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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

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Abb. 1 / Unterschied der zulässigen Höhe nach 
der alten und neuen Bauordnung 
Abb. 2 / Ausbildung von Balkon und Erker nach der alten 
Bauordnung 
Abb. 3 / Erkerausbildung nach der neuen Bauordnung 
DAS KÜNFTIGE GESICHT BERLINS 
VON JOHANNES GROBLER-HALENSEE 
Nach der Bildung von Groß-Berlin trat die gebieterische Not 
wendigkeit ein, die verschiedenen im Weichbilde Berlins gültigen 
Bauordnungen durch eine einheitliche Bauordnung zu ersetzen. 
Es ist lehrreich zu untersuchen, wie sich das Antlitz Berlins 
durch die Auswirkung der neuen Bauordnung vom 3. 11. 25 ändern 
wird, und wie neue Anschauungen bei der Bearbeitung der Bau 
ordnung zu Worte gekommen sind. 
Die neueBauordnung ermäßigt die Gebäudehöhen gegenüber der 
alten um 2-3m. Ein Gebäude der 5 geschossigen Bauweise z. B. konnte 
früher 22 m hoch werden; jetzt sind 
nur noch 20 m zugelassen (Abb. 1). 
Durch Dispens wird es jederzeit 
möglich sein, künstlerisch bedeutsame 
Architekturglieder, die sich nicht mehr 
durch die Höhenberechnung decken 
lassen, zu genehmigen. Die Verfechter 
der Frontaufbauten können jedoch nach 
unserer Ansicht mit dem Spielraum, den 
die neue Bauordnungfür die Giebel bie 
tet, auch ohnedem zufrieden sein, denn 
nach Abzug der für die Geschosse not 
wendigen Höhe von 5X3,50= 17,50 m 
bleiben noch immerhin 2,50 m Höhe 
verfügbar. Dazu kommt die etwa 
unbenutzte zulässige Fassadenfläche 
außerhalb der höher geführten Giebel 
usw , die für die Durchschnittsberechnung der höheren Teile heran 
gezogen werden kann. 
Eine weitere Einschränkung ist durch die Vorschriften über die 
Erker und Baikone eingeführt. Die alte Bauordnung ließ zu, daß 
V$ der Hausfront von den Vorbauten eingenommen wurden und 
zwar 1 / a von den Baikonen und 1 / 3 von den Erkern. Da der Vor 
bau (Erker oder Balkon) nicht an die Nachhargrenze gerückt werden 
durfte, erhielten die mittleren Zimmer die Vorbauten (Abb. 2). 
Der Architekt hatte nur zu wählen, entweder die Erker vor die 
Mitte und die Baikone seitlich davon zu legen, oder aber die 
Baikone in die Mitte und die Erker seitlich davon anzuordnen. 
Diese Haustypen wurden vom Bauherrn erzwungen, da die alte 
Bauordnung die unentgeltliche Benutzung des Luftraums der Straße 
für Erker und Baikone zuiieß und der Bauherr selbstverständlich 
jede Vergünstigung in Anspruch nahm. 
Die neue Bauordnung beseitigt die unentgeltliche Be 
nutzung des Luftraums der Straße. 
Die jetzige Bestimmung, daß Erker und Baikone nur ’/* der Front 
einnehmen dürfen, erscheint daher nach den bisherigen Erfahrungen 
überflüssig (Abb. 3). Wenn man sich entschloß, sie trotzdem in 
die Bauordnung aufzunehmen, so geschah es, um auf alle Fälle 
eine Grenze zu setzen. Verfasser hält es für das Richtigste in diesem 
Punkte die größte Weitherzigkeit walten zu lassen und die Länge 
der Vorbauten unter folgenden Einschränkungen nicht zu begrenzen: 
1. Die Vorbauten dürfen über eine Linie von 60° an der Nach 
barkante nicht hinausgehen. Wenn sich ihre Seitenflächen decken, 
dürfen sie auch auf der Nachbargrenze 
errichtet werden 
2. Die Tiefe der Vorbauten richtet 
sich nach der Straßenbreite und darf 
1,5 m nicht überschreiten. 
3. Erker werden mit der doppelten 
Fläche vom Bruchteil aus der Anzahl 
der Geschosse, in denen sie überein 
ander ausgeführt werden, und der zu 
lässigen Anzahl der Vollgeschosse des 
Gebäudes, Baikone mit dieser Fläche 
selbst vom Grundstück abgezogen 
(Abb. 4). 
Werden die Bestimmungen der Bau 
ordnung über die Höhe der Gebäude 
und über die Vorbauten das gesamte 
Straßenbild in einem neuen Gewände 
erscheinen lassen, so sind die Bestimmungen über die Geschäftsviertel 
dazu angetan, das Bild der Geschäftsviertel ( City) — also des ältesten 
Berlin — entscheidend umzuformen und ihnen ein ganz anderes Ge 
präge zu geben. Die neue Bauordnung läßt die Möglichkeit so 
genannter „Geschäftsviertel“ zu, in denen nur Geschäfte, Bürohäuser 
und Hotels errichtet werden dürfen, Wohnungen aber mit Ausnahme 
jener der Inhaber oder der Aufseher verboten sind. Diese Ge 
schäftsviertel erhalten u. «. folgende Vergünstigungen; 
1. Sie dürfen 4 m höher sein als die betreffenden Bauklassen 
im übrigen zulassen. 
2. Als Dachneigung darf anstelle der 45° der Winkel von 60" 
angenommen werden. 
3. Innerhalb dieser Höhe darf ein Geschoß mehr errichtet 
werden, als die Bauklasse gestattet. 
Bis jetzt, d. h. nach der alten Bauordnung, waren in der Altstadt 
nur 5 Geschosse zugelassen. Die neue Bauordnung läßt dieselbe Ge 
schoßzahl zu, gibt aber den Gcschäftsvierteln ein weiteres Geschoß 
Abb. 4 / Schema der zulässigen Erkerausbildung nach Vorschlag des 
Verfassers
	        
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