Path:
Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

83 
Abb. 4 / Aus dom Bebauungsplan für Gotenburg / Architekt: Albert Lilienberg' 
Göta-Platz / Zeichenerklärujf nebenstehend 
1 
2 
4 *«« 
5 
e — 
7 
ö aas 
9 ot* 
C -■(»» 
« . 
a ET3 
b CZD 
i ins 
y. mm 
VORHANDENES 
1 Festgestclller Bebauungsplan 
2 Grenzen der Grundstücke 
3 Gebäude 
4 Höhenlagen der Straßen 
BEBAUUNGSPLAN, FÜR DEN DIE FESTSTELLUNG 
NACHGESUCHT WIRD 
5 Linie 3 m außerhalb des Geländes, für das die Festsiellungeines Bebauungs 
planes nachgesucht wird 
6 Grenzen 
7 Straßen und öffentliche Plätze 
8 Öffentliche Plätze für Ziergärten u. dgl. 
9 Baumreihen 
10 Höhenlagen für Straßen und Plätze 
11 Grenzen für die verschiedenen Höhenlagen 
BESTIMMUNGEN FÜR DIE ART DER AUSNUTZUNG 
DER BAUBLÖCKE 
a Vorgärten und sonstige Grundstücksteile, die weder bebaut noch unter 
kellert werden dürfen 
b Teile von Grundstücken, wo nur Säulenvorhallen, Terrassen und Treppen 
angelegt werden dürfen. Bei Anlage der Vorgärten und Höfe sind die 
Vorschriften innezuhalten 
c Baublöcke für öffentliche Gebäude 
d Baublöcke, für die, außer dem in c angegebenen, gilt, daß für den 
Straßenverkehr Durchgänge gelassen werden sollen 
e Grundstöcke, auf denen Gebäude nur auf der Höhenlage, die daneben 
angegeben ist, aufgeführt we>den dürfen 
f Grundstücke für geschlossene Bebauung; Gebäudehöbe ist im schwarzen 
Kreis für den Dachfuß und im schwarzen Rechteck für den Dachfirst 
angegeben, wobei die Neigung des Daches 30 Grad nicht übersteigen 
darf. Dachfenster gegen Straßen und öffentliche Gebäude nicht zulässig 
g Grundstücke für Gebäude in gesdilosscner Reihe 
h Durchfahrt für den Straßenverkehr 
i Erdgeschoß als Säulen- oder Laubengang ausgebildet 
k Gebäude in geschlossener Reihe bis zu der im schwarzen Kreis an 
gegebenen Höhe, flach abgedeckt, Balustrade 
1 Die künstlerische Gestaltung der Gebäude erfolgt, wie es die Lage des 
Grundstückes und die benachbarten Gebäude erfordern 
m Feuergefährliche, industrielle oder damit vergleichbare Anlagen dürfen 
nicht angeordnet werden. Die Grundstücke dürfen nicht zu Niederlagen 
gebraucht werden außer für Baumaterial während der Bauzeit 
n ln den Baublocken, für die vors;eschrieben worden ist, daß Teile de* 
inneren der Grundstücke unbebaut bleiben sollen, darf der Hof kleinere 
Fläche und Breite haben, als die in dem Baugesetze vorgeschriebenen, 
wenn der unbebaute Boden eine zusammenhängende Fläche von min 
destens 800 qm ausmacht 
Bemerkenswert für deutsche Verhältnisse ist vor allem die Ab 
kehr von dem englischen System der einzelnen Zweckverbände, 
der „ad hoc Verwaltungskörper“. Wertvoll ist ferner die Fest 
stellung, daß die Einheitsgemeinde mit dezentralisierten Neben 
aufgaben dem erweiterten Zweckverband mit zentralisierten Haupt 
aufgaben letzten Endes gleich ist, daß es sich also nur um ver 
schiedene Wege mit dem gleichen Endziel handelt. Beachtlich ist 
schließlich dieTatsache,daß sich der erweiterte Zweckverband in dem 
Bergwerksbezirk von Pittsburg, die Einheitsgemeinde aber in der 
stark zentral entwickelten Großstadt New York herausgebildet hat. 
