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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

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besetzt werden. Berlin wird also im allgemeinen künftig- eine Rand 
bebauung aufweisen und es wird darin nur Vorderhäuser geben. 
Abb, 9 gibt einen Baublock aus dem ältesten Berlin mit seiner 
außerordentlichen Dichtigkeit der Bebauung wieder. Abb. 11 zeigt 
die derWirklichkeit entnommene Vogelschau eines nach der letzten, 
alten Bauordnung aufgeteilten Baublocks mit den ineinander 
geschachtelten Seitenflügeln und Quergebäuden. 
Abb. 10 gibt einen nach der neuen Bauordnung bebauten 
Baublock der 5-geschossigen Bauweise wieder und Abb. 12 läßt 
erkennen, welche Hoffläche bei der 3-geschossigen Bauweise 
künftig erforderlich ist. 
An Stelle der engen, alten Höfe wird sich eine Gartenanlage 
ausbreiten. Das Berlin der Zukunft wird im Gegensatz zum allen 
Berlin nicht der von labyrinthähnlichen, dunklen Hofen durch 
löcherte Steinhaufen, sondern wird freier und lichter werden 
mit hellen, von der Sonne beschienenen Höfen. 
Magistratsbaurat Johannes Crobler 
DIE BERLINER STAATSOPER FÜR 2500 STATT 1600 ZUSCHAUER 
RETTUNGSVERSUCH MIT SKIZZEN VON W. HEGEMANN UND L. ADLER 
Abb. 1—4 / Skizzen zur Erweiterung der Staatsoper nur nach Osten / Lageplan, Ansicht, Schnitt und Grundrisse 
Erfüllung der verkehrspolizeilichen Forderungen durch Anordnung von vier je 3 1 /« m breiten Fahrbahnen unter S m 
hohen Durchfahrten. Die so ermöglichte gedeckte Anfahrt gestattet Beseitigung des häßlichen Vordaches an der Nordfront 
des alten Baues. Über der Durchfahrt liegt der obere Teil des Zuschauerraumes, der sich in etwa 42 m Länge mit der 
zulässigen Neigung von etwa 1:3 von der Höhe des zweiten Ranges im alten Bau bis zum neuen Orchester (5 m unter 
Straßenhöhe) erstreckt. Die neue Bühne liegt auf entsprechender Höhe. Der Schnürboden kann bis etwa 28 m über 
Bühnenhöho ohne außen sichtbaren Aufbau emporgeführt werden. (Im neuen Stuttgarter Landestheater von Heilmann und 
Liltmann ist die entsprechende Höhe nur 27,1 m.) Jeder Aufbau, der die Kuppel der Hedwigskirche erschlägt, wird über 
flüssig. Anstelle einer Hinterbühne treten Seitenbühnen neben der Unterbühne nach Art des Dresdener Schauspielhauses 
(Abb, 5 und 6). Vgl. auch „Wasmuths Monatshefte“, 1924, S. 128. 
Während der Bund deutscher Architekten, die 
Akademien der Künste, des Bauwesens usw. und 
jeder fühlende Mensch eifrig gegen die neuen 
Umbaupläne am Opernplatz Einspruch erheben, 
werden diese Pläne mit größter Hast ausgeführt. 
Die Absicht ist augenscheinlich, den Landtag, der 
zum zweitenmal entscheiden soll, vor eine bereits 
vollendete Tatsache zu stellen und die Herstellung 
eines würdigeren Zustandes wegen der dann dazu 
erforderlichen neuen Kosten unmöglich zu machen. 
Es werden so 4 bis 6 Millionen Mark in einen auf 
etwa 30 Jahre berechneten „vorübergehenden Um 
bau“ gesteckt, der nach fast einstimmigem Urteil 
aller berufenen Beurteiler jedem Begriffe städte 
baulicher Würde widerspricht. Wozu? Um in den 
Ruinen des alten Opernhauses Vorstellungen geben 
zu können, für die es nie bestimmt war. Es ist 
unerfindlich, warum nicht auch der Zirkus Busch 
seine Vorstellungen im alten Opernhaus geben und 
dieses dann wieder einmal „zu kleine“ Gebäude 
wieder gründlich umbauen soll. Was Friedrich II. 
und Knobelsdorff am Opernplatz schaffen wollten, 
ist selbstverständlich gänzlich belanglos, solange 
platter Größenwahn die ererbten architektonischen 
Kunstwerke kurz und klein schlagen, aufpuffen, 
überbauen und breit treten darf, um das scheuß 
liche Ergebnis dann im Centralblatt der Bauver 
waltung (7, April 1926) als „zwar bedauerlich, aber 
unvermeidbares“ Ergebnis „der fortschreitenden 
Kultur“, zu entschuldigen oder gar dreist als not 
wendig aus „Rücksicht auf die Hedwigskirche und 
die sich daran knüpfenden Gefühlswerte“ anzu 
preisen. 
Gesetzt den Fall, man dürfte wirklich wertvolle 
Bauten wie das alte Opernhaus so behandeln, als 
wären sie Ausziehtische, Ballonkoffer oder Zieh 
harmonikas, die sich nach Bedarf ausdehnen lassen, 
dann gäbe es doch immer noch etwas achtungs 
vollere Verfahren, den angeblich benötigten Raum 
zu schaffen, als die gegenwärtig Hals über Kopf 
AUFBAU IJ>T 
ABZUBOECHEN 1
	        
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