Architekt Distel-Hamburg die 
Frage der Wirtschaftlichkeit von Hochhäusern. Nach seinen 
zahlreichen graphisch erläuterten Berechnungen ergibt sich, daß 
das elfstöckige Geschäftshaus unter Voraussetzung Hamburger 
Verhältnisse am wirtschaftlichsten ist (Abb. 1, S. 126). Das End 
ergebnis seiner Untersuchungen aber ist, daß der Anreiz zum 
Bau von Hochhäusern zurzeit nicht groß ist. 
EIN BERLINER GEGENBEISPIEL 
Standen die Verhandlungen der Akademie nach dem Gesagten 
auf einer bemerkenswerten wissenschaftlichen Höhe, so kann dies 
STÄDTEBAULICHE 
Der Wettbewerb zu dem Bebauungsplan für Bilbao, über den 
in Heft 7 von „Städtebau“ berichtet wurde, ist nach dem Ein 
gang der hier mitgeteilten Pläne ausgeschrieben worden. 
Der Hochhaustaumel, der in Amerika so ernste Folgen gehabt 
hat und gegen den Raymond Unwin in der 9 Millionen-Stadt 
London mit Erfolg kämpft, hat sich nicht nur kleineren Städten 
wie Berlin und Köln, sondern auch ganz kleinen Städten wie 
Bilbao als unvermeidliche Krankheit mitgeteilt. Die Bevölkerung 
von Bilbao zählt 120000, aber eine kräftige Unternehmergruppe hält 
es trotzdem für nötig, 16geschossige Hochhäuser zu bauen, und 
hat sich von dem Architekten Zuazo Ugalde einen großen Straßen 
verbesserungsplan entwerfen lassen, dessen Mitte ein riesiges Hoch 
haus mit engem Innenhof bildet. Das Projekt liegt in einer schönen 
Veröffentlichung (erschienen in Madrid bei Gräficas Reunidas) 
vor; einige Abbildungen sind hier mitgeteilt (S. 127 und 128), 
Grundrisse des Hochhauses fehlen zwar in dem Buche, aber aus einem 
Schnitt kann man ersehen, daß die Höhe des Hauses die Tiefe 
des Innenhofes um mehr als das Doppelte übertrifft. Es sollen 
also die ungünstigen Verhältnisse der 9 Millionen-Stadt New 
York in Bilbao mit seinen 120000 Einwohnern nachgeahmt werden. 
Abb. 1 (nebenstehend) 
Das Hochhaus am Flusse und an den Eisenbahnanlagen 
Vgl. Abb. 2 und 3 auf Seile 128 
leider nicht von einem Vortrag gesagt werden, den ein Führer 
des „Ringes“, der heute mächtigen Gruppe modernistischer 
Architekten um jeden Preis, auf der großen Berliner Kunstaus 
stellung vor einem geladenen Kreise zu halten sich wenige Wochen 
vorher bemüßigt fühlte. Er suchte dabei Idealpläne für die 
Ausgestaltung Berlins zu erläutern, Pläne, die zum Teil recht 
phantastisch sind. Warum es der Vortragende für erforderlich 
hielt, die bekannten Grundzüge des Städtebaues, wie den 
Gegensatz von geplanten und gewachsenen Städten und der 
gleichen, vor einem Publikum von Fachleuten breitzutreten, 
bleibt sein Geheimnis. Er wies weiter darauf hin, daß der 
Städtebau der Gegenwart nach seiner Meinung vor allem 
„kulturpolitisch“ zu orientieren sei, daß ferner die Gefahr 
möglicher Luftangriffe zur Dezentralisation der Großstädte bei 
trage und brachte es trotzdem fertig, sich in demselben Atem 
zuge dafür einzusetzen, in der Umgebung des Reichstages in 
Berlin ein Reichsforum zu schaffen, d, h, dort alle Ministerien mit 
dem Wohnsitz des Reichspräsidenten möglichst zu vereinigen und 
entsprechend am Kemperplatz ein preußisches Forum anzulegen. 
Auch der gesamte Eisenbahnverkehr soll in einem gewaltigen 
Hauptbahnhof, für den vor allem der Name „Friedrich List- 
Bahnhof“ bereits „feststeht“, am Humboldthafen vereinigt 
werden .... Diese seltsamen Ausführungen wurden im 
Brustton der Überzeugung vorgetragen und alle etwaigen Bedenken 
von vornherein niedergeschlagen im Sinne der bei einer anderen 
Gelegenheit formulierten Meinung des Vortragenden, daß „ein 
Urteil über die Qualität einer geistigen Arbeit nur von denen 
getroffen werden kann, die diese Probleme überhaupt 
kennen, das sind jene, deren Arbeitsziel gleichgerichtet ist dem 
zu Beurteilenden“. Jede Entgegnung auf diesen Satz, der seine 
innere Unhaltbarkeit so klar zur Schau trägt, dürfte überflüssig 
sein und seine Wirkung nur abschwächen. Leo Adler 
PLÄNE FÜR BILBAO
	        
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