Der Vergleich mit dem Zweckverband Ruhrkohlenbezirk und 
der Einheitsgemeinde Berlin Hegt auf der Hand. Die erste Verwal 
tungsform eignet sich offenbar besser für die um einige gleichwertige 
Städte gruppierten Bergbau gebiete, die letztere für die zentral ent 
wickelten Großstädte des Handels und der verarbeitenden Industrie, 
Beide Wege aber müssen im Gesetz offen gehalten werden. 
Die Regionalverwaltung von Groß-Pittsburg umfaßt das Gebiet 
des früheren Landkreises Allegheny. Dieser Landkreis ist auf 
gehoben worden, ohne daß die Einzelgemeinden den Großstädten 
zugeschlagen wurden. Die Gemeinden, Großstädte, Kleinstädte 
und Dörfer sind selbständige Glieder der Regionalverwaltung. 
Bisher waren kreisfreie Städte in den Vereinigten Staaten 
selten, auch die Großstädte gehörten dem Landkreisverbande an. 
Nunmehr sollen die Landkreise im Gebiet der großen Zusammen 
ballungen beseitigt werden; denn man empfindetimmermehr.daßdie 
politischen Grenzen mit den Wirtschaftsgrenzen und den diesen ent 
sprechenden Grenzen der Zusammenballung übereinstimmen müssen. 
Der Amerikaner erstrebt also eine Scheidung der örtlichen 
Verwaltung städtischen von der Kreisverwaltung ländlichen Cha 
rakters. Der Entwurf eines Preußischen Städtebaugesetzes aber 
strebt anscheinend gerade das Gegenteil an, arbeitet auf den 
Zustand hin, der in den Vereinigten Staaten bisher bestand und 
den man dort zu beseitigen wünscht. 
Dieser Umstand gibt doch sehr zu denken. Nehmen wir ein 
mal an, die Bestrebungen der Preußischen Regierung, den Land 
kreis als Planbehörde im Städtebaugesetz zu verankern, seien 
dort berechtigt, wo der Kreis allseits gleichmäßig industrialisiert 
ist, wie in den Bergbaugebieten, so muß doch gesagt werden, 
daß der Kreis in der Nähe einer zentral entwickelten Großstadt 
des Handels und der Verarbeitungsindustrie kein einheitliches 
Gebilde mehr ist. Die an den Radialbahnen gelegenen, im 
städtischen Sinne entwicklungsfähigen, Gebiete des Kreises haben 
mit den ländlichen Gebieten sehr wenige Beziehungen mehr; um 
so enger aber sind ihre Beziehungen zur Großstadt. 
Als Wirtschaftsgebiet kann der Landkreis in der Nähe einer zentral 
entwickelten Großstadt nicht angesprochen werden, und es hat daher 
auch keinen Zweck, die Kreisverwaltung zur Planbehörde zu machen. 
Zu 2. Durch die Gründung der Reichsbahngesellschaft sind 
die Aufgaben des Deutschen Städtebaus nicht einfacher geworden. 
Die Reichsbahn ist keine reine Privatgesellschaft, sie hat daneben 
auch noch behördliche Funktionen. Sie ist ferner ein Monopol 
betrieb und besitzt daher eine weit stärkere Stellung, als Privat 
bahnen anderer Länder. 
Das Beispiel Amerikas zeigt, das große Städte, welche Sitze 
mehrerer Eisenbahngesellschaften sind, städtebauliche Projekte oft 
deshalb durchzusetzen vermögen, weil der Wettbewerb der ein 
zelnen Gesellschaften Möglichkeiten der Einwirkung schafft. Auch 
das Reklamebedürfnis zwingt diese Gesellschaften häufig zu großen 
Aufwendungen, beispielsweise für Empfangsgebäude. Das be 
kannteste Beispiel ist der große Eisenbahnknotenpunkt Chicago,
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